Bitburger: Keine Katerstimmung

Bitburger: Keine Katerstimmung

BITBURG. Kein Zapfhahn-Zapfenstreich in Sicht. Prognosen der jüngsten Ernst & Young Studie über das Brauereisterben in Deutschland werden bei der Bitburger Brauerei relativ gelassen gesehen.

Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, der durchschnittliche Bierkonsum auch und mit ihnen die Zahl der Brauereien, die sich gegen diese Tendenz behaupten werden können. Das zumindest sind die Kernaussagen einer Studie der Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (der TV berichtete), wonach ein Großteil der bundesweit bierbrauenden Unternehmen im Jahr 2015 nicht mehr existieren wird. Grund für diese Entwicklung ist nach dieser Untersuchung auch die Konzentration auf dem deutschen Biermarkt und der in den vergangenen Jahren immer stärker zu verzeichnende Zuwachs ausländischer Braugiganten, die sich hier einkaufen würden. Michael Dietzsch, Geschäftsführer der Bitburger Getränkeverwaltungsgesellschaft sieht den Aussichten für das alkoholische Getränk eher nüchtern entgegen. "Es ist nicht das erste Mal, dass Prognosen auftauchen, die eine drastische Reduzierung der Brauereizahl vorhersagen", sagt Dietzsch. Doch trotz generell rückläufiger Entwicklung sei der Bierkonsum mit 121 Litern pro Kopf und Jahr in Deutschland "immer noch auf hohem Niveau". Er glaube nicht, dass, wie in der Studie angedeutet, der Bierverbrauch bis 2015 um bis zu 30 Prozent sinken werde, meint der Geschäftsführer und warnt vor einer oberflächlichen Betrachtungsweise der Untersuchungsergebnisse. Von den 1272 Brauereien, die es derzeit in Deutschland gebe, seien allein rund 900 so genannte Gastronomiebrauereien, deren Bierausstoß vergleichsweise gering sei, die aber dennoch in der Statistik auftauchen würden. Wenige Große beherrschen den Markt

"In Bayern werden es jedes Jahr 20 Brauereien weniger", sagt Dietzsch, "doch bei genauerem Blick auf die Zahlen" zeige sich, dass 65 Prozent des gesamten Bierumsatzes von nur 30 Brauereien bewältigt würden. Laut Ernst & Young sollen in den kommenden zwölf Jahren rund zwei Drittel der klassischen Brauereien verschwinden, von den 530 deutschen Brauereien, die 5000 Hektoliter und mehr produzieren, werden 340 kaum Überlebenschancen eingeräumt. Verlierer dieser Entwicklung sollen vor allem die Biere im mittleren Preis- beziehungsweise Qualitätsniveau sein, und hier sieht Dietzsch in der Tat einen Sandwich-Effekt bestätigt, von dem die untere Brötchenhälfte der wachsende Marktanteil der Billigbiere ist und die obere der Anteil der weiterhin bestehenden Premiummarken, zu denen auch das Bitburger Bier gehört. "Wir klagen auf hohem Niveau, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass wir uns überlegen müssen, wer unsere Mitstreiter sind." Mit Mitstreitern meint der Geschäftsführer jedoch nicht nur die Billiganbieter in den Discountmärkten, sondern auch die Hersteller von Trend- und hier vor allem Bier-Mix-Getränken. Die Markteinführung des Mischgetränkes "Mixery" der Karlsberg Brauerei sei in diesem Zusammenhang sicherlich als erfolgreiches Beispiel zu nennen, räumt Michael Dietzsch ein, warnt jedoch zugleich vor voreiligen Versuchen mit neuen Getränkevariationen, um damit den Umsatz anzukurbeln. Deshalb sei die Philosophie der Bitburger Brauerei auch nicht die Menge, sondern die Marke, und um diese im schon im Vorfeld vor unvorhersehbaren Imageschäden zu schützen, will die Bitburger Brauerei ihr Pils trotz apokalyptischer Brauerei-Prognosen weder mit Cola noch mit Limo oder mit sonstigem mischen.