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Dachdecker-Azubis: Wittlicher Betrieb Klein Bedachungen stellt Kammersieger

Ausbildung : Vier Mal Spitze: Was eine Dachdecker-Firma aus Wittlich zur Top-Adresse macht

Das gab es wohl noch nie: Der Wittlicher Familienbetrieb Klein Bedachungen stellt in diesem Jahr die drei Kammersieger und den Prüfungsbesten bei den Dachdecker-Azubis. Der Juniorchef erklärt das Geheimnis des Erfolgs.

Seit 1905 ist das Familienunternehmen Klein Bedachungen aus Wittlich Meisterbetrieb, aber so einen Ausbildungsjahrgang gab es noch nie. Höchstwahrscheinlich gab es eine derartige Erfolgsgeschichte nicht einmal bei einem der vielen anderen Dachdecker im Bereich der Handwerkskammer Trier. Klein Bedachungen stellt die ersten drei Plätze beim Kammerentscheid der HWK Trier unter mehr als 80 nun ausgelernten Azubis und zudem den Prüfungsbesten unter den diesjährigen Dachdeckern.

Aus zwei mach vier - Bedachungen Klein ist froh über die ungepante „Vermehrung“

Dass dies so kam, war vor drei Jahren nicht so geplant. Eigentlich hatten Seniorchef Markus Klein und sein Sohn Lennart, Meister in vierter und fünfter Generation, nur zwei Auszubildende eingestellt, Marcel Blasweiler und Kevin Aßmann. Luca Müller und Joshua Koch hatten ihre Ausbildung bei anderen Betrieben gestartet, waren dort aber nicht zufrieden. Und weil Marcel und Kevin in der Berufsschule so von der guten Ausbildung bei Klein Bedachungen schwärmten, fragten beide dort nach — und setzten ihre Ausbildung in Wittlich fort. „Ein absoluter Glücksfall“, wie Firmenchef Markus Klein sagt.

Bei Joshua Koch und Kevin Aßmann wurde das Interesse am Beruf des Dachdeckers in Schulpraktika geweckt, Luca Müllers Vater ist Dachdecker und bei Marcel Blasweiler war es die Nähe zum Betrieb der Kleins: „Ich wohne in der gleichen Straße und habe beim Schulpraktikum auf einen kurzen Weg zur Arbeit geschaut. Dann hat mir auch noch der Beruf gefallen und ich habe hier angefangen.“

Und dieser Berufswunsch entpuppte sich als goldrichtig, denn Marcel Blasweiler wurde 2021 Kammersieger der Handwerkskammer Trier und tritt nun beim Leistungswettbewerb auf Landesebene an. Auf dem Siegerpodest traf er gute Bekannte: Die Plätze zwei und drei gingen an Luca Müller und Joshua Koch. Das Trio hatte im Bundesbildungszentrum des deutschen Dachdeckerhandwerks in Mayen die drei Arbeitsproben — Schiefereindeckung, Flachdach und Kaminwand inklusive Planung und Vorarbeiten — am Modell am besten und in der geforderten Zeit erstellt.

Eine breitgefächerte Ausbildung in Theorie und Praxis macht Sieger

„Wir konnten uns zunächst an Modellen hier bei uns in der Firma gut vorbereiten und haben zudem auf den Baustellen von den Besten gelernt“, ist für Luca Müller, der im Bereich der Handwerkskammer Trier zudem der Prüfungsbeste war, das Geheimnis des Erfolgs. Zudem gab es unter den vier Azubis eine Art Wettkampf, wer die beste Gesellenprüfung ablegt — „das hat uns dann alle richtig gepusht, und wir wurden alle immer besser“, sagt Marcel Blasweiler. Daneben gab es auch eine intensive Prüfungsvorbereitung auf den Theorieteil in der Handwerkskammer. Alle vier haben übrigens unterschiedliche „Lieblingsbereiche“, seien es Flachdachabdichtungen, Klempnerei oder Schiefereindeckungen.

„Bei uns lernen die Azubis die ganze Bandbreite unseres Handwerks“, sagt Lennart Klein, seit elf Jahren Dachdecker und heute Meister und Betriebswirt: „Wir haben fünf bis sechs Kolonnen mit unterschiedlichen Schwerpunkten wie Schieferdächer, Ziegeleindeckungen, Flachdachabdichtungen oder Service. Und da lernen die Azubis von unseren erfahrenen Mitarbeitern, schon eigenverantwortlich zu arbeiten. Wir kümmern uns sehr intensiv um unsere Azubis, zudem haben wir ein sehr gutes Betriebsklima, das ist vielleicht auch Teil des Erfolgs.“

Aufgrund der Vielzahl von großen Industrie- und Gewerbebetrieben in Wittlich wie Dr. Oetker und Bungert, die schon seit vielen Jahren zu Kleins Kundenstamm zählen, gibt es große Aufträge im Flachdachbereich, aber auch der Service wird großgeschrieben beim Familienbetrieb, der neben Vater und Sohn Klein einen weiteren Meister beschäftigt.

Azubi- und Fachkräftemangel macht auch nicht vor Top-Betrieben halt

„Wir haben ein sehr junges Team, nachdem in den vergangenen Jahren zahlreiche Mitarbeiter nach 30, 40 Jahren Betriebszugehörigkeit in Rente gegangen sind“, sagt Lennart Klein, der sich langsam auf den nächsten Generationenwechsel im Familienbetrieb mit aktuell 15 Mitarbeitern vorbereitet.

Wie viele andere Handwerksbetriebe auch, sucht Klein sowohl Azubis als auch Fachkräfte — obwohl die vier erfolgreichen Auszubildenden des aktuellen Jahrgangs natürlich auch alle übernommen wurden. Aktuell ist eine Auszubildende im ersten Lehrjahr auf den Spuren des erfolgreichen Trios.