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Der Pakt hilft Schmetterlingen und Käuzchen

Der Pakt hilft Schmetterlingen und Käuzchen

Das Land Rheinland-Pfalz hat vor 25 Jahren begonnen, mit landwirtschaftlichen Unternehmen Verträge über die Bewirtschaftung naturschutzrechtlich relevanter Flächen abzuschließen. Das Hofgut in Serrig ist seit 2010 Partnerbetrieb Naturschutz. Nun haben rund 100 Teilnehmer über den Vertragsnaturschutz auf dem Hofgut diskutiert.

Serrig. "Wenn ich in der zweiten Julihälfte die von uns betreuten Flächen im Serriger Bachtal mulche, bin ich immer wieder begeistert", sagt Michael Köbler, Leiter des Hofguts in Serrig. Dann flattern jede Menge Schmetterlinge in der Luft, worüber der gelernte Agrarwissenschaftler dann immer wieder sehr glücklich ist.
Das Hofgut Serrig ist einer von 109 Vertragspartnern (siehe Extra), mit denen der Landkreis Trier-Saarburg einen Naturschutzvertrag abgeschlossen hat. In diesen Verträgen verpflichten sich die Partnerbetriebe über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren, die eingebrachten Flächen so zu bewirtschaften, wie es unter naturschützenden Aspekten sinnvoll ist. Im Landkreis Trier-Saarburg sind das beispielsweise Streuobstwiesen, auf denen unter anderem Steinkäuze und Fledermäuse jagen.
Auf einer Fläche im Kesselvenn (Landkreis Bitburg-Prüm) werden Ardenner Kaltblutpferde zur Landschaftspflege eingesetzt. Dort wächst beispielsweise nun die Echte Mondraute, ein Farn, der in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht.
Landesweit nehmen knapp 4800 landwirtschaftliche Betriebe an den Programmen teil, die der Vertragsnaturschutz bietet. "Wir haben fast 18 000 Hektar im Land, die im Rahmen dieser Angebote bewirtschaftet werden", erklärt Inge Unkel, die im rheinland-pfälzischen Umweltministerium für das 25 Jahre alte Programm zum Vertragsnaturschutz zuständig ist, am Rand einer Konferenz mit etwa 100 Teilnehmern auf dem Hofgut.
Für Köbler ist der Vertragsnaturschutz wichtiger Teil der Unternehmensphilosophie des Hofguts. "Wir produzieren Produkte mit einem ökologischen Rucksack." Da sei es selbstverständlich, dass sich alle im Unternehmen für den Erhalt der Naturlandschaft einsetzen. "Sonst haben wir eines Tages entweder ein eintöniges oder vollkommen verbuschtes Serriger Bachtal." Aussichten, die ihm beide nicht behagen.
Dank der Beratung durch den Landkreis Trier-Saarburg setzen sie auch Produktionstechniken ein, die für die Landschaft besser verträglich sind. So wird beispielsweise keine Gülle auf die Felder aufgebracht. "Wir verwenden Mist und Jauche." Außerdem werden die Wiesen spät geschnitten.
Das könne sich das Hofgut allerdings nur erlauben, weil es keine Milchwirtschaft betreibt. Denn je später das Gras gemäht wird, desto weniger Nährstoffe enthält es.
Das Hofgut pflegt etwa acht Hektar im Rahmen des vertragsnaturschutzes, neben dem Serriger Bachtal sind auch Flächen bei Wiltingen, Wawern und Taben darunter. "Natürlich ist auch das Geld, das wir für die so gepflegten Flächen bekommen", sagt Köbler. Aber das sei am Ende nicht ausschlaggebend: "Wir bekommen kompetente Unterstützung für den Gesamtbetrieb und das Label Partnerbetrieb Naturschutz ist für uns auch ein wichtiges Marketinginstrument."Extra

Die Stadt Trier hat die Verwaltung der Vertragsnaturschutzflächen dem Landkreis Trier-Saarburg übertragen. Der Landkreis Trier-Saarburg betreut zurzeit 109 Vertragspartner mit etwa 530 Hektar Fläche. Daneben bearbeitet die Kreisverwaltung 330 Anträge, die zum Teil Elemente des Vertragsnaturschutzes enthalten. Der erste Beigeordnete des Kreises, Dieter Schmitt, findet, dass der Vertragsnaturschutz eine gute Lösung darstellt, solange beide Seiten auf freiwilliger Basis miteinander kooperieren. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm gibt es 563 Vertragspartner. Die betreute Fläche beträgt etwa 1000 Hektar. Heike Linden, Pressesprecherin des Eifelkreises Bitburg-Prüm glaubt, dass der Vertragsnaturschutz zukünftig an Bedeutung gewinnen wird. Vor allem, weil die anstehende EU-Agrar-Reform einen verpflichtenden Nachweis ökologischer Ausgleichsflächen vorschreiben könnte. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich sind rund 1040 Hektar im Programm für Vertragsnaturschutz aufgenommen, betreut werden sie von 295 Partnern. Laut Pressesprecher Alfons Kuhnen bieten die Programme "Partnerbetrieb Naturschutz" und der "Kennartenschutz" erstmalig einen gesamtbetrieblichen Beratungsansatz, der den Landwirten eine flexible und eigenverantwortliche Flächenbewirtschaftung erlaubt. Auch die Landkreisverwaltung Vulkaneifel unterstützt die Projekte rund um den Vertragsnaturschutz. itz