Das tut die Arbeitsagentur Trier 2020 gegen den Fachkräftemangel

Arbeitsmarkt in der Region Trier : Bausteine für die Fachkräftesicherung

Der Fachkräftemangel wird in diesem Jahr die regionale Wirtschaft fordern. Wie die Arbeitsagentur Trier die Unternehmen nun unterstützen möchte, stellten Agenturchef Heribert Wilhelmi und Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin, vor.

Im Schnitt konnte die Arbeitsagentur Trier im vergangenen Jahr Monat für Monat Jobsuchenden 5000 freie Arbeitsstellen anbieten. Doch viele der Arbeitsplätze bleiben und blieben Monate lang vakant, weil es keine passenden Bewerber gibt. Während im Dezember rund 9500 Menschen in der Region auf Jobsuche sind, gibt es auf der anderen Seite derzeit so viele Menschen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung wie nie zuvor: rund 177 000. Dies zeigt eins: Der regionale Arbeitsmarkt sucht derzeit nach weiteren qualifizierten Mitarbeitern.

Heribert Wilhelmi: „Die Beschäftigung ist auch im vergangenen Jahr erneut gestiegen.“ Ein genauer Blick in die Beschäftigtenstatistik offenbare eine Besonderheit. Denn nicht nur die Beschäftigung insgesamt, sondern insbesondere die Beschäftigung von Menschen aus den Hauptflüchtlingsländern sei angewachsen. Bei Afghanen, Eritreern, Irakern, Iranern, Nigerianern, Pakistani, Somali und Syrern ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Juni 2018 auf Juni 2019 um 28 Prozent gestiegen. „Immer mehr geflüchtete Menschen finden einen Arbeitsplatz,“ so Wilhelmi. „Viele weitere befinden sich auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Sie lassen ihre Abschlüsse anerkennen, erwerben in Deutschland neue Qualifikationen oder finden über die Vermittlungsdienste und Förderprogramme von Jobcenter und Agentur für Arbeit eine Beschäftigung.“ Der Agenturchef bewertet diese Entwicklung als positiv. „Wir sind sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Arbeitgeber zuständig.“ Und der Hunger nach guten Mitarbeitern in der Region ist weiter ungebremst. Vor allem sind Fachkräfte gesucht, wie Stefanie Adam erläutert: „80 Prozent der gemeldeten Stellen richten sich an Fachkräfte, Experten oder Spezialisten. Bei nur 20 Prozent der Ausschreibungen ist keine abgeschlossene Berufsausbildung notwendig.“

Und hier zeigt sich ein Schwachpunkt am regionalen Arbeitsmarkt: Denn knapp die Hälfte der gemeldeten Arbeitslosen haben keinen Berufsabschluss oder verfügen nicht über eine höhere berufliche Qualifikation.

„Eine unserer größten Herausforderungen ist es, Menschen für die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu qualifizieren,“ erklärt Stefanie Adam. „Und dabei kommt es nicht nur darauf an, ungelernten Menschen eine Grundqualifikation zukommen zu lassen, die ihnen den Einstieg ins Berufsleben ermöglicht. Weiterbildungen, die dem sich schnell wandelnden Arbeitsmarkt und der Digitalisierung gerecht werden, sind immer stärker im Kommen.“

Diesen Wandel zu gestalten, fordere Mitarbeiter und Arbeitgeber gleichermaßen, sagen die Experten der Arbeitsagentur. Heribert Wilhelmi: „Die Digitalisierung bringt für Unternehmen die Veränderung gesamter Geschäftsmodelle und Arbeitsabläufe mit sich. Neue Berufe entstehen, bisherige Berufe verändern sich schnell oder fallen weg. Investitionen in Weiterbildungen und in das lebenslange Lernen sind auf Seiten der Betriebe und der Beschäftigten notwendig.“

Erfolg können man dabei nur im Zusammenspiel verschiedener Bausteine erzielen. Einen Ansatz biete das neue Qualifizierungschancengesetz. Bisher hat die Arbeitsagentur mit diesem Instrument in der Region 1460 berufliche Weiterbildungen gefördert und zudem wurden 130 Weiterbildungen von Beschäftigten in Unternehmen begleitet. Dabei hat die Agentur in diesem Bereich 6,4 Millionen Euro investiert. Das Angebot richtet sich gleichermaßen an Betriebe, Beschäftigte und arbeitslose Menschen. 40 Mitarbeiter des Arbeitgeber-Service beraten regionale Unternehmen in Sachen Mitarbeitergewinnung, -bindung und -qualifizierung.

Ein weiterer wichtiger Baustein könnte nach Meinung der Experten auch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz werden, das zum 1. März kommt. Für ausländische Kräfte aus Drittstaaten ist dabei wichtig, dass sie eine Stelle in Deutschland vorweisen können und dass ihre Berufsausbildung anerkannt wird. Hingegen fällt die bisher notwendige Vorrangprüfung weg, bei der geprüft wurde, ob ein inländischer oder europäischer Bewerber zur Verfügung steht. Doch Stefanie Adam bremst eine allzu große Euphorie: „Eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt gelingt nur, wenn auch die Sprachkenntnisse stimmen.“

Arbeitsmarktbilanz 2019. Foto: TV/Heribert Waschbüsch
Arbeitsmarktbilanz 2019. Foto: TV/Heribert Waschbüsch
Ziehen die Bilanz für 2019: Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Trier, Heribert Wilhelmi, Agentur-Chef, und Pressesprecherin Isabell Juchem. Foto: TV/Heribert Waschbüsch

Die Integration von Langzeitarbeitslosen ist für die Arbeitsagentur ein weiterer Schwerpunkt. Die momentane Arbeitslage hilft auch dieser Gruppe. Im vergangenen Jahr waren durchschnittlich 2200 Menschen länger als zwei Jahre ohne Arbeit. Das waren sieben Prozent weniger als 2018. „Das zeigt, dass sich gerade in Zeiten hoher Arbeitskräftenachfrage, Investitionen in jobsuchende Menschen, die zum Teil viele Handicaps mitbringen, lohnen,“ sagt Wilhelmi. So konnten über das neue Teilhabechancengesetz in der Region Trier 78 langzeitarbeitslose Menschen gefördert werden, 60 von ihnen waren zuvor sogar sechs Jahre oder länger ohne Job.