Der Quasi-Nobelpreisträger Hermann Simon aus der Eifel - Mehr als 40 Bücher in 27 Sprachen

In Thinkers Hall of Fame aufgenommen : Der Quasi-Nobelpreisträger Hermann Simon aus der Eifel - Mehr als 40 Bücher in 27 Sprachen

Nobelpreise gibt es viele. Doch keinen für Betriebswirtschaft und Management. Dennoch gebührt jetzt dem gebürtigen Hasborner Professor Hermann Simon eine solche Ehre. Denn er ist als bislang einziger Deutscher in die weltweit renommierte Thinkers Hall of Fame aufgenommen worden.

  Auch wenn Professor Hermann Simon aus dem eigentlichen Beratungsgeschäft seines Unternehmens größtenteils ausgestiegen ist, so ist der Stratege und Manager immer noch rast- und ruhelos. Zwischen zwei Reisen nach China kommt er in sein Elternhaus nach Hasborn in der Eifel (Kreis Bernkastel-Wittlich) – um „mal wieder Ruhe zu tanken“, wie er sagt.

Dabei scheinen Pausen alles andere als zu ihm zu passen. Immerhin ist er weltweit bekannt – als einflussreichster deutschsprachiger Denker seines Metiers, als Management-Experte, als Berater für eine Vielzahl fortschrittlicher und innovativer, aber oftmals unbekannter Unternehmen. Denn Simon hat bereits Mitte der 1980er Jahre die Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners gegründet, die sich auf Preisberatung konzentriert hat. Mit boomendem Erfolg. Dort arbeiten inzwischen rund 1400 Mitarbeiter 39 Büros in 25 Ländern bei einem Umsatz von gut 300 Millionen Euro.

Simons Buch „Preismanagement“ gehört inzwischen zum Hochschul-Standardlehrbuch. Er hat nicht nur mittelständische Betriebe zu Marken gemacht, sondern auch auch sich selbst. Mit der Erfindung des Begriffs „Hidden Champion“ für unentdeckte deutsche Weltmarktführer hat der gebürtige Eifeler Geschichte geschrieben – die nun auch international ihre Anerkennung erfahren hat: mit der Aufnahme Simons in die Thinkers 50 Hall of Fame. Als bislang einzigem Deutschen wird ihm die Auszeichnung als Alternative zum herkömmlichen Wirtschaftsnobelpreis (siehe Info) zuteil.

„Das erfüllt mich natürlich mit Stolz, dass ich als Pragmatiker für Managementideen nun auch als Gedankenführer ausgezeichnet werde“, sagt der 72-Jährige. Die Erfindung „Hidden Champions“ und die Veröffentlichung seiner Ideen in in den USA sei im Nachgang „ein Glücksgriff“ gewesen, zeigt diese doch erstmals im internationalen Wirtschaftsgeschehen auf, auf welchen Festen das deutsche Wirtschaftswunder steht, was die Stabilität und Rubustheit ausmacht und warum die deutsche Wirtschaft sich immer wieder ein Stück weit selbst neu erfindet. „Warum sind wir Exportweltmeister? Weil wir einen gesunden Mittelstand haben“, sagt er.

Hermann Simon ist stolz auf die deutschen Unternehmen: „Unsere Kompetenz liegt in den Industriegütern und industriellen Dienstleistungen. Bei der Digitalisierung der Industrie sind wir in vielen Bereichen führend“, sagt er und versucht gleich mit Beispielen diejenigen mundtot zu machen, die der deutschen Wirtschaft zu wenig Innovationskraft  und zu viel Behäbigkeit bescheinigen.

So nennt Simon als Beweis die Zukunft des autonomen Fahrens: Von den gut 7300 Patenten weltweit hierfür kommen 48,8 Prozent aus Deutschland. Auch die Siri-Technologie, die Sprachsteuerung über Handys, ist eine deutsche Technologie, ebenso wie die weltweit milliardenfach verwendete Technologie „Long short therm memory“, die führend im Bereich der künstlichen Intelligenz ist. Simon könnte hunderte Beispiele nennen. Schließlich sammelt er seit mehr als 40 Jahren erfolgreiche Unternehmensgeschichten. „Und immer wieder entdecke ich neue“, sagt der Management-Vordenker.

„Deutsche Unternehmen werden in China bewundert“, weiß der Wissenschaftler. Allerdings sei für viele nicht sichtbar, „was sich da tut, dies sind alles Weltmarktführer in ihrem Nischengebiet der Wirtschaft“.

Dass im Land der aufgehenden Sonne sowohl deutsche Erfahrungen und Innovationen als auch Wissen und Forschung geschätzt werden, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass in der 99 Millionen Einwohner Provinz Shandong die Business School nach Hermann Simon benannt wurde. „Unser Erfolgsrezept hinsichtlich Management und Strategie wird weltweit bewundert – und zunehmend übernommen“, sagt der Stratege.

War Simon noch zu Beginn seiner Unternehmensforschung davon überzeugt, dass das Phänomen der „Hidden Champions“ ein rein deutsches und auch endliches sei, so hat ihn die ökonomische Realität eines besseren gelehrt. „Ich dachte immer, das sei eine deutsche Tugend, doch hinter einem erfolgreichen Mittelstand steckt eine Strategie“, analysiert der Buchautor, dessen mehr als 40 Bücher inzwischen in 27 Sprachen veröffentlicht wurden. Dabei gehe es um Fokussierung, Strategie und Globalisierung.

Eine Beschreibung, die der international gefragte Redner auch bei Unternehmen in der Region Trier feststellt: Ob Tesla/Grohmann in Prüm, Papier Mettler in Morbach oder Rowa in Kelberg – diese Betriebe seien in ihren Produktion extrem spezialisiert, hätten die Ambition der Beste ihres Metiers zu werden und einen internationalen Fokus.

Professor Hermann Simon bei seiner Aufnahme in die Thinkers Hall in London. Foto: Professor Hermann Simon

Was die wirtschaftliche Kompetenz der Region insgesamt angeht, ist der ehemalige Professor für Marketing an den Universitäten Bielefeld und Mainz, in Harvard und Stanford, in Tokio und London nicht ganz sicher. „Es gibt ein generelles Problem des Talentmangels und der Flucht aus den Dörfern“, sagt Simon. Zwar biete die Region vor allem in touristischer Sicht ein „ungeheures Potenzial, aber es gebe einen enormen Nachholbedarf, dies auch zu vermitteln. Vielfach fehlt das geeignete Unternehmertum“, stellt er fest. Dennoch schließt der Forscher nicht aus, auch in Eifel, Hunsrück und an der Mosel weitere „Hidden Champions“ zu finden – und so sucht Hermann Simon weiter nach Vorzeigeunternehmen, unter anderem für sein neues Buch, das er gemeinsam mit dem Trier Professor Jörn Block, dem Leiter der Professur und Sprecher der Forschungsstelle Mittelstand an der Universität Trier, schreibt. Schwerpunkt, die könnte es anders sein: Globalisierung und Digitalisierung.