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Das Ei als Wirtschaftsfaktor

Das Ei als Wirtschaftsfaktor

Obwohl die Deutschen wieder mehr Eier essen, geht die Produktion in der Republik zurück. Der Importbedarf steigt. Nicht so in Rheinland-Pfalz und der Region. Hier gibt es immer mehr Legehennen.

Wittlich/Habscheid. Der Bedarf an Eiern steigt, 214 Eier isst jeder Deutsche im Schnitt - so die Statistik 2010 von Marktinfo Eier & Geflügel des Ulmer Verlags in Stuttgart, die auch von Geflügelwirtschaftsverbänden offiziell genutzt wird. Vier mehr als noch 2009 (siehe Hintergrund). Die Erzeugerpreise, die Produzenten vom Handel erhalten, stabilisieren sich nach einem deutlichen Abschwung 2010 und Anfang 2011 wieder. Die Eierproduktion in Deutschland ist insgesamt allerdings rückläufig. Grund ist vor allem das Verbot von klassischer und rentabler Käfighaltung und weiteren verschärften Bedingungen für Eierproduzenten. Umso stärker fällt ins Gewicht, dass in Rheinland-Pfalz nach Angaben des Statistischen Landesamts gar 40 Prozent mehr Eier als ein Jahr zuvor produziert wurden. Zurückzuführen ist die Zunahme im Wesentlichen auf eine Vergrößerung der Haltungskapazitäten. Sie wurden um 22 Prozent auf 619 000 Hennenhaltungsplätze erweitert. Hierzulande haben sich die kleinen und großen Betriebe also angepasst.
Neuer Stall und neue Maschine


Zu den Expandierenden zählt auch der Geflügelhof Lehnertz in Habscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Die Betreiberfamilie hat gerade erst einen neuen Stall in Betrieb genommen und produziert mit 40 000 Tieren nun 30 000 bis 32 000 Eier pro Tag - aus Bodenhaltung, zertifiziert mit Eifel-Qualitätsmarkenzeichen und weiteren Gütesiegeln. Der Stall und das Drumherum sind Hightech. Der Hof unter Leitung von Lambert Lehnertz beliefert derzeit vor allem Supermärkte einer großen Handelskette in Nordrhein-Westfalen. Zum Beispiel im Kölner Stadtgebiet. "Außerhalb der Eifel sind die Eifel-Produkte stärker gefragt als hier", sagt Lambert Lehnertz. Zudem sei es effektiver und damit ökonomisch sinnvoller, gleich mehrere Märkte hintereinander in einer Stadt zu beliefern, als viele kleine Märkte auf dem Land. Aber auch das machen er und seine Mitarbeiter mit der eigenen kleinen Spedition. Acht Mitarbeiter hat er insgesamt. Und gerade hat er auf eine neue digitale Maschine umgestellt, die die mehr als 30 000 Eier aus dem Stall täglich automatisch nach Größe und Gewicht sortiert und verpackt. "Die neue Maschine spart uns etwa die Hälfte an Zeit bei der Verarbeitung", sagt Lehnertz. Aber sie hat auch etwa 200 000 Euro gekostet. Lehnertz setzt im Jahr etwa 1,2 Millionen Euro um, wie er sagt. 80 Prozent davon sind der Eierproduktion zuzuschreiben.
Die Bodenhaltung sei übrigens nicht unbedingt schlechter anzusehen als Freilandhaltung, erklärt der Geschäftsführer. In seinem Stall haben die Hühner auch einen Wintergarten und damit zusätzlichen Auslauf - aber nur ein geringer Teil der Hennen nutzt diese Möglichkeit tatsächlich. "Das sind Herdentiere, die sind gerne im Stall und nah beieinander." Das beweist er auch gerne Besuchern wie Schulklassen, die seinen Hof besuchen. Und in üblicher Freilandhaltung komme es sehr oft vor, dass die Tiere nach einer Woche Freilauf keinen einzigen grünen Grashalm mehr vor dem Stall haben. "Dann ist alles plattgetreten und vor dem Stalleingang stapelt sich der Dreck." Auch die Hygiene sei dann nicht unbedingt gegeben - in Lehnertz\' Stall mistet derweil die Maschine aus.
Diese Beschreibung Lehnertz\' trifft vielleicht auf manche Freilandhaltungen zu, nicht aber auf die von Paul Brandsma vom Demeter Hof Breit in Wittlich. Auch er - ein überzeugter Bio-Landwirt und eben vom Demeter-Verband zertifiziert - hat in Sachen Eierproduktion jüngst expandiert. Die Zahlen fallen jedoch wesentlich niedriger aus als in Habscheid: Brandsma hat nun 225 Legehennen. Und zwar in einem sogenannten Hühnermobil. Ein fahrbarer Stall mit Auslauf. Bedeutet: Die Hühner in Freilandhaltung werden alle sieben bis 14 Tage auf eine neue betriebseigene Weide gefahren und haben stets frisches Grün vor der Tür. Die Anschaffung kostete Brandsma deutlich mehr als 20 000 Euro. Aber die will er in den kommenden Jahren durch mehr Eier, die er derzeit fast ausschließlich im eigenen Hofladen verkauft, wieder reinholen.
Höhere Produktionskosten


Im Vergleich zum Supermarkt-Ei muss der Verbraucher aber für diese speziellen Bio-Freiland-Eier auch deutlich tiefer in die Tasche greifen. Während das Ei in Größe L (für englisch "large", also groß) von Lehnertz im Supermarkt wohl bei etwa 25 Cent pro Stück liegt, werden die L-Eier auf dem Demeter Hof Breit um die 40 Cent pro Stück kosten. Die Produktion sei eben deutlich aufwendiger, und das zusätzlich zum Grün verwendete spezielle Biofutter auch teurer, erklärt Brandsma. Aber der Bedarf ist da. Bisher hatte Brandsma Eier von anderen Biobetrieben zukaufen müssen. Nun habe er genug Eier aus Eigenproduktion, um die Nachfrage zu decken, wie er sagt. Und dass er künftig weiter mit der Eierproduktion expandiert ist nicht ganz ausgeschlossen. Auch Hotels und Gaststätten hätten erstes Interesse an seinen Eiern bekundet. Jeder der 82 Millionen Deutschen isst im Schnitt 214 Eier pro Jahr und gibt damit zwischen 40 und 100 Euro für dieses Lebensmittel aus. 2010 waren es noch 210 Eier. Etwa 10 Milliarden Konsum-Eier (also Eier in der Schale) werden in Deutschland produziert, weitere zehn Milliarden Eier und Eierprodukte werden aus dem Ausland importiert. Die Eierproduktion in Deutschland ist im Jahr 2010 im Vergleich zu 2009 im Jahresschnitt um 6,1 Prozent zurückgegangen, im Vergleich zu 2008 wurden sogar 18 Prozent weniger Eier produziert. Der Importanteil stieg um 10,2 Prozent im Vergleich zu 2009. 2,59 Milliarden Eier wurden exportiert. Angesichts rückläufiger Erzeugung und gestiegener Importe sank der Selbstversorgungsgrad auf nur noch 54,9 Prozent. Fünf Jahre zuvor hatte er immerhin noch bei 70 Prozent gelegen. Rheinland-Pfalz: Das Statistische Landesamt erfasst bei Eierproduzenten nur Betriebe, die über mindestens 3000 Hennenhaltungsplätze verfügen. In diesen Betrieben sind 2010 im Land 146 Millionen Eier produziert worden, 40 Prozent mehr als 2009. 619 000 Plätze für Legehennen gab es 2010, 22 Prozent mehr als 2009. Die Legeleistung stieg auf 288 Eier je Henne (272 Eier im Jahr 2009). Die dominierende Haltungsform ist die Bodenhaltung (87 Prozent). Sie hat damit die Käfighaltung, die lange Zeit die klassische Haltungsform war, abgelöst. Noch 2002 wurden 87 Prozent der Plätze der Käfighaltung zugeordnet. Auf die heute noch zulässigen Formen der Käfighaltung wie die Kleingruppenhaltung entfielen 2010 knapp zehn Prozent der Plätze. In der Freilandhaltung und der ökologischen Erzeugung waren es 3,5 Prozent. sve