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Der erste Schritt ist der schwerste

Der erste Schritt ist der schwerste

LUXEMBURG. Glaubwürdigkeit - dies sieht Frankreichs Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet als den größten Erfolg bei der Einführung des Euro an. Bei einer Veranstaltung des Luxemburger "Brigde Forum Dialogue" forderte er, dies auch bei der anstehenden EU-Osterweiterung zu beachten.

Dass er ein Fachmann und damit geeignet für das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, das muss der französische Notenbank-Chef Jean-Claude Trichet nicht mehr beweisen. Doch noch ist er es nicht, sondern sitzt auf der Anklagebank im Prozess um den Bilanz-Skandal bei der früheren Staatsbank Crédit Lyonnais. Und so sind denn auch seine Ausführungen zur Zukunft des Euro beim "Brigde Forum Dialogue" dadurch getrübt, dass ihn ein Hauch von Vertrauensverlust umgibt. "Ich sage nichts dazu. Das liegt in den Händen kompetenter Körperschaften", stellt der Notenbank-Präsident klar. Doch außer Frage steht, dass er entscheidenden Anteil am Erfolg der gemeinsamen Währung trägt. "Der Euro ist ein Erfolg der neuen Form von Kommunikation", begründet der 60-Jährige. Bislang seien die Währungssysteme nicht ausreichend transparent gewesen. Das habe sich mit der Einheitswährung geändert. Dazu habe auch die zeitnahe Veröffentlichung der Entscheidungen über Internet beigetragen. "Seit gut vier Jahren vertritt Europa gemeinsame Standpunkte in der Währungspolitik", resümiert Trichet. Zur Erfolgsgeschichte des Euro führt der Verfechter einer harten Linie der Währungsstabilität auch die Glaubwürdigkeit der Entscheidungen an. "Es gab viel Pessimismus vor der Einführung des Euro. Doch die war ein voller Erfolg, bereits amersten Tag waren 300 Millionen Menschen daran beteiligt, ohne, dass es zu einem Kollaps kam", sagt der Staatsmann. Auch habe man die Vorteile der ehemaligen Währungsunion Belgien-Luxemburg genutzt und mit den Stärken der deutschen Mark kombiniert. "Der Euro ist keine Durchschnitts-Währung, sondern bündelt die Stärken verschiedener Systeme." Doch der Favorit auf die Duisenberg-Nachfolge ist auch selbstkritisch. "Wir haben den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht. So war es ein Fehler, den Euro zu beschließen, ohne eine gemeinsame Haushaltspolitik festzulegen", sagt Trichet. Auch gebe es noch Hausaufgaben zu erledigen: Strukturreformen für mehr Wachstum, in der EU-Osterweiterung Glaubwürdigkeit und Flexibilität in den Entscheidungen - "der erste Schritt ist der schwerste."