1. Region
  2. Wirtschaft

Der Umgang mit dem ersten Geld

Der Umgang mit dem ersten Geld

Berufsstarter fühlen sich mit den ersten Gehaltseingängen beinahe schon reich. Dabei vergessen viele, dass sie nun wichtige Versicherungen abschließen sollten.

Frankfurt. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man mit dem Berufsstart das erste Mal seinen Gehaltszettel in den Händen hält. Im Studium krebste man Monat für Monat mit einigen Hundert Euro herum, und plötzlich werden auf das Konto vierstellige Summen überwiesen. So mancher will sich da gleich große Träume erfüllen. Ganz klar: Die eigenen finanziellen Spielräume erweitern sich mit dem Berufsstart enorm. Doch viele Dinge, um die sich bisher die Eltern gekümmert haben, muss man nun selbst regeln.
Nüchterner Finanzcheck


Bevor man übermütig wird, sollte daher ein nüchterner Finanzcheck gemacht werden: Welche Versicherungen muss ich jetzt abschließen? Wie sorge ich für das Alter vor? Will ich langfristig mieten oder eine Eigentumswohnung kaufen? Über diese Fragen sollte jeder spätestens mit dem Berufsstart nachdenken - teils sind schnelle Entscheidungen nötig, teils kann man sich noch ein bisschen Zeit lassen. Das Wichtigste ist erst einmal, sich um die richtigen Versicherungen zu kümmern. "Als Erstes muss ich mich gegen Risiken absichern, die mich finanziell ruinieren können", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. "Erst danach kümmere ich mich um die Altersvorsorge." Viele Berufsanfänger waren bislang über ihre Eltern haftpflichtversichert. Nun müssen sie sich eine eigene Police besorgen, denn die private Haftpflichtversicherung zahlt, wenn man einem anderen einen Schaden zufügt. Wenn ein Fußgänger etwa unbedacht über den Radweg läuft und es passiert ein schwerer Unfall, dann muss der Verursacher zahlen. Im schlimmsten Fall bis zum Lebensende, etwa wenn das Opfer zum Invaliden wird. Die Bedeutung der Haftpflichtversicherung wird nach wie vor unterschätzt. Nur ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen hält eine solche für wichtig, ergab jüngst eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag der Allianz unter 2000 jungen Deutschen. Mehr Haushalte in Deutschland haben eine Hausratversicherung abgeschlossen als eine Haftpflicht - obwohl die sich nur lohnt, wenn man eine gut ausgestattete Wohnung hat. Die Haftpflichtversicherung ist zugleich eine der günstigsten Versicherungen: Gute Policen sind schon für fünf Euro im Monat zu haben.
Strenge Prüfung


Für unverzichtbar halten Verbraucherschützer auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn das Risiko, nicht bis zum Rentenalter in seinem Beruf arbeiten zu können, ist nicht so gering, wie viele denken. Jeder fünfte Angestellte und jeder vierte Arbeiter scheidet vorzeitig aus. Vom Staat ist dann nicht viel zu erwarten. "Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte man so früh wie möglich abschließen", rät Boss. Dann besteht man leichter die strenge Gesundheitsprüfung. Bereits als Auszubildender könne man zumindest eine Rente von monatlich 1000 Euro abschließen, rät sie. Das sei der niedrigste sinnvolle Betrag. Später könne man die Summe erhöhen, wenn es die neuerliche Gesundheitsprüfung zulässt.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist vielen zu teuer. Viele Deutsche verzichten allerdings auf diesen wichtigen Schutz: Laut einer Finanzmarktstudie von TNS Infratest haben nur 6,5 Prozent der 18- bis 29-Jährigen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Neben Unwissenheit dürfte das daran liegen, dass sie eine der teuersten Versicherungen ist. Für eine monatliche Rente von 1000 Euro bis zum 67. Lebensjahr müssen junge Kunden in kaufmännischen Berufen mindestens 30 Euro im Monat zahlen, körperlich Arbeitende zahlen mindestens 80 Euro. Kunden können Kosten sparen, wenn sie die Versicherung in jungen Jahren abschließen. Auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Unfallversicherung wären als günstigere Alternativen denkbar. Doch sie sind kein vollwertiger Ersatz. Während die Berufsunfähigkeitsversicherung einspringt, wenn man seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann, zahlt die Erwerbsunfähigkeitsversicherung nur dann, wenn man gar keine Arbeit mehr ausüben kann. Eine Unfallversicherung zahlt nur bei Unfällen und nicht bei Krankheit.

Der Autor Michael Detering arbeitet als Experte für die Wirtschaftszeitung Handelsblatt.