Bundeswirtschaftsminister Altmeier besucht Autozulieferer in Mandern

Autobranche : Bilstein-Mitarbeiter hoffen auf Bundesminister Altmaier

Prominenter Besuch bei Bilstein: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) besucht die ThyssenKrupp-Tochter in Mandern. Der Auslöser war ein Brandbrief. In der Region machen sich viele Sorgen um die Zukunft des Autozulieferers.

Großer Bahnhof am Samstagmorgen für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei seinem Besuch im  Bilstein-Werk. Er  informierte sich bei dem Autozulieferer in Mandern (Kreis Trier-Saarburg) über die Situation vor Ort. Mit rund 1200 Mitarbeitern und 40 Azubis ist der Stoßdämpferhersteller aus dem Hochwald einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. Doch die gesamte Automobilbranche kriselt.  Bilstein, seit 1991 Teil des ThyssenKrupp-Imperiums, muss zudem die Konkurrenz im eigenen Haus bewältigen. Bereits 2016 ging die Angst um, dass große Teile der Produktion bis 2020 ins rumänische Sibiu verlagert werden.

Nun hat Manderns Ortsbürgermester Peter Kohley mit einem Brief an MdB Andreas Steier (CDU) den Besuch des Bundeswirtschaftsministers eingeleitet.  Altmaiers Interesse gilt dem Werk, der Situation vor Ort und den Perspektiven. Dafür hat er sich mit dem Management und Arbeitnehmervertretern hinter verschlossen Türen ausgetauscht. Als Saarländer kennt der Minister die Region, viele Arbeitnehmer aus dem benachbarten Kreis Merzig-Wadern sind Bilstein-Mitarbeiter.

MdB Andreas Steier sieht den Besuch als ersten Schritt an. „Es geht darum zu zeigen, dass die Region, die Politik, der Landrat und die Kommunalpolitiker hinter dem Werk stehen, und alles für die Zukunft von Bilstein tun,“ Nach dem Dialog mit dem Management erklärte der Bundeswirtschaftsminister: „Wir können keine Arbeitsplätze oder Aufträge sichern. Was die Bundesregierung tun kann, ist die Rahmenbedingungen zu stärken.“ Dabei gehe es darum, den Industriestandort Deutschland zu schützen. „25 Prozent der Arbeitsplätze sind bei uns Industriearbeitsplätze. Europaweit sind es nur 14 Prozent.  Die Industriearbeitsplätze sind für uns sehr wichtig und müssen erhalten bleiben“, so Altmaier. Das gelinge aber nur, wenn Innovationen und neue Technologien gefördert werden. Und hier bot er der Wirtschaft Unterstützung. „Wirtschaft und Politik müssen hier zusammenstehen.“

Eine Hoffnung, die die Verantwortlichen sich auch für das Bilstein-Werk wünschen. Karsten Kross, Vorstandschef der Autozuliefersparte bei ThyssenKrupp, hatte zuvor Werk und Konzern vorgestellt. 50 Millionen hat der Konzern in den vergangenen fünf Jahren in Mandern investiert, in neue Maschinen, Prozessoptimierung und in Industrie 4.0-Anwendungen sowie in die Weiterentwicklung von stufenlos verstellbaren Dämpfern mit Stahl- und Luftfederung.

Die Azubis von Bilstein demonstrierten dem Bundesminister an einigen extra aufgebauten Stationen das Leistungsvermögen, etwa auch die Anwendung von 3-D-Druckverfahren. „Ich bin von dem Engagement und der Qualität der Mitarbeiter voll überzeugt“, lobte Altmaier, der im technologischen Vorsprung Deutschlands die Chance für eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft sieht. Auf eine solche Entwicklung hofft man in der Region.

Denn für Manderns Ortsbürgermeister Kohley braucht das Werk jede Unterstützung. „Es geht nicht nur um die 1200 Mitarbeiter bei Bilstein. Da hängt für unsere Region viel mehr dran. Die Ausbildungsstellen für junge Leute, die Zulieferfirmen im Umfeld, selbst die Hotels hier in der Region brauchen das Bilstein-Werk.“

Der Druck auf das Werk in Mandern hat unmittelbar etwas mit dem Aufbau des ThyssenKrupp-Werks in Sibiu (Hermannstadt) zu tun. Seit 1996 produziert dort der Konzern Komponenten und Stoßdämpfer. Ein neues Werk für 60 Millionen Euro wurde in diesem Jahr eröffnet, die Belegschaft wurde um 350 auf nun 1000 Mitarbeiter hochgefahren.

Die Entwicklung kommt nicht überraschend. 2016 kündigte das ThyssenKrupp-Management die Produktionsverlagerungen vom Hochwald nach Siebenbürgen an.

Wie im Standortsicherungstarifvertrag mit der IG Metall ausgehandelt, hat  der Arbeitgeber viele Befristete übernommen und sie länger im Betrieb belassen. Jetzt kann er die übrigen Befristeten-Verträge auslaufen lassen. Ein erster Schlag für die Beschäftigten. Von den rund 1200 Beschäftigten haben derzeit etwa 200 Mitarbeiter einen Zeitvertrag.

Und wie geht es weiter? In der Region hofft man, dass Bilstein in Mandern sich weiter als Innovationsstandort entwickelt und  zudem  Aufträge und Investitionen fließen. Der IG-Metall-Bevollmächtigte für die Region,  Christian Z. Schmitz,  sieht die Entwicklung skeptisch: „Bisher ist die Zusammenarbeit mit Sibiu eine technologische Einbahnstraße. Mitarbeiter aus der Region müssen dafür sorgen, dass dort die Produktion anläuft.“ Kampflos will die IG Metall einen schleichenden Verfall nicht akzeptieren. „Wir werden die Gespräche suchen und notfalls Aktionen starten“, erklärt der IG-Metall-Chef auf Anfrage.

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