Chinesen kehren Hahn den Rücken

Chinesen kehren Hahn den Rücken

Der Flughafen Hahn hat nach nur drei Monaten einen starken Kunden wohl verloren. Die Frachtfluggesellschaft Air China Cargo hat ihre Flüge von und zum Hahn eingestellt. Der Flughafen spricht von einer "saisonal üblichen Anpassung", im neuen Jahr würden die Flüge wieder aufgenommen.

Lautzenhausen. "Vom Flughafen Hahn? Da fliegen wir doch gar nicht mehr." Das sagte gestern ein deutscher Mitarbeiter der Frankfurter Niederlassung der Frachtfluggesellschaft Air China Cargo auf die Frage unserer Zeitung, wann wieder Flüge von und zum Hunsrückflughafen gingen. Er hat sich dann noch mit einem Mitarbeiter des Exports verbunden, der aber darauf verwies, dass derzeit niemand vom Management da sei, der Auskunft geben könnte.
Damit scheinen sich die Gerüchte über den Abflug des erst seit September vom und zum Hahn fliegenden Frachtfliegers zu bewahrheiten. Air China Cargo ist bisher mit einer Boeing 777-200F von Schanghai über die USA zum Hahn und zurück geflogen. "Air China Cargo hat sich entschieden, wegen der saisonal begründeten geringeren Nachfrage und der derzeit anhaltenden widrigen Wetterbedingungen die Flüge zum Flughafen Hahn über die Weihnachts- und Festsaison vorübergehend auszusetzen", hieß es am Montag in einer Pressemitteilung des Hahn, in der dann vorsichtshalber noch auf das steigende Frachtgeschäft im Oktober (plus 34 Prozent) hingewiesen wurde. Flughafen-Sprecherin Hanna Koch bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass man von "einem temporären Aussetzen des Flugbetriebs bis zum kommenden Jahr" ausgehe. Wann die Chinesen wieder ihren Flugbetrieb auf dem Hahn aufnehmen, konnte sie allerdings nicht sagen. Als widrige Wetterbedingungen bezeichnet sie den verstärkten Nebel, den es in den vergangenen Wochen auf dem Hahn gegeben hat.
Umleitung nach Amsterdam


Koch bestätigte Informationen unserer Zeitung, dass die Air-China-Cargo-Piloten angeblich nicht über die Zulassung für die Kategorie drei (Cat III) des Instrumentenlandesystems verfügen. Dadurch sollen Landungen auch bei schlechtem Wetter ermöglicht werden.
Der Hamburger Frachtflugexperte Heiner Siegmund hält es für "kaum nachvollziehbar", dass die Piloten nicht über eine solche Lizenz verfügen sollen. "Denn schwierige Wetterbedingungen können überall und jederzeit auftreten. Ich habe noch nicht gehört, dass es irgendwo Schön- und Schlechtwetterpiloten gibt", so Siegmund gegenüber unserer Zeitung. Dass Aussetzen von Flügen aus ökonomischen Gründen hält er durchaus für möglich. Da das Weihnachtsgeschäft transporttechnisch weitgehend gelaufen sei, wie es auch die Flughafengesellschaft mitteilte, "mag es sinnvoll erscheinen, eine Strecke auszudünnen oder für einige Zeit ganz zu streichen. Denn die Kapazitätsnachfrage ist traditionell ziemlich mau in den Wochen nach dem Fest", sagt Siegmund.
Nach TV-Informationen handelt es sich allerdings nicht um die vom Hahn verkündeten "üblichen saisonalen Anpassungen", die zum angeblich zeitweisen Rückzug der Frachtfluggesellschaft geführt haben. Air China Cargo soll nicht zufrieden gewesen sein mit den Leistungen des Flughafens. Stattdessen soll der Frachtflieger nun die für Hahn bestimmten Flüge nach Amsterdam umgeleitet haben.
Der Flughafen Hahn hat extra für die chinesische Gesellschaft im hessischen Mörfelden-Walldorf eine 3000 Quadratmeter große Büro- und Hallenfläche gemietet. Darin soll die von Air China Cargo von Schanghai auf den Hahn gebrachte Fracht umgeschlagen und zum Frankfurter Flughafen gebracht werden. Von dort soll die Ware dann auf andere Frachtflüge verteilt werden.
Hahn-Geschäftsführer Markus Bunk und Aufsichtsrat Salvatore Barbaro hatten den Deal mit den Chinesen persönlich in Peking eingefädelt. 24 000 Tonnen mehr Fracht im Jahr hat sich der Hunsrück-Flughafen von dem neuen Kunden aus China erhofft. Auch neue Frachtflieger sollen sich im Zuge dessen ansiedeln.

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