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Das lohnende Geschäft mit alten Kleidern

 Altkleider-Sammelcontainer des Malteser Hilfsdienstes im Trierer Stadtteil Heiligkreuz. TV-Foto: Roland Morgen
Altkleider-Sammelcontainer des Malteser Hilfsdienstes im Trierer Stadtteil Heiligkreuz. TV-Foto: Roland Morgen
Trier. Mit alten Kleidern lässt sich viel Geld verdienen. Das wissen auch dubiose Geschäftemacher, die sich am Kleidersammeln beteiligen. In Trier soll damit Schluss sein. In der gesamten Stadt darf nur noch die kirchliche Hilfsorganisation Malteser Kleidercontainer aufstellen. Bernd Wientjes

Trier. Der Kleiderschrank quillt über. Der zehn Jahre alte Pulli hat ein Loch, das Hemd sieht auch verschlissen aus, und die Hose passt nicht mehr. Ab in den Altkleidercontainer mit den ausrangierten Klamotten. Solche Sammelboxen gibt es in fast jedem Ort. Und wer seine abgelegten Kleider in den Container wirft, tut ja auch noch was Gutes - glaubt man zumindest. Denn die alten Hemden, Hosen und Jacken werden ja an Bedürftige verteilt. Das zumindest versprechen die an vielen Containern prangenden fantasievollen Namen vermeintlicher Hilfsorganisationen. Von Wohltätigkeit sei aber bei den meisten Kleidersammlern keine Spur zu finden, sagt Andreas Voget, Geschäftsführer des Dachverbandes FairWertung, eines bundesweiten Netzwerks aus gemeinnützigen und kirchennahen Organisationen, die gebrauchte Kleider sammeln und verwerten. "Sämtliche Kleidung wird zu Geld gemacht", sagt Voget. Das sei nichts Ungewöhnliches. Auch gemeinnützige Organisationen verkauften gebrauchte Kleider, um an zusätzliche Mittel zu kommen. Dubiose Kleidersammler geben jedoch einen Hilfszweck vor. In Wirklichkeit landet das Geld aus dem Kleiderkauf zumeist auf dem Konto des Unternehmenschefs.
Bis zu 300 Euro pro Tonne


Fakt ist: Kleidersammeln ist ein lukratives Geschäft. Bis zu 300 Euro seien mit einer Tonne Altkleider zu verdienen, sagt Max Monzel, Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART). Mehr als etwa mit Altpapier, eine Tonne alter Zeitungen bringe etwa 100 Euro. Kein Wunder also, dass einige Städte wie etwa Köln, Bonn oder Osnabrück in das Altkleidergeschäft einsteigen und daran verdienen wollen. Möglich macht das das seit Juni vergangenen Jahres geltende Kreislaufwirtschaftsgesetz. Den Kommunen gehört rechtlich gesehen der dort anfallende Müll. Auch Altkleider.
In der Region scheinen sich die Kommunen in Sachen Kleidersammlung zurückzuhalten. Zumindest in den Kreisen gibt es offenbar keine Bestrebungen, sich an dem lukrativen Geschäft zu beteiligen. Dort dürfen weiterhin wie bisher üblich verschiedene Kleidersammler ihre Container aufstellen, mitunter auch nicht gemeinnützige. Der Aufwand zum Sammeln sei sehr groß, erklärt ART-Chef Monzel die Zurückhaltung der Kommunen.
Etwas anders sieht es in Trier aus. Die Stadt hat sich entschlossen, nur noch einen Anbieter für Altkleidercontainer zuzulassen. Der ART hat die 84 Stellplätze für Altkleidercontainer von der Stadt übernommen und einen Kleidersammler gesucht. Ziel sei es gewesen, den Wildwuchs einzudämmen, gleichzeitig aber auch weiterhin gemeinnützigen Organisationen zu ermöglichen, mit den Altkleidern Geld zu verdienen, sagt Monzel. Daher sammle auch nicht der ART die Kleider ein. Es habe eine Ausschreibung gegeben. Bewerber mussten sich verpflichten, drei Jahre für alle Altkleidercontainer in Trier zuständig zu sein und das mit dem Verkauf der Kleider eingenommene Geld ausschließlich für gemeinnützige Zwecke zu nutzen.
Die Ausschreibung gewonnen hat die kirchliche Hilfsorganisation Malteser. "Wir werden in der kompletten Trierer Innenstadt insgesamt 86 Container aufstellen", sagt der Sprecher der Trie rer Malteser, Thomas Biewen. Die ersten Sammelbehälter stehen bereits. Die Leerung erfolge über eine Bremer Spezialfirma für Textilverwertung.
Die wiederum hat sich verpflichtet, die Kleider nur an seriöse Partner zu verkaufen und die Erlöse den jeweiligen Hilfsorganisationen zukommen zu lassen.
Das Unternehmen garantiert auch eine ständige Leerung der Container, so dass verhindert wird, dass die Stellplätze mit Tüten voller Altkleider zugemüllt werden. Der ART sorgt für Säuberung der Plätze.
Das eingenommene Geld fließe komplett in die ehreamtliche Tätigkeit, sagt Malteser-Sprecher Biewen. Rund 200 ehrenamtliche Helfer arbeiten allein in Trier für die Hilfsorganisation.
Laut ART-Chef Monzel bringt der Verkauf der in Trier gesammelten Altkleider rund 50 000 bis 100 000 Euro ein.Extra

750 000 Tonnen Textilien landen pro Jahr in Deutschland in Kleidersammlungen. Die meisten davon werden in einen der insgesamt 120 000 Container geworfen. Gerade einmal 150 000 Tonnen werden auf der Straße eingesammelt. Branchenkenner gehen davon aus, dass bis zu 200 000 Tonnen von eingesammelten Altkleidern in Deutschland sortiert werden. Der überwiegende Teil der Kleider werde unsortiert ins Ausland verkauft, teilt der Dachverband FairWertung mit, der die Interessen von gemeinnützigen Kleidersammlern vertritt. Ein Großteil der gebrauchten Kleider wird nach Afrika oder Osteuropa verkauft, der Rest wird zu Autoteppichen oder Putzlappen verarbeitet. Neben gemeinnützigen Organisationen tummeln sich auf dem Altkleidermarkt auch dubiose Unternehmen, die ohne Genehmigung Container aufstellen und vorgeben, die Kleider für Hilfsbedürftige zu sammeln. In dem seit Juni geltenden Kreislaufwirtschaftsgesetz ist klar geregelt, dass Haushaltsabfälle, damit auch Altkleider, der jeweiligen Kommune gehören und diese für die Entsorgung sorgen muss. Nicht davon betroffen sind Kleiderkammern, etwa vom Roten Kreuz. wie