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Wirtschaft
Blick über den Tellerrand in die Zukunft

Himmerod/Immerath. Der Kapitän geht von Bord: Ekkehard Nau, der das Himmeroder Forum fast zwei Jahrzehnte geprägt hatte, geht. Fest steht: Die Diskussionsplattform bleibt bestehen und ist aus dem Unternehmens- geschehen der Region nicht mehr wegzudenken. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Den Dingen auf den Grund gehen und die Wirkkräfte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hinterfragen – dafür bleibt in schnelllebigen Phasen, und erst recht in umtriebigen, innovativen und gut gebuchten Betrieben, für die meisten wenig Zeit. Und doch hat es das Himmeroder Forum in den vergangenen 18 Jahren geschafft, mit seinen Veranstaltungen die Neugier bei den Unternehmen der Region zu wecken und diese dazu motiviert, über ihren Tellerrand zu blicken. Gegründet wurde das Himmeroder Forum im Jahr 2000 von den beiden bereits verstorbenen Trierer Professoren und Ökonomen Manfred Sliwka und Axel G. Schmidt. Hieß das Forum zu Beginn noch „Forum für Führungskräfte“, so ging es auch entsprechend unternehmenspraktisch ums Führen und Motivieren von Mitarbeitern. Seit 2007 wurde das Himmeroder Forum dann von Unternehmensberater und Coach Ekkehard Nau geleitet. Er bettete das Forum in die große politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Landschaft ein und weitete den Blick der Betriebe für das Drumherum getreu seinem Motto „Meine Arbeit ist auf die Entwicklung der Ressource gerichtet, die allein zählt: der Mensch.“

Wirtschaft als Religion? Moderne besiegt Tradition: Welche Zukunft hat das Handwerk? Asylsuchende und Flüchtlinge: Mit-Arbeiter und Mit-Bürger von morgen? Alles hat (s)einen Preis? Die ethisch-moralischen Grenzen des Marktes: Mit Themen wie diesen hat das Himmeroder Forum bislang nicht nur wichtige Wegmarken für die intellektuelle Diskussion innerhalb der Betriebe in der Region gesetzt. „Das Himmeroder Forum ist häufig ein halbes bis ein Jahr in der gesellschaftlichen Diskussion voraus“, sagt Thomas Simon, Vorsitzender des Fördervereins Kloster Himmerod.

Und so sind unter Ekkehard Nau bislang 48 Veranstaltungen entstanden, die mal 20, mal 90 Teilnehmer erreichte und die Zahl der Interessenten auf mehr als 600 hat steigen lassen. Mit seiner Abschiedsveranstaltung und der Referentin Professor Silja Graupe vom Institut für Ökonomie der Cusanus-Hochschule in Bernkastel-Kues hat Nau ein Thema besetzt, das aktueller nicht sein könnte: Ist der Kapitalismus alternativlos? Nachdenken über andere Formen des Wirtschaftens. „Die wirklich wichtige Frage lautet: Wie wollen wir gemeinsam leben und miteinander wirtschaften“, formuliert Nau die Frage. Und in der Tat wird die Frage diskutiert, wie stark sich der Sozialstaat zurückgezogen hat, um die Marktkräfte wirken zu lassen. „Gerade die Diskussion über die Mängel im Trierer Mutterhaus und das neue Pflegepersonal-Stärkungsgesetz des Gesundheitsministers zeigen ja, dass nicht alle Dinge über den Markt geregelt werden können“, sagt Thomas Simon, vor allem, wenn es um Mindeststandards gehe. Nun verlässt Ekkehard Nau, gebürtiger Westfale und zu seiner beruflichen Tätigkeit auch Lehrbeauftragter an der Hochschule Trier für Unternehmenskommunikation sowie am Institut Supérieur de l’Économie (Hochschule für Wirtschaft) in Luxemburg, das Himmeroder Forum. Wie es mit dem Forum weitergeht, steht noch nicht fest. Festhalten will vorerst der Förderverein Kloster Himmerod am Konzept der Veranstaltungen mit hochkarätigen Referenten und der Finanzierung durch Spenden. „Wir stellen uns eine Umfrage unter allen Teilnehmern des Forums zur künftigen Ausrichtung vor“, sagt Vorsitzender Simon.

Ob das Forum wieder unternehmenspraktischer werden soll wie zu Beginn, stehe noch nicht fest. Themen gebe es allerdings genug: „Wir müssen uns als Unternehmer zunehmend der Frage der Gerechtigkeit und Armut in der Gesellschaft stellen, etwa wie unsere Mitarbeiter auch konkret von ihrer Arbeit leben können“, sagt er. Dann gebe es keine Themen Mindestlohn oder Befristung mehr. Jedenfalls ist für den Förderverein das Forum „nicht mehr wegzudenken aus der Diskussionslandschaft der Region. Nau, der von Immerath (Keis Vulkaneifel) in den Norden ziehen wird, wird dies freuen, ist er doch immer noch fasziniert von Eifel, Mosel und Hunsrück: „Aus weichen Faktoren werden harte Tatsachen. Eine Region umgeht die Krise“ lautet seine These.