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Call-Center-Schließung: "Der Mensch zählt nicht"

Call-Center-Schließung: "Der Mensch zählt nicht"

Das Aus für das Telekom-Callcenter in Trier ist für die meisten Mitarbeiter ein weiterer herber Schlag. Viele von ihnen sind seit Jahrzehnten beim Konzern beschäftigt.

Gestern Mittag 14 Uhr war für Manfred Fritschen "High Noon". Der erfahrene Verdi-Gewerkschafter musste den nächsten Tiefschlag einstecken. Auch das Telekom-Call-Center in Trier wird nach den Plänen des Bonner Konzerns dichtgemacht. Betroffen sind rund 120 Mitarbeiter, die meisten von ihnen Frauen, die in Teilzeit arbeiten. Bernadette Hack aus Traben-Trarbach gehört zu ihnen. Seit 36 Jahren ist sie bei der Telekom. "Ich habe schon viele Schließungen mitgemacht, deshalb arbeite ich ja jetzt in Trier." 60 Kilometer fährt sie täglich vom Wohnort zur Arbeit, 60 Kilometer zurück. Wenn nun Trier dichtgemacht wird, müsste sie nach Bonn oder Ludwigshafen pendeln. "Das kann doch niemand von uns", sagt Hack.

"Wir brauchen jetzt die Hilfe der Politiker"

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Manfred Tölkes sagt, dass Bernadette Hack keine Ausnahme ist. "Wir haben viele Mitarbeiter aus der Eifel oder von der Mosel." Gemeinsam mit Gewerkschaftssprecher Manfred Fritschen will Tölkes die Bonner Entscheidung nicht akzeptieren. "Wir werden alles tun und um den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen." Doch wie kann das ausgehen? In den übrigen Sparten (Service und Netz) drohen dem Standort sogar weitere Einschnitte (der TV berichtete).

Manfred Fritschen nimmt die Politik in die Pflicht: "Wir brauchen jetzt in Trier die Hilfe der Politiker." Malu Dreyer (SPD) hat sich bereits beim ihm gemeldet, Bernhard Kaster (CDU) ebenso. "Bisher hat die Telekom 16 Standorte genannt, die erhalten bleiben. Die Rede war zuvor von 24, und ich denke und hoffe, dass dort noch Luft ist." Inzwischen ist der Frust bei den Mitarbeitern groß. Jürgen Maas aus Trier ist seit 36 Jahren beim Unternehmen und über die Politik der Konzernspitze richtig sauer. "Am Sonntag haben wir aus der Presse erfahren, was die mit uns vor haben. Der Mensch zählt nichts, nur der Gewinn und der Aktienkurs sind wichtig." Aber auch er will noch nicht ganz aufgeben. "Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt", sagt der Trierer. Mit der neuen Struktur bei den Callcentern der Deutschen Telekom sollen vier der fünf rheinland-pfälzischen Standorte geschlossen werden. Von der Umstrukturierung seien Koblenz, Trier, Mainz und Neustadt betroffen, nur die Vertretung in Ludwigshafen bleibe erhalten, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Bonn mit. Deutschlandweit werde es künftig nur noch 24 Standorte geben. In den kommenden zwei Jahren sollen dort rund 70 Millionen Euro in einer verbesserte Infra struktur investiert werden. Insgesamt werden 39 Callcenter geschlossen. Betroffen sind 8000 Mitarbeiter, die ihren alten Arbeitsplatz tauschen werden.