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Damit die Firma eine Zukunft hat

Damit die Firma eine Zukunft hat

Mehrere Hundert Betriebe stehen jedes Jahr in der Region Trier zur Übergabe an einen Nachfolger an. Die neu gegründete Unternehmensbörse Trier-Eifel-Mosel-Hunsrück der regionalen Sparkassen und Wirtschaftskammern möchte als Türöffner fungieren und Betriebsinhaber sowie mögliche Nachfolger zusammenbringen und dabei Firmen wie Arbeitsplätze erhalten.

Trier. In vielen Fällen bedeutet das eigene Unternehmen für die Inhaber so viel wie ein eigenes Kind. Schwer fällt es da, nach einem harten Berufsleben die Firma wieder abzugeben und Abschied von Mitarbeitern und Kunden zu nehmen. Denn oft fehlt der unternehmerische Nachwuchs aus der eigenen Familie, häufig haben die Inhaber aber auch Angst, im Ruhestand keine Aufgabe mehr zu haben. "Dabei ist es wichtig, diesen Prozess frühzeitig anzugehen und professionell begleiten zu lassen", sagt Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Trierer Industrie- und Handelskammer (IHK) (siehe Extra). Nur ein Drittel der Unternehmen habe das Thema im Griff, die übrigen verdrängten es oder hofften auf die Hilfe durch die Familie. Damit Unternehmen im Ernstfall nicht aufgegeben werden und Arbeitsplätze verloren gehen, bieten die regionalen Wirtschaftskammern sowie Sparkassen nun die Unternehmensbörse Trier-Eifel-Mosel-Hunsrück an. Übergebende Unternnehmer sollen so mit Nachfolgern und Investoren zusammengebracht werden. Per Interneteintrag können Betriebsinhaber kostenlos um eine neue Unternehmensleitung werben, Führungskräfte finden eine Herausforderung als Geschäftsleitung, und Investoren entdecken neue Gelegenheiten, der regionalen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. "Da die klassische Unternehmensfolge ausläuft, versuchen wir die Interessenten zusammenzubringen", sagt Günther Passek, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Trier. "Die Börse soll für die Betriebe vor allem ein Türöffner sein, sich um eine Übergabe zu kümmern", sagt Christian Müller, Existenzgründungsberater der Sparkasse Trier. So sei das erste Feedback bei den Kunden bereits groß. Inhaber mit falscher Vorstellung

Denn vor dem Start haben sich 18 Betriebe angemeldet, zwei Übergaben sind sogar angeleiert. In der Sparkasse Saarbrücken, wo die Unternehmensbörse seit drei Jahren läuft, werden so im Jahr rund 15 Unternehmen verkauft. Wichtig ist den Kammern dabei auch, in welchem Zustand und mit welcher finanziellen Stabilität die Betriebe übernommen werden. "Viele haben eine falsche Vorstellung vom Wert ihres Unternehmens", sagt Manfred Bitter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Oftmals könne das Kapital den Ruhestand nicht absichern. Hier könne die Unternehmensbörse im Vorfeld schon entgegenwirken und einen Qualitätszuwachs bringen. Die kammereigenen Plattformen, die bislang getrennt voneinander agieren, sollen nach und nach auf den großen Bruder übergehen. Edmund Schermann von der Sparkasse Mittelmosel hat dabei auch den Nachwuchs im Blick: "Guten Fachkräften hilft diese Unternehmensbörse dabei, sie hierherzulocken und den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen", sagt er. Dabei blickt IHK-Chef Jan Glockauer sogar über die Grenze. Er sieht die Unternehmensbörse als dynamisches Projekt an, bei dem neue Partner willkommen sind. So könnte sich daran auch die Luxemburger Handelskammer beteiligen: "Das wäre ein wichtiges Signal in der Großregion, dass wir auch dort konkrete Beteiligung anbieten können." Extra

In ganz Rheinland-Pfalz stehen bis zum Jahr 2018 rund 6200 Unternehmen mit etwa zwei Millionen Beschäftigten zur Übergabe an. Allein im Handwerk der Region Trier suchen bis zu 200 Firmeninhaber jährlich einen Nachfolger, in der Industrie sind es sogar noch mehr. Dabei lassen sich die Unternehmer mit der Nachfolgesuche durchaus Zeit: Durchschnittlich drei Jahre vor dem geplanten Ausstieg aus dem Betrieb kümmern sich die Chefs um das Thema. Dabei dauern Verkaufsverhandlungen von Firmen schon mal bis zu zwei Jahre. Kontakt Unternehmensbörse: unternehmensboerse-trier- eifel-mosel-hunsrueck.de