Den Unternehmen im Eifelkreis geht es in vielen Bereichen zu langsam

Wirtschaft im Eifelkreis : Den Firmenchefs geht’s nicht schnell genug

Die Ziele sind gleich, doch die Taktung ist vollkommen anders. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm geht es der Wirtschaft zu langsam voran. Das wollen die Unternehmer nun ändern.

Die Unternehmer-Initiative im Eifelkreis Bitburg-Prüm hat bei ihrem erstem Treffen einen Stein ins politische Entscheidungsbecken geworfen. Mal schaun, welche Wellen er schlägt.

Auf Initiative von Jan Niewodniczanski (Bitburger Braugruppe) und Lothar Thommes (Tesla Grohmann) haben in zwei Workshops die 25 größten Unternehmen aus dem Landkreis ihre Sorgen zusammengetragen und daraus Ziele formuliert. Diese wurden nun der Politik vorgestellt. Rund 100 Unternehmer waren der Einladung gefolgt.

Dabei sind anfangs die Fronten klar definiert, links blickt das Publikum auf die Wirtschaft: Ferdinand Niesen von der Westeifel GmbH, Hartmut Fischer, Stihl-Geschäftsführer, Jürgen Weiler, Bauunternehmer und Jan Niewodniczanski und Lothar Thommes. Moderator Christian Ege steht als Moderator und (gelegentlich) Mediator dazwischen, dann reihen sich Michael Billen, MdL und 1. Kreisbeigeordneter, Landrat Joachim Streit, Helmut Berscheid, Wirtschaftsförderung, Rudolf Rinnen, 2. Kreisbeigeordneter, und Johannes Reuschen, Stadtbürgermeister Prüm, ein.

Zwei Stunden haben sich Politik und Wirtschaft für den Dialog vorgegeben, am Ende werden fast drei Stunden daraus, auch weil das Publikum Verlängerung fordert.

Jan Niewodniczanski und Lothar Thömmes tragen fünf Top-Themen vor, bei denen es nach Ansicht der Wirtschaft im Landkreis erheblich klemmt.

Der digitale Netzausbau, attraktiver Wohnstandort, der ÖPNV, ein regionales Energiekonzept und administrative Genehmigungsverfahren (der TV berichtete) müssen nach Ansicht der Initiatoren auf den Prüfstand und beschleunigt werden. Denn das Ziel für die regionalen Unternehmen ist: Der Eifelkreis muss für Menschen so attraktiv sein, dass sie in der Region bleiben. Und im Wettbewerb mit anderen Regionen müsse er zudem so herausstechen, dass junge Familien vermehrt hierher ziehen. Denn die große Herausforderung ist jetzt schon für alle Unternehmen: Wie finde ich genügend Fachkräfte. Beispiele für hemmende Rahmenbedingungen nennen die Unternehmer auch. Die Westeifelwerkstätten leiden beispielsweise in Hermesdorf und Weinsheim unter lahmen Internetverbindungen, klagt Westeifel-Geschäftsführer Ferdinand Neisen, Bauunternehmer Jürgen Weiler beklagt sich über schleppende und komplizierte Genehmigungsverfahren und Stihl-Geschäftsführer Hartmut Fischer, der für den Job vor vier Jahren in die Eifel zog, erzählt von der schwierigen Wohnungssuche.

Derweil gibt es eifriges Nicken auf der anderen Podiumsseite. Die Ziele von Politik und Wirtschaft im Eifelkreis sind deckungsgleich. Landrat Joachim Streit zeigt den Masterplan für den Kreisentwicklungsplan und sieht die Region auf einem guten Weg. Der Landkreis sei jüngst von Kienbaum ausgezeichnet worden, habe den Award des Bundes der Steuerzahler bekommen, und die Landesregierung sieht im Eifelkreis ein Vorbild in Sachen Bürgerbeteiligung mit dem Modellprojekt Versorgung und Mobilität im ländlichen Raum.

Michael Billen findet sogar: „Der Kreis ist optimal aufgestellt. Wir haben Vollbeschäftigung und erfolgreiche kleine und mittelständische Unternehmen.“ Natürlich sei nichts so gut, dass man es nicht verbessern könnte.

Helmut Berscheid verspricht, dass bereits im kommenden Jahr sich die Internetanbindung an den sechs großen Gewerbegebieten verbessert: „Mitte 2020 haben wir dort überall Glasfaseranbindung.“ Und auch die „Anbindung an jede Milchkanne“, wie sie Michael Billen fordert, werde in den kommenden Jahren umgesetzt. Dafür nehme man noch einmal 21 Millionen Euro in die Hand, viel Geld für einen „armen Kreis“, der eigentlich keinen Spielraum habe. „Wir haben dafür beispielsweise Kreis-Wald verkauft. Uns scheint die digitale Rendite wichtiger als die Rendite aus dem Wald“, erklärt Streit. Bei allem aber sei der Landkreis an seine finanziellen Möglichkeiten gebunden.

Auch für die Unternehmer sind Zahlen wichtig, doch in diesem Fall ganz andere. Der Kreisentwicklungsplan läuft bis 2030. Die Unternehmer aber wollen schneller Ergebnisse sehen. „Wir brauchen eine höhere Geschwindigkeit, wir müssen nicht einen Schritt machen, sondern gleich zwei und drei auf einmal, damit wir in der Region nicht abgehängt werden“, erklärt Lothar Thommes. Die Erwartungen, dass sich etwas ändert, sind auf 2020 bis 2023 ausgelegt.

Johannes Reuschen sieht die Auftaktveranstaltung als gute Möglichkeit, die Ziele gemeinsam voranzubringen. Und auch aus dem Publikum gibt es reichlich Unterstützung.

Sabine Plate-Betz, Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU): „Das ist ein guter Anfang. Wir unterstützen die Unternehmen, die im Eifelkreis diese Initiative ergriffen haben.“ Matthias Schmitt, Geschäftsführer bei der Industrie- und Handelskammer: „Es ist wichtig, dass alle im Kreis an einem Tisch sitzen. Ich glaube, dass daraus eine Dynamik entstehen kann.“ Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Axel Bettendorf, sieht vor allem im Bildungsbereich Potenziale. „Wenn es hier Probleme gibt, stehen wir gerne bei.“ Und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MEHR, Dirk Kleis, will auch im Handwerk noch die Werbetrommel für die Initiative rühren.

Jan Niewodniczsanki: „Wir haben die Initiative nicht für die Bitburger oder Tesla gegründet. Es geht uns um die Region. Und gerade kleineUnternehmen leiden jetzt schon ganz erheblich“, sagt der Brauereimanager. Die Initiative ist für alle Eifeler Unternehmen offen. Und die wollen nun aufs Tempo drücken. Schon in den kommenden Wochen soll sich eine Arbeitsgruppe aus Initiativ-Mitgliedern und Politik treffen, um Lösungen für die gemeinsamen Ziele zu suchen. Dann wird sich zeigen, ob die Veranstaltung die Überschrift verdient: Schön, dass wir darüber geredet haben! Oder: Schön, dass wir das begonnen haben!“

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