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Bildung
Dank Trierer Filz fahren sie nach Berlin

So sehen Landessieger aus: Völlig überrascht von ihrem ersten Platz in Mainz feiert das Trierer Schüler-Unternehmen Sew Case sein Ticket zum Bundesfinale. Die Zwölftklässler der BBS für Wirtschaft hatten acht Konkurrenten hinter sich gelassen und die Jury überzeugt.
So sehen Landessieger aus: Völlig überrascht von ihrem ersten Platz in Mainz feiert das Trierer Schüler-Unternehmen Sew Case sein Ticket zum Bundesfinale. Die Zwölftklässler der BBS für Wirtschaft hatten acht Konkurrenten hinter sich gelassen und die Jury überzeugt. FOTO: TV / Björn Pazen
MAINZ/TRIER. Das Schülerunternehmen Sew Case von der BBS für Wirtschaft hat den Landeswettbewerb des JUNIOR-Projekts gewonnen und sich fürs Bundesfinale qualifiziert. Auch eine zweite Trierer Gruppe war in Mainz am Start. Von Björn Pazen

Da hielt es Laura Traut, Markus Grünen und ihre ganz in weiß gekleideten Mitstreiter nicht mehr in ihren Stühlen. Die Zwölftklässler der Trierer Berufsbildende Schule für Wirtschaft sprangen auf, konnten ihr Glück kaum fassen, sie hüpften wie wild umher. „Niemals hatten wir damit gerechnet, niemals“, stammelte Laura Traut, neben Grünen die Vorstandsvorsitzende von Sew Case, nachdem ihr Schüler-Unternehmen als Sieger des Landeswettbewerbs von JUNIOR bekanntgegeben worden war. Insgesamt neun Schülerfirmen hatten sich im Gebäude der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz einen Tag lang präsentiert – und am Ende feierte wieder einmal eine Gruppe der Trierer BBS für Wirtschaft.

2014 hatten Schüler des Wirtschaftsgymnasiums mit einem Kochbuch Platz zwei belegt, 2015 wurde eine BBS-Gruppe mit „ReBo“, reflektierenden Bommelmützen, sogar Landessieger, 2016 folgte ein zweiter Platz für Designlampen in Betonoptik – und nun wieder Platz eins und das Ticket fürs Bundesfinale. „Diese Gruppe hat herausragend zusammengearbeitet, sie ist über den Projektzeitraum ein echtes Team geworden, das super harmoniert und voll hinter ihren Ideen steht“, lobte Jürgen Schmidt, der betreuende Lehrer, seine Schüler, und auch Schulleiterin Gabriele Groß war „einfach nur begeistert“ von Sew Case.

Seit dem Start des Schuljahrs haben sich die Schüler in ihrer Freizeit als Unternehmen organisiert, verschiedene Abteilungen aufgebaut, Aktien verkauft – und schließlich ihre Ideen zum Produkt gemacht: Sew Case steht für Schüler-Utensilien wie Ordnerhüllen mit integriertem Mäppchen, Handyhüllen oder Schlüsselanhängern aus Filz. Genäht werden die Produkte an der Trierer Hochschule für Design. Zudem gibt es auch schon einen Prototypen mit integrierter Solarzelle als Energiequelle der eingebauten Powerbank, der in Zusammenarbeit mit Azubis der Westnetz GmbH in Trier entstand. Der Verkauf läuft gut, ein Euro pro verkaufter Ordnerhülle (Stückpreis: 25 Euro) geht an die Organisation Sternenkinder in Trier (weitere Informationen unter sew-case.de).

Die Experten-Jury lobte bei der Preisverkündung in Oscar-Manier vor allem das Teamwork der Trierer Gruppe, zudem, dass sie ihre Zielgruppe genau kennen würde und dass das Produkt eine tolle Idee sei, die zudem sehr gut präsentiert worden sei. Morgens um 8.30 Uhr hatte die Berufsschüler wie die acht Konkurrenten ihren Stand aufgebaut, in drei Gruppen waren die Jurymitglieder dann zu den Gruppen gekommen, hatten die Schüler-Unternehmen mit Fragen gelöchert. Diese Interviews waren eines von fünf gleichberechtigten Kriterien bei der Jury-Bewertung. Weitere waren der Geschäftsbericht, der Messestand, die Geschäftsidee und schließlich die fünfminütige Bühnenpräsentation. Sew Case war das vorletzte Schüler-Unternehmen, das sich präsentierte. Die Idee hinter der Präsentation war die aus dem Fernsehen bekannte Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“.

Die beiden Vorstände Laura Traut und Markus Grünen „buhlten“ um die beiden „Investoren“, zudem wurde ein Video der echten „Höhle-der-Löwen“-Investorin Judith Williams eingespielt, die ebenfalls die Produktidee von Sew Case lobte.

„Das Gesamtpaket war bei diesem Unternehmen absolut stimmig“, sagte Dominic Sickelmann, Marketingleiter des Gesamt-JUNIOR-Projekts, das vom Institut der Deutschen Wirtschaft veranstaltet wird, um junge Menschen für Selbstständigkeit und Gründergeist zu begeistern.

Aus den Händen von Landes-Bildungsministerin Stefanie Hubig und Wirtschafts-Staatssekretärin Daniela Schmitt erhielten die Macher von Sew Case schließlich ihre Siegerurkunde und das Ticket für die dreitägige Reise kurz vor den Sommerferien nach Berlin zum Bundesfinale.

„Als zunächst Platz drei und dann Rang zwei bekanntgegeben wurde, war uns allen klar, dass wir raus sind angesichts der starken Konkurrenz – und dann so was“, freute sich Grünen.

Das olympische Motto, dass schon das Dabeisein alles ist, galt für die zweite Trierer Gruppe, „Frau Holli - märchenhafte Leuchten“ vom Friedrich-Spee-Gymnasium. Ihr Produkt sind handgearbeitete Lampen aus einem Holzfuß und mit Kunstharz, mit märchenhaften Namen wie Schneeweißchen, Rosenrot oder Alberich, wobei „Holli“ für Holzlicht steht. Weil sich das Gros der eigentlichen JUNIOR-Gruppe auf Kursfahrt befindet, waren Schüler eingesprungen, die schon im Vorjahr beim Landesfinale dabei waren.

Die Jury lobte das „tolle Produkt, die kreativen Produktnamen sowie die tiefen Einblicke in den Produktionsprozess“, die sie bei „Frau Holli“ erhalten hätte. Märchenhaft mit Froschkönig und Schneewittchen ging es bei der Bühnenpräsentation zu – ein Platz unter den besten drei Projekten sprang für die Ehranger Gymnasiasten aber nicht heraus. Dafür haben sie aber schon mehr als 60 ihrer 55 Euro teuren handgefertigten Leuchten verkauft.

Eine Bilderstrecke von der Veranstaltung in Mainz gibt es unter www.volksfreund.de/fotos

Zweiter Trierer Starter in Mainz war das Unternehmen „Frau Holli – märchenhafte Leuchten“ vom Friedrich-Spee-Gymnasium in Ehrang.
Zweiter Trierer Starter in Mainz war das Unternehmen „Frau Holli – märchenhafte Leuchten“ vom Friedrich-Spee-Gymnasium in Ehrang. FOTO: TV / Björn Pazen
Der Präsentations-Stand von Sew Case in Mainz mit dem Produkt-Portfolio aus Ordnerhüllen, Handytaschen und Schlüsselanhängern aus Filz.
Der Präsentations-Stand von Sew Case in Mainz mit dem Produkt-Portfolio aus Ordnerhüllen, Handytaschen und Schlüsselanhängern aus Filz. FOTO: TV / Björn Pazen