Dem Arbeitsmarkt fehlt es an Dynamik

Dem Arbeitsmarkt fehlt es an Dynamik

August und September glänzen am regionalen Arbeitsmarkt immer mit den besten Zahlen. So auch in diesem Jahr. Aktuell suchen etwa 9700 Menschen einen Job, 558 weniger als noch im August. Doch die Experten sehen auch: Dem Arbeitsmarkt geht die Dynamik verloren.

Trier. Weniger Arbeitslose konnte die Agentur für Arbeit Trier in diesem Jahr noch nicht vermelden: Genau 9707 Menschen in der Region sind im September arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote sinkt von 3,8 Prozent auf 3,6 Prozent. Das ist nicht verwunderlich: Alle Betriebe laufen auf Hochtouren, die Weinlesesaison bringt reichlich Besucher an die Mosel, und auch der Handel profitiert von der Saisonentwicklung. Der saisonale Rückgang fällt allerdings schwächer aus als noch in den vergangenen Jahren. Vergleicht man den September mit dem gleichen Monat des Vorjahres, so sind 395 Frauen und Männer mehr arbeitslos.
"Wir verzeichnen schon seit einigen Monaten eine leichte Abkühlung des Marktes", erläutert der Chef der Trierer Arbeitsagentur, Wolfram Leibe, die aktuelle Situation. "Die Region Trier punktet schon seit über zwei Jahren mit Spitzenwerten im Landesvergleich, da ist nicht mehr viel Luft nach oben drin", erklärt er weiter. Kritischer fällt sein Urteil beim Blick auf die offenen Stellen aus.
Seit Jahresbeginn wurden dem gemeinsamen Jobcenter der Agentur für Arbeit und den Jobcentern rund 1200 Stellen weniger gemeldet als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. "Die Auftragsbücher der Unternehmen sind zwar vielfach gut gefüllt, aber sie reagieren auf die Unsicherheiten an den Finanzmärken offenbar mit Zurückhaltung bei der Einstellung neuer Mitarbeiter", sagt Leibe. Diese fehlende Dynamik ist im ganzen Land festzustellen. Im September wurden rund 106 700 Arbeitslose gezählt, 5200 weniger als vier Wochen zuvor. Allerdings bewegte sich die Arbeitslosigkeit auf etwas höherem Niveau als vor einem Jahr. Im Herbst 2012 waren rund 4000 mehr Menschen ohne Arbeit als im Herbst 2011. Auf Grund der nachlassenden Dynamik schließt Jürgen Haßdenteufel, Mitglied der Geschäftsführung der Regionaldirektion, nicht aus, dass es am regionalen Arbeitsmarkt zu einer gewissen "Durststrecke" kommen kann, gravierende Veränderungen seien kaum zu erwarten.