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Bitburger setzt auf Klosterweizen

Bitburg. Die Bitburger Braugruppe bläst zur Weizenbieroffensive: Das in Kooperation mit einem bayerischen Kloster gebraute Benediktiner Weißbier soll künftig bundesweit ausgeschenkt werden. Zudem gibt es neue Sorten. Rolf Seydewitz

Bitburg. Jahr für Jahr trinken die Deutschen weniger Bier. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ging der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch um 35 Liter auf 107 Liter im Jahr zurück. Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Branchenanalysten gehen davon aus, dass der Inlandskonsum auf absehbare Zeit um zwei Prozent jährlich zurückgehen wird. Von dem Abwärtstrend sind allerdings nicht alle Biersorten betroffen: Während der Pilsabsatz zurückgeht, steigt der Verkauf von Weizenbieren. Etwa die Hälfte des verkauften Weizenbiers geht nach Angaben des Brauerbundes in der Gastronomie über die Theke.
Nur gekuschelt


In den vergangenen acht Jahren kooperierte die Bitburger Braugruppe beim Weizenbiervertrieb in Gaststätten und Restaurants mit Branchenprimus Erdinger. Allzu gerne hätten die Eifeler die bayerische Privatbrauerei ganz geschluckt. "Aber mehr als Kuscheln war mit Erdinger-Inhaber Werner Brombach nicht drin", lästert das Branchenfachmagazin Inside Getränke.
Jetzt hat es sich offenbar ausgekuschelt: Der mit Erdinger abgeschlossene Exklusivvertrag ist Ende März ausgelaufen und wird auch nicht verlängert. Stattdessen vertreibt die Bitburger Gruppe seit Anfang April bundesweit (und auch in Österreich) das Benediktiner Weißbier der Klosterbrüder aus dem bayerischen Ettal.
Schon vor drei Jahren hatten die defizitären Klosterbetriebe (neben der Brauerei gehören dazu ein Hotel, ein Verlag und zwei Läden) und Bitburger das mehrheitlich den Eifeler Brauern gehörende Gemeinschaftsunternehmen Benediktiner Weißbräu GmbH gegründet. Mit Hilfe der Braugruppe sollte das Ettaler Weizenbier international vermarktet werden. Der Absatz steigerte sich so in kurzer Zeit von 2000 auf zuletzt 20 000 Hektoliter (ein Hektoliter sind 100 Liter). Weil die Braukapazitäten der Ettaler für diese Menge nicht ausgelegt sind, wird das Benediktiner Weißbier schon seit längerem auch in der zur Bitburger Gruppe gehörenden hessischen Licher-Brauerei gebraut - "nach Originalrezeptur" und mit der Ettaler Kellerhefe, wie es offiziell heißt.
Die hessischen Brauer dürften nach der angekündigten Ausweitung des Benediktiner-Vertriebs auf ganz Deutschland künftig noch deutlich mehr zu tun bekommen. In den 20 000 Bitburger Gaststätten gehen nach Angaben des Fachmagazins Inside Getränke jährlich 140 000 Hektoliter Erdinger über den Tresen. Zumindest ein Teil davon dürfte in nächster Zeit durch Benediktiner ersetzt werden. Neben dem traditionellen Weißbier sind seit Anfang des Monats auch alkoholfreies sowie dunkles Weißbier und Benediktiner Hell im Angebot. Getränkeexperten rechnen damit, dass die Ettaler Bierspezialitäten in absehbarer Zeit auch im Handel erhältlich sein werden.Extra

Weizenbier oder auch Weißbier ist wohl das bayerischste aller Biere. Mit einem Alkoholgehalt zwischen fünf und fünfeinhalb Prozent ist die obergärige Vollbier-Sorte entweder ein kristallklares oder leicht hefetrübes Getränk mit einem fruchtig-würzigen Geschmack. Beim Brauprozess beträgt der Weizenmalz-Anteil mindestens 50 Prozent, der Rest ist Gerstenmalz. Historisch gab es seit 1602 ein Weizenmonopol der bayerischen Herrscherfamilie Wittelsbacher, die anderen Brauern die Weizenbier-produktion immer wieder verboten hat. Heute stellen selbst norddeutsche Brauereien Weizenbier her. Weißbier schmeckt am besten gut gekühlt - ohne Zugabe von Zitronenscheiben, wie es außerhalb Bayerns manchmal serviert wird. Seit einiger Zeit wird auch alkoholfreies Weizenbier angeboten und stark nachgefragt. dpa/sey