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Bruchlandung eines Preisträgers

Bruchlandung eines Preisträgers

Die vor drei Jahren mit dem rheinland-pfälzischen Unternehmenspreis ausgezeichnete Bitburger Maschinenfabrik ist pleite: Der Betrieb wurde eingestellt, allen Mitarbeitern gekündigt.

Messerich. Wer in diesen Tagen bei der Bitburger Maschinenfabrik im Eifel-Ort Messerich anruft, muss den Eindruck bekommen, dort herrsche rege Betriebsamkeit. "Zur Zeit sind alle unsere Leitungen besetzt", bescheidet eine weibliche Stimme vom Band dem Anrufer. Das dürfte, gelinde gesagt, geflunkert sein. Denn dass am anderen Ende der Leitung überhaupt noch einmal jemand abhebt, ist unwahrscheinlich. Der vor viereinhalb Jahren schon einmal finanziell ins Straucheln geratene Maschinenbauer ist erneut zahlungsunfähig - und dieses Mal offenbar ohne Aussicht auf eine erfolgreiche Wiederbelebung.

Auf Antrag des Geschäftsführers sei am Tag vor Heiligabend ein neues Insolvenzverfahren eröffnet worden, sagte der Direktor des Bitburger Amtsgerichts, Helmut Mencher, am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. "Uns wurde gesagt, dass allen Mitarbeitern gekündigt und der Betrieb eingestellt worden sei", sagt Mencher und fügt hinzu: "Ohne Rücksprache mit dem Insolvenzverwalter." Dies sei ungewöhnlich, da seit der ersten Insolvenz 2004 "für bestimmte Geschäfte die Zustimmung des Insolvenzverwalters notwendig war". Nach Angaben des Bitburger Amtsgerichtsdirektors war der vom Gericht informierte Insolvenzverwalter Thomas Schmidt kurz nach Eröffnung des Verfahrens zur Bestandsaufnahme in der Firma. Was der Trierer Jurist dort vorgefunden habe, wisse er nicht, sagt Mencher.

Ein Gläubiger berichtete dem TV, die Produktionshalle der Bitburger Maschinenfabrik sei inzwischen "so gut wie leergeräumt". Dazu passt die Aussage von Messerichs Ortsbürgermeister Walter Berger. "Mir kam es eigenartig vor, dass vom Firmengelände im Dezember häufiger abends und nachts Maschinen abtransportiert wurden," sagte Berger gestern unserer Zeitung. Angeblich waren die zuletzt um die 25 Mitarbeiter der Maschinenfabrik Anfang Dezember in eine fünfwöchige Weihnachtspause geschickt worden. Wenig später sei ihnen dann fristlos gekündigt worden, heißt es. Bereits zuvor hätten Gerüchte über Lohnrückstände und Zahlungsprobleme die Runde gemacht.

Dabei war die unter anderem Hightech-Prüfmaschinen für die Reifen- und Auto-Industrie herstellende Firma erst 2006 als "Comeback des Jahres" gefeiert worden. Der damalige Mainzer Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage verlieh Firmenchef Wolfgang Kladensky den seinerzeit erstmals ausgelobten rheinland-pfälzischen Unternehmerpreis "Phoenix".

"Unser Land verfügt nicht nur über eine vitale Branchenvielfalt", lobte Minister Bauckhage bei der Preisverleihung, sondern stelle auch unter Beweis, "dass Unternehmen durch herausragende unternehmerische Leistungen aus einer wirtschaftlichen Talsohle heraus zum Erfolg geführt werden können".

Im Fall der Bitburger Maschinenfabrik währte der Höhenflug nach der ersten Insolvenz offenbar nicht lange. Wie es zu dem neuerlichen und offenbar endgültigen Absturz kam, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen.