Bittere Pille

Mehrere der insgesamt 91 Firmen im Verbund des privaten Briefdienstleisters Pin-Group haben gestern Insolvenz angemeldet, darunter auch die TV-Medienservice GmbH, die zu Pin gehört. Ein Insolvenzverwalter muss nun darüber entscheiden, ob und wenn ja wie das Unternehmen dauerhaft weitergeführt werden kann.

Trier/Luxemburg. (ds) Die Turbulenzen, in denen sich der private Briefzusteller Pin-Group mit Sitz in Luxemburg befindet, werden immer heftiger. Sie haben nun auch den TV-Medienservice (TVMS) in Trier erfasst, der in der Region Trier sehr erfolgreich ins regionale Briefgeschäft gestartet war. Die Verantwortlichen sahen gestern keine andere Möglichkeit mehr, als Insolvenz anzumelden. "Wir werden die Brief-Zustellung allerdings nicht einstellen. Erst muss ein Insolvenzverwalter prüfen und letztlich entscheiden, ob eine Fortführung wirtschaftlich sinnvoll ist. Jeder Zusteller erhält für die geleistete Arbeit selbstverständlich auch sein Geld", so der Geschäftsführer der TV-Logistik, Klaus Schönwälder.Verkauft wurde der TVMS am 1. Juli 2007 an Pin, weil man sich davon eine wirtschaftlich sinnvolle Arbeitsteilung versprach. Pin sorgt für nationale Kunden und nationales Briefgeschäft, die TV-Logistiktochter für die Briefzustellung vor Ort, so das damalige Kalkül. "Wir haben unsere Arbeit sauber erledigt", sagte Schönwälder. Betroffen von den Entwicklungen sind beim TVMS rund 100 Mitarbeiter. Alle anderen Logistik-Aktivitäten der Volksfreund-Druckerei, wie etwa Zeitungszustellung oder Prospektverteilung, laufen störungsfrei weiter. Für TV-Geschäftsführer J. Friedrich Orths hat die negative Entwicklung bei Pin und anderen privaten Brief-Dienstleistern allerdings auch eine eindeutig politische Dimension: "Ohne den völlig überzogenen Mindestlohn sähe die Situation vollkommen anders aus. Dann gäbe es mittelfristig durchaus gute wirtschaftliche Perspektiven. Die Art und Weise, wie dieser Mindestlohn von der Koalition festgelegt wurde, ist ein unglaublicher Eingriff in die Tarifautonomie. Damit dreht man den Privaten die Luft ab und verlängert quasi das Postmonopol. Die Kunden werden die Zeche zahlen müssen. Die Warnungen aus der Wirtschaft waren eindeutig, sind aber leider nicht gehört worden", betonte Orths. Pin-Geschäftsführer Heinz Piepenburg erklärte, die Chancen der Gesamtgruppe, einschließlich der insolventen Gesellschaften, seien durch die Insolvenzanträge nicht beeinträchtigt.