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Christoph Becker aus Dreis ist Bundessieger der Maurer

Handwerk : Mit Köpfchen und Begeisterung zum Top-Ergebnis

Christoph Becker aus Dreis ist Bundessieger der Maurer beim Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks.

Wenn ein Hobby-Heimwerker ein kleines Mäuerchen als Einfassung für seinen Grillplatz hochzieht, ist „einigermaßen gerade und stabil“ vielleicht ein akzeptables Ergebnis. Für einen Bundeswettbewerb des Maurerhandwerks reicht das allerdings nicht: Hier wird Mauern zum Leistungssport. Christoph Becker aus Dreis hat beim diesjährigen Wettkampf der Gesellen in Erfurt gezeigt, dass er diesen Sport meisterlich beherrscht.

Für die beiden Prüfungstage hatte sich die Jury einige Schikanen ausgedacht. Am ersten Wettkampftag musste der Erfurter Dom als gemauerte Miniatur nachgebildet werden und am zweiten weitere Mauern im spitzen Winkel zusammengefügt und mit Ornamenten verziert werden. „Als erstes schaue ich mir den Plan ganz genau an und überlege, wo ich welche Steine verbauen muss“, beschreibt Christoph Becker seine Herangehensweise.

Dass sich dieser Köpfchen-Einsatz auszahlt, hatte er zuvor schon beim Landeswettbewerb in Mainz unter Beweis gestellt. Damals war er zunächst noch unsicher, als die Mitbewerber bei der Prüfung auf Zeit schon mit dem Mauern loslegten, während er noch durchrechnete. „Er hat sogar morgens eine Nachricht geschickt: Ihr könnt mich gleich abholen kommen, das wird hier nix“, erinnert sich Vater Jürgen Becker und muss dabei schmunzeln.

Denn wie sich herausstellte, führte die sorgfältige Planung letztlich nicht nur zu einer zügigen, sondern auch makellosen Umsetzung. Sind alle Fugen gleich groß und auf gleicher Höhe, schließt die Mauer oben auf einer durchgehenden Ebene ab, ist alles im Lot, wurde sauber und ordentlich gearbeitet – am Ende sind solche Kriterien für die Jury-Bewertung wichtig.

Neben Talent ist Begeisterung für eine Sache der entscheidende Erfolgsfaktor. Die war beim heute 22-jährigen Christoph Becker mit Blick auf der Maurerhandwerk schön früh geweckt. „Nach dem Abitur hatte ich wenig Lust auf noch mehr Schule. Ich wollte lieber etwas tun, bei dem ich selbst etwas schaffen kann. Und ich bin sehr gerne draußen, da passt Arbeiten auf einer Baustelle gut“, erzählt Becker. Außerdem kannte er das Maurerhandwerk schon durch seinen Vater, der ist nämlich Meister und hat in Dreis das Unternehmen Becker-Marx Bau GmbH & Co. KG. Entsprechend kurz war für den Sohn der Weg zum Ausbildungsbetrieb. „Bei ihm habe ich sofort gespürt, er will das“, sagt Jürgen Becker und das nicht nur mit dem Blick als Vater, sondern auch als Ausbilder. Denn Begeisterung sei für ihn das wichtigste Kriterium beim Einstellen von Azubis und Mitarbeitern.

Bekanntlich macht Übung den Meister und Training ist im Leistungssport ebenso wichtig wie der Einsatz beim Wettkampf. Während des Wettbewerbs war Christoph Becker extrem auf die Sache konzentriert: „Außer ,Guten Morgen‘ habe ich an den Tagen, glaube ich, noch nicht mal etwas geredet“. In den Wochen davor hat er regelmäßig im Berufs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer (HWK) Trier in Kenn trainiert. Besonders bedankt Becker sich bei Ralf Schmitz, der ihn als Ausbildungsmeister Bau der HWK unterstützt habe.

Nach seinen Erfolgen bei der Gesellenprüfung und den Wettbewerben in Land und Bund steht Becker nun grundsätzlich der Weg ins Nationalteam offen. Auch auf europäischer und internationaler Ebene messen Handwerker ihr Können bei Leistungswettbewerben. Beruflich gibt es ebenfalls viele Perspektiven. Durch die Abitur-Vorkenntnisse hatte Becker seine Ausbildung von drei auf zwei Jahre verkürzt, anschließend begann ein Studium im Bauingenieurwesen an der Hochschule Trier. Als Preis für den Sieg beim Bundeswettbewerb hat er auch die Möglichkeit erhalten, eine Schulung zum Meister finanziert zu bekommen. Alternativ steht auch ein Stipendium fürs weitere Studium in Aussicht. Wie genau er die verschiedenen Optionen bündeln möchte, will Becker sich in den nächsten Wochen noch durch den Kopf gehen lassen. So oder so dürften ihm aber beruflich künftig viele Türen offenstehen, denn Fachkräfte werden im Baugewerbe händeringend gesucht. Deshalb sieht Becker die Leistungswettbewerbe auch als gute Außenwerbung: „Da wird Handwerk ins richtige Licht gerückt.“