Bitterer Tropfen für Winzer

Die EU-Weinmarktpläne stoßen auf heftige Kritik. Was die Kommission den Erzeugern einschenken will, schmeckt vielen nicht. Auch die EU-Abgeordnete Christa Klaß aus Osann-Monzel (Kreis Bernkastel-Wittlich, CDU) lässt kein gutes Haar an der Reform.

Trier/Brüssel. Aus Sicht vieler Experten ist die anstehende EU-Weinmarktreform Stückwerk. Aus dem EU-Parlament seien 890 Änderungsanträge zum Kommissionsvorschlag eingegangen, sagt die EU-Abgeordnete Christa Klaß (CDU). Die EU möchte mit der Reform den Weinmarkt in der Gemeinschaft neu ordnen, weg von der Überproduktion, die bisher in einer sogenannten Krisendestillation mündet und jedes Jahr mit rund 500 Millionen Euro von der EU subventioniert wird. Doch die Vorschläge, die EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel vorlegte, gehen nach Ansicht von Klaß in vielen Bereichen weit an der Realität vorbei. Die Kommission habe noch nicht begriffen, worum es gehe: "Die Brüsseler Agrarbehörde hat keine Vorstellung, welche Auswirkungen ihre Pläne auf den Weinmarkt haben", sagt Klaß dem TV.Einer der Streitpunkte ist, ob in Zukunft die Weinanreicherung mit Zucker noch möglich sein wird oder ausschließlich die Verwendung von sogenanntem Rektifizierten Traubenkernmost (RTK). Zumindest in diesem Punkt ist Klaß zuversichtlich, dass der Entwurf noch gekippt wird. Zur Frage des Zuckerungsverbots seien rund 40 Änderungsanträge eingegangen, erklärt die Winzerin aus Osann-Monzel. "Im Ministerrat hat sich eine große Mehrheit für die Beibehaltung der traditionell önologischen Verfahren ausgesprochen." Damit könnten dann vor allem die Winzer in Deutschland und Österreich, die traditionell Zucker zusetzen, wenn die Weintrauben wegen fehlender Sonnentage zu wenig Fruchtzucker haben, an dieser Methode festhalten. Bestehe die EU-Kommission auf dem ausschließlichen Zusatz von RTK, werde dies in der Region zu einer Vielzahl von Betriebs-Stilllegungen führen, sagt Klaß."Wir müssen in den Markt investieren"

Vergessen haben die "Reformer" zudem offenbar die Bezeichnung für Qualitäts-Schaumwein. "Das ist wohl niemand aufgefallen, wir haben aber den Antrag gestellt, dies noch abzuändern", sagt Klaß. Denn sonst könnte dies gerade für die großen Sekthersteller der Region Probleme bei der Bezeichnung ihrer Produkte mit sich bringen. Ebenso sei die Förderung der "grünen Weinlese", also die Vernichtung von Trauben, völlig inakzeptabel. "Eine solche Weinmarktreform bringt unseren Betrieben an der Mosel nur Nachteile. Um die europäischen Weine zu stärken, müssen wir in den Markt investieren und nicht in die Vernichtung von Wein", fordert Klaß. Wiesbaden. Deutscher Wein im Ausland gefragt Wiesbaden. (dpa/red) In Deutschland - und dort vor allem in Rheinland-Pfalz - wird viel Wein hergestellt. Den trinken auch Menschen gerne, die nicht in Deutschland wohnen. Den Verkauf von Waren ins Ausland nennt man Export. Der deutsche Export von Wein stieg im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 297 Millionen Liter. Ziel der Weinexporte waren meist Länder wie Großbritannien, die Niederlande, Schweden oder Russland, die kaum Wein anbauen.

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