Bitburger trotzt dem Bundestrend

Bitburger trotzt dem Bundestrend

Obwohl die Deutschen immer weniger Bier trinken, hat die Bitburger Braugruppe im vergangenen Jahr mehr Getränke verkauft als im Vorjahr. Aber das Geschäft wird zunehmend schwieriger.

Bitburg. Was hat die aktuelle Hochwasser-Katastrophe im Osten Australiens mit der Bitburger Braugruppe zu tun? Eine ganze Menge, sagt Werner Wolf, der Sprecher der Bit-Geschäftsführung. Weil auf dem fünften Kontinent große Getreidefelder unter Wasser stehen und die Ernte zerstört ist, verknappt sich auf dem Weltmarkt das Angebot. Auch für Gerstenmalz, einen Rohstoff für die Biererzeugung. Folge für die Brauer: Die Preise steigen.

Ein einfaches Beispiel für die Folgen der Globalisierung, das zeigt, dass irgendwie alles mit allem zusammenhängt. Nun wären steigende Rohstoff- oder Energiepreise nicht weiter tragisch, wenn die Brauer diese auf ihren Bierpreis umlegen könnten. Aber genau das funktioniert in einem stagnierenden Markt eben nicht. Wobei Stagnation auch der falsche Begriff ist. Der Bierabsatz geht zurück - und das schon seit Jahren. Gerade einmal 108 Liter jährlich trinkt laut Statistik jeder Deutsche; vor 20 Jahren lag der Pro-Kopf-Konsum noch bei 140 Litern.

Wer angesichts dessen seinen Absatz hält oder - wie die Bitburger Braugruppe - sogar steigert, gehört schon zu den starken Akteuren auf dem Biermarkt. 7,4 Millionen Hektoliter (also 740 Millionen Liter) Bier und Biermischgetränke verkaufte die Gruppe (Bitburger, König, Licher, Wernesgrüner, Köstritzer, Königsbacher) im vergangenen Jahr, 1,3 Prozent (oder zehn Millionen Liter) mehr als im Vorjahr. "Insgesamt ein gutes Jahr", bilanzierte gestern Bit-Chef Werner Wolf, den zu Jahresbeginn 2010 angesichts der einlaufenden Zahlen noch heftige Bauchschmerzen plagten. Die aber legten sich wieder im Laufe des schönen Sommers und der Fußball-Weltmeisterschaft. "Wenn gegrillt wird, wird auch Bier getrunken", sagt Bit-Geschäftsführer Wolf.

Ein einfaches Erfolgsrezept, das freilich von den Brauern aus der Eifel nur schwer zu beeinflussen ist. Gleiches gilt auch für politische Restriktionen wie etwa das Rauchverbot in der Gastronomie - eine Branche, die laut Wolf ohnehin im Umbruch ist. Denn immer mehr Gaststätten machen ein für alle Mal dicht, während früher nur die Pächter wechselten. Eine Entwicklung, die der traditionell stark in der Gastronomie vertretenen Bitburger Brauerei natürlich zu schaffen macht. Trotzdem konnte das "Flaggschiff der Gruppe" (Wolf) seinen Bierabsatz im vergangenen Jahr mit 3,9 Millionen Hektolitern halten.

"Im Moment verkauft niemand"



Das sei zwar erfreulich, sagt der Sprecher der Bitburger Geschäftsführung, fügt aber hinzu: "Wir können uns nicht lange über das Geleistete freuen, sondern müssen gleich neu durchstarten." Wolfs Zielvorgabe für 2011: "Wir müssen erneut besser sein als der Markt."

So lange die Bitburger Braugruppe mehr verkauft, obwohl der Bierkonsum in Deutschland zurückgeht, steigert sie ihren Marktanteil. Das könnten die Brauer aus der Eifel auch erreichen, indem sie weitere Brauereien hinzukauften. Ausreichend Geld ist da, und auch am Willen mangelt's nicht, wie die Bit-Chefs in der Vergangenheit schon häufiger betonten. Das einzige Problem: "Im Moment verkauft niemand", sagt Geschäftsführer-Sprecher Werner Wolf.