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Cargolifter will wieder abheben

Cargolifter will wieder abheben

Neun Jahre nach der spektakulären Pleite mit dem Riesen-Lastenluftschiff gibt es bei Cargolifter einen Neuanfang. Von Luxemburg aus bietet das Unternehmen ein Ballonkransystem an.

Luxemburg. Schwere Lasten von der Luft aus bewegen, das ist das alte und neue Konzept der Firma Cargolifter, die jetzt in Luxemburg neu Fuß fassen möchte. Wie das Luxemburger Tageblatt berichtet, will das Unternehmen, wie schon die Vorgängerfirma, Ballonkransysteme entwickeln. Dafür soll die die Firma Cargolifter Operations S.A ins Leben gerufen werden. Die bietet Ballon-kransysteme an. Luxemburg sei Sitz der Betreiberfirma und nicht Deutschland. "Weil das Land auf uns zugekommen ist. Dort ist man an Innovationen interessiert", wird der 59-jährige neue Chef von Cargolifter AG, Carl-Heinrich von Gablenz zitiert. Der Manager war schon vor neun Jahren der Vorstandschef der pleitegegangenen Vorgängerfirma.
Vielseitig und platzsparend


Die Vorteile eines Ballonkransystems seien enorm. Es sei unter anderem vielseitiger und platzsparender als herkömmliche Kräne. Der Ballon könne über Winden und Seile ruhig in der Luft schweben. Man könne mit größeren Ballons Lasten von bis zu 20 Tonnen heben. Das System sei patentiert - und sei nicht sehr windanfällig. Der Ballonkran habe die gleichen Wind-Einschränkungen wie ein Standardkran, heißt es von den Entwicklern. Von Gablenz spricht von zunächst etwa 1,5 Millionen Euro Investitionen für den Aufbau des Ballonkransystems.
In diesem Zusammenhang sei eine Beteiligung des luxemburgischen Staates mit Fördermitteln durchaus denkbar. Des Weiteren kündigte der Firmenchef eine Partnerschaft mit einem strategischen Partner aus der Kranindustrie an.
Es sei "irre, was Kräne schaffen, aber auch irre, wie schnell sie am Ende sind", sagt von Gablenz. Ist ein Kran hoch gebaut, nimmt die Tragkraft je nach Länge des Auslegers rapide ab. So sei das Leistungsvermögen von Super-Kränen mit 500 oder sogar 1000 Tonnen Nutzlast sehr relativ, weil es nur noch wenige Meter Aktionsradius gebe. Zudem benötigten die Kräne einen festen Untergrund.
Der Ballonkran habe hingegen einen erheblich größeren Aktionsradius und sei auch in 200 Meter Höhe noch unbeschränkt einsatzbereit. "Wir werden jetzt zeigen, dass wir es schaffen", ist von Gablenz zuversichtlich. Bei den Luftschiffen für Schwerlasttransporte ist Cargolifter damals nie über die Entwicklungsphase hinaus gekommen. Ballonkräne werden zurzeit schon in den USA benutzt, jedoch vor allem im militärischen Bereich. red



Extra

Im August 2002 war das Insolvenzverfahren für die CargoLifter AG in Brandenburg und sechs Töchter eröffnet worden. Das endgültige Aus zeichnete sich dann im November ab. Der Versuch, den insolventen Luftschiffbauer mit Hilfe der Aktionäre zu retten scheiterte. Eine den Anteilseignern angebotene Teilschuldverschreibung hatte nur rund eine Million Euro eingebracht. Mindestens 20 Millionen Euro wären nötig gewesen. Zuvor war bereits der Versuch 40 Millionen Euro aus Landes- oder Bundesmitteln zu erhalten gescheitert. Mit diesem Geld sollte ein Bank-Darlehen abgesichert werden. Vom Bundeswirtschaftsministerium hieß es damals, es sei CargoLifter nicht gelungen, Fehler zu korrigieren und das Vertrauen von Investoren und potenziellen Nutzern wieder zu gewinnen. Insgesamt bestanden Forderungen von rund 90 Millionen Euro gegen die CargoLifter AG. Auch der Cargo-Lifter-Betriebsrat machte Managementfehler für die Pleite verantwortlich. Rund 500 Mitarbeiter verloren damals ihren Job. noj