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„Cloud4Pets“ bietet als elektronisches Tagebuch rund ums Haustier.

Irsch : Digitale Krankenakte für Hund und Huhn

Mit einer pfiffigen Unternehmensidee hat ein Gründer aus der Region beim Wettbewerb „Startup innovation Rheinland-Pfalz“ abgeräumt: „Cloud4Pets“ bietet als elektronisches Tagebuch viele Funktionen rund ums Haustier.

Schon menschlichen Patienten fällt es manchmal schwer, die Vorgeschichte einer möglichen Erkrankung exakt nachzuvollziehen. Wann tauchten zum ersten Mal Beschwerden auf und welche? Für eine treffsichere Diagnose kann das aber entscheidend sein. Umso schwieriger ist es für Tierärzte, die hierbei auf Beobachtungen durch Herrschen oder Frauchen angewiesen sind. Doch nun bietet das Irscher Unternehmen „Cloud4Pets“ein digitales Hilfsmittel, das alle wichtigen Informationen zum Haustier jederzeit mobil abrufbar macht.

Allergien, Futter-Unverträglichkeiten, Impfungen – im Laufe eines Tierlebens können sich eine ganze Menge bedeutsamer Daten ansammeln. Früher hat auch „Cloud4Pets“-Gründer Stefan Kimmel versucht, mit Zetteln und Aktenordnern den Überblick zu behalten. „Aber immer wieder erinnert man sich dann unterwegs im entscheidenden Moment nicht mehr, wann genau die letzte Impfung war – und den Ausweis hat man zu Hause liegenlassen“, beschreibt er ein klassisches Problem.

Aus diesen Überlegungen entstand die Idee zur Cloud. Für jedes Tier wird dort ein digitales Profil hinterlegt. Möglich ist das für eine Vielzahl von Tierarten. „Ich habe beispielswiese neben den beiden Hunden auch meine Hühner in die Cloud gestellt“, erzählt Kimmel. Das Profil kann mit Tagebucheinträgen und Fotos stets auf dem aktuellen Stand gehalten werden. So lässt sich beispielsweise nachvollziehen, wie in den vergangenen Wochen gefressen und getrunken wurde. Oder ein Zeckenbiss wird im Foto festgehalten für den Fall, dass es trotz Entfernung des Blutsaugers zu verspäteten Komplikationen kommt. „Solche Tagebucheinträge kann ich dann über eine Freigabe direkt an meinem Tierarzt senden und der hat sofort alles auf einen Blick“, erklärt Kimmel. Eine weitere Funktion ist der Notfallkontakt: Von einem Aufdruck fürs Halsband kann ein QR-Code mit dem Handy ausgelesen werden, der direkt zu einer in der Cloud gespeicherten Telefonnummer verbindet. Das Wiederauffinden allzu abenteuerlustiger Entdecker wird dadurch erleichtert.

Schon an der Entwicklung von „Cloud4Pets“ haben Tierärzte, Tierschützer, Tierheime, Hundetrainer und weitere Experten mitgewirkt. „283 freiwillige Helferinnen und Helfer haben uns seit 2019 dabei unterstützt, ein möglichst gutes Produkt zu erarbeiten“, sagt der Firmengründer. Das Fachwissen fließt außerdem in Cloud-eigene Ratgeberseiten mit ein.

 Macher Menschen Märkte
Macher Menschen Märkte Foto: TV/Schramm, Johannes
 Mit „Clud4Pets“ sind die Daten des Haustiers jederzeit elektronisch abrufbar.
Mit „Clud4Pets“ sind die Daten des Haustiers jederzeit elektronisch abrufbar. Foto: dpa/Nicolas Armer

Auch, wenn die hinterlegten Informationen in erster Linie die Haustiere beträfen, spiele Datensicherheit trotzdem eine entscheidende Rolle. Alle Daten würden verschlüsselt auf den Servern gespeichert und seien grundsätzlich nur für den jeweiligen Nutzer einsehbar – sofern er sie nicht selbst per gezielter Freigabe weitergebe. Finanziert wird „Cloud4Pets“ über ein mehrstufiges Abo-Modell – auf Werbung werde verzichtet, sagt Kimmel. Es gibt jedoch eine optionale Zusatzseite, auf der Nutzer exklusive Angebote von Herstellern aus dem Tierbedarf finden können. Überzeugt hat das Unternehmenskonzept bereits beim Wettbewerb „Startup innovativ Rheinland-Pfalz“: 2019 gewann „Cloud4Pets“ den von der Landesregierung mit 100 000 Euro dotierten Preis. Und auch vom Bund wird man durch ein Förderprogramm unterstützt. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen zwei Festangestellte und arbeitet mit mehreren Programmierern und weiteren Freiberuflern zusammen.