Bitburger verlässt Brauer-Bund

Bitburger verlässt Brauer-Bund

Der Deutsche Brauer-Bund (DBB) hat einen weiteren schmerzlichen Austritt zu verkraften: Die Bitburger Braugruppe tritt mit ihren Marken Bitburger, König Pilsener, Licher und Köstritzer aus den jeweiligen Landesverbänden aus.

Bitburg/Berlin. Der Deutsche Brauer-Bund gehört zu den mächtigen Lobbyisten in Deutschland: Als Dachverband (Verband der Verbände) spricht der DBB für die sechs regionalen Brauerei-Verbände. Damit vertritt der Deutsche Brauer-Bund rund 70 Prozent des deutschen Bierumsatzes. Die insgesamt 1319 Brauereien produzierten 2008 rund 102,9 Millionen Hektoliter Bier, setzten etwa 8,1 Milliarden Euro um und beschäftigten 29 600 Mitarbeiter.

Kritik kommt von den Großen



Doch dem Verband laufen die großen Mitglieder weg: Nach Krombacher, Oettinger und Radeberger (DAB, Berliner Pilsener, Jever, Clausthaler) hat nun auch die Bitburger Braugruppe dem Deutschen Brauer-Bund die Mitgliedschaft aufgekündigt. "Hintergrund für diesen Schritt sind unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die Verbandsstruktur sowie die inhaltliche Ausrichtung", teilte die Pressestelle der Bitburger Braugruppe unserer Zeitung auf Anfrage mit.

Die Bitburger Braugruppe habe in zahlreichen Gesprächen eine Neustrukturierung von Zentralverband und Landesverbänden eingefordert, die die Handlungseinigkeit aller großen und kleinen Brauereien und Braugruppen sicherstelle sowie die gemeinsame Umsetzung von Kernzielen ermögliche, hieß es weiter. "Zu unserem Bedauern ist dies bisher nicht geschehen und auch nicht in die Planung übernommen worden", so die Bitburger Braugruppe.

Lediglich die zur Bitburger Gruppe gehörende Wernesgrüner Brauerei bleibt aus vertraglichen Gründen noch bis Ende 2010 im Sächsischen Brauerbund und dem DBB. Und somit bleibt wohl auch Bit-Geschäftsführer Werner Wolf weiter Mitglied im Präsidium des Brauer-Bundes.

Mit der Kritik am DBB stehen die Bitburger nicht allein. Auch die anderen großen Brauereien bemängelten bei ihren Austritten aus dem Lobbyisten-Verband fehlende Reformen und kritisierten die Organisations-Struktur. Radeberger, mit über einer halben Million Euro früher einer der größten Beitragszahler, kritisierte in der Vergangenheit, dass die Bindung an die Landesverbände zwar den vielen traditionellen kleineren Einzelbrauereien gerecht werde, aber den vernetzten, großen Bierkonzernen wenig diene. So wird dem Verband auch mangelnde Effizienz auf EU-Ebene vorgehalten.

Beim Brauer-Bund in Berlin hoffen die Verantwortlichen noch auf ein Einlenken. Dabei rechnet man auch noch mit der Bitburger Braugruppe, die sagt: "Wir bleiben offen für einen Dialog und sind im Falle einer Neuausrichtung des Verbandes gerne bereit, dem Brauer-Bund wieder beizutreten".

Ein Verbandssprecher sagte gestern dem TV: "Wir gehen davon aus, dass die Kündigung zunächst vorsorglich ausgesprochen wurde. Wir führen mit der Bitburger und den andern großen Brauereien Gespräche über die Verbandsstruktur." Deshalb hoffe man, dass etwa die Bitburger Gruppe bis Ende des Jahre sich wieder dem DBB anschließe.

Weitere Stellungnahmen waren nicht von der Bitburger Braugruppe zu erhalten - gestern wurde der langjährige Geschäftsführer der Bitburger Brauerei, Thomas Niewodniczanski, beerdigt.

Extra
Zur Bitburger Braugruppe gehören neben zahlreichen Beteiligungen des Getränkefachgroßhandels die König-Brauerei, die Köstritzer Schwarzbierbrauerei, die Licher Privatbrauerei und die Wernesgrüner Brauerei. Mit insgesamt 7,4 Millionen Hektolitern zählt die Bitburger Braugruppe zu den führenden Braugruppen Deutschlands.