Blendende Aussichten

Die Geschäftslage der heimischen Unternehmen hat sich gegenüber dem Jahresanfang nochmals verbessert. Und auch fürs Gesamtjahr wird mit einem Trend zu besseren Geschäften gerechnet. Dies belegen die Daten der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier.

Trier. Bundesweit schien die Konjunktur zuletzt zu schwächeln, bescheinigte der berühmte ifo-Geschäftsklimaindex der Wirtschaft doch im Mai erstmals seit acht Monaten eine Schwächung. Doch dieser Pessimismus schlägt sich in der Region mitnichten nieder. Im Gegenteil.

Geschäftslage: Nach der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage bezeichnen 93 Prozent der regionalen Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Damit hat sich die Lage gegenüber dem Jahresanfang nochmals verbessert. "Markant am stärksten ist die Wirtschaft bei den Verbrauchsgüterproduzenten und im Einzelhandel gewachsen", analysiert IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt mit Verweis auf rund 220 befragte Betriebe mit 16 000 Beschäftigten. Mehr als jedes dritte Unternehmen habe in den vergangenen zwölf Monaten seine Umsätze steigern können.

Konjunkturklimaindex: Die Einschätzung in allen drei großen Branchen, also Industrie, Dienstleistungssektor und Handel, fallen laut der IHK gleichermaßen positiv aus. So ist der von der Kammer ermittelte Konjunkturklimaindex gegenüber dem Jahresbeginn um acht Zähler auf aktuell 129 Zähler gestiegen, "ein seltener und sehr guter Wert", sagt Schmitt. Er sei in den vergangenen Jahren nur selten übertroffen worden.
Der höchste Wert war im Frühjahr 2011 nach der letzten Wirtschaftskrise mit 138 Zählern erreicht worden.
Erwartungen: Die regionalen Unternehmen sehen optimistisch in die Zukunft. 29 Prozent von ihnen erwarten gar eine noch bessere Konjunktur, 61 Prozent sehen eine Weiterentwicklung ihrer ´Geschäfte auf dem aktuellen Niveau. Folglich hat sich das Verhältnis von Optimisten zu Pessimisten nochmals zugunsten der Optimisten verbessert. "Schon zu Jahresbeginn zeichnete sich Zuversicht ab", sagt der Konjunktur-Experte. Doch habe sich die Lage verbessert. "Nochmals mehr Betriebe rechnen mit einer besseren Auftrags- und Geschäftslage, vor allem gestützt durch die Binnennachfrage." Die Industrie rechne derweil mit mehr Exporten und steigenden Auftragseingängen aus dem In- und Ausland.

Investitionen: Infolge des blendenden Konjunkturklimas steigt bei den rund 29 000 Unternehmen im IHK-Bereich zwischen Eifel, Mosel und Hunsrück die Bereitschaft zu investieren. Mehr als jedes fünfte Unternehmen will in den nächsten zwölf Monaten mehr investieren, nur 15 Prozent weniger. "Positiv dabei ist, dass fast jedes dritte Unternehmen das Geld für die Ausweitung seiner Produktionskapazitäten nutzen will", sagt Volkswirt Schmitt. Zu Jahresbeginn habe dieser Wert noch bei 24 Prozent gelegen. Heißt: Die Betriebe tauschen bei ihren Investitionen nicht nur alte Werkbänke, Regale und Schreibtische gegen neue ein, sondern erweitern ihre Produktion um neue Maschinen - und neues Personal.

Arbeitsmarkt: Apropos Personal. Neben der Ausweitung der Produktion wollen viele Betriebe auch in zusätzliches Personal investieren. Allerdings ist jedes zweite Unternehmen davon überzeugt: Der Fachkräftemangel ist das größte Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten. Folglich wird sich laut IHK Trier der Beschäftigungsaufbau fortsetzen.

Bewertung: "Wir sind sehr zufrieden", resümiert Matthias Schmitt. Es gebe gute Zeichen für ein gutes Jahr und einen Trend zu besseren Geschäften, gestützt durch die große Binnennachfrage. Die Wirtschaft habe mit dem Mindestlohn und der Rente mit 63 bereits einige "Kröten geschluckt". Der Chefvolkswirt ist optimistisch: "Es wird ein gutes Jahr für die Wirtschaft werden."Extra

Auch im gesamten Land Rheinland-Pfalz hat sich der Aufwärtstrend fortgesetzt, wenn auch nicht ganz so stark und eindeutig wie in der Region Trier. Demnach berichten mehr als 90 Prozent der Unternehmen im Land von zufriedenstellenden bis guten Geschäften. Vor allem im Handel hat sich die Konjunktur beschleunigt. "Der Großhandel profitiert von der guten konjunkturellen Entwicklung in der Industrie, dem Einzelhandel kommt die steigende Konsumlaune der Verbraucher entgegen", analysiert Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern (IHK) in Rheinland-Pfalz. Landesweit steigt der Konjunkturklimaindex von zuletzt 119 auf 124 Punkte. Es wird zwischen Westerwald und Rheinhessen nicht nur mit einem breiten Wachstum und zusätzlichen Investitionen gerechnet, auch der Arbeitsmarkt soll weiterhin stabil bleiben. Folglich ist der Anteil derjenigen Betriebe, die den Fachkräftemangel als ein wirtschaftliches Risiko betrachten, auf mittlerweile 42 Prozent gestiegen. sas