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Derzeit halten sich Unternehmeh mit neuen Lehrverträgen zurück

Ausbildungsmarkt : Corona friert den Ausbildungsmarkt ein, aber wohl nur kurzfristig

Vor wenigen Wochen noch balgten sich die Unternehmen um den Nachwuchs. Doch in Zeiten von Corona scheint sich das zu ändern. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat jüngst ein Minus von acht Prozent genannt. Wie sieht es in der Region aus?

Für einen 25-jährigen Mann ist vor wenigen Tagen die Welt zusammengebrochen. Wegen der Corona-Krise hat das Hotel, indem er seine Ausbildung begonnen hat, schließen müssen. Nun stand der Marrokaner ohne Ausbildungsbetrieb da. Schlimmer für ihn, ohne Lehrstelle keine Aufenthaltserlaubnis. Hilfe kam von der IHK. Ausbildungsberaterin Petra Scholz betreute den angehenden Koch und verschaffte ihm über das IHK-Netzwerk einen neuen Ausbildungsbetrieb.

In der jetzigen Situation ist das kein Einzelfall. Die Corona-Krise beschleunigt nach Angaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) den Rückgang der Ausbildungsplätze in Deutschland. Derzeit gebe es ein Minus bei den angebotenen Lehrstellen von knapp acht Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allerdings könne es laut Bundesagentur für Arbeit auch noch zu einem Aufholprozess im August und September kommen, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie besser abschätzbar seien.

So ist auch der Blick auf die regionale Situation zunächst angespannt. Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer Trier (IHK), bestätigt dem TV: „Viele Betriebe sind verunsichert, einige kämpfen ums Überleben. Da ist es nur verständlich, dass Unternehmen aus besonders betroffenen Branchen darüber nachdenken, die Einstellung neuer Auszubildenden erst einmal zurückzustellen.“

Aktuell liegen der IHK 18 Prozent weniger Ausbildungsverträge zur Eintragung ins Ausbildungsverzeichnis vor als im Vorjahr. In absoluten Zahlen 126 Verträge. Doch zur Panik bei den jungen Menschen gebe es keinen Grund, so Schneider: „Das ist nur eine Momentaufnahme, die viele Gründe haben kann. Ausbildungsverträge wurden bereits geschlossen aber noch nicht bei der IHK eingereicht, weil Mitarbeiter in Kurzarbeit oder im Homeoffice sind.“

Einige Betriebe würden zudem noch abwarten und wahrscheinlich erst später im Jahr mit der Ausbildung beginnen. Auch die medizinischen Voruntersuchungen, die bei Minderjährigen vorgeschrieben seien, würden zeitweise ausgesetzt, was zu Verzögerungen führe.

Bei der Handwerkskammer (HWK) sei die Lage noch entspannt. HWK-Geschäftsführer Carl-Ludwig Centner: „Der Ausbildungsmarkt im Handwerk der Region ist trotz Corona-Pandemie weitestgehend stabil. Erfreulich ist insbesondere, dass aufgrund der Pandemie kein einziges Lehrverhältnis gelöst wurde.“ Bei den Neueintragungen hinken die Zahlen allerdings auch etwas hinter dem Vorjahr zurück, doch das sei „aber noch lange keine Corona-Schockstarre“, so Centner und fügt an, „zusammen mit Corona wird das Fachkräfteproblem keinesfalls verschwinden.“ Insofern erwarte die HWK Trier ein gleichbleibend breites Angebot an Lehrstellen seitens der Ausbildungsbetriebe.

Die Agentur für Arbeit Trier bestätigt die Tendenz, man verzeichne bisher einen moderaten Rückgang bei der Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen. Im April gab es in der Region Trier 3810 freie Ausbildungsplätze, neun Prozent weniger als im Vorjahr. Der Chef der Arbeitasagentur, Heribert Wilhelmi: „Wir stellen fest, dass die Betriebe derzeit sehr zurückhaltend in Sachen Personalrekrutierung agieren. Viele Personalabteilungen sind aktuell aber auch anderweitig stark gefordert, wenn es zum Beispiel um die Abwicklung von Kurzarbeit geht, das Gesundheitsmanagement oder die Umorganisation interner Abläufe.“ Das verzögere die Bewerberauswahl zum Teil.

Im weiteren Verlauf hoffen die beiden Wirtschaftskammern aber auch auf die Unterstützung der Politik. Ulrich Schneider nennt einige Punkte, die helfen könnten: „Sinnvoll wäre ein Kurzarbeitergeld für Azubis, das vom ersten Tag an gezahlt wird, oder temporäre Zuschüsse für existenzgefährdete Ausbildungsbetriebe, damit sie die Ausbildungsvergütungen zahlen können.“ Zudem würde die Möglichkeit vorübergehend mehr außerbetriebliche Ausbildung zuzulassen helfen, ebenso wie Betrieben, die zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten, einen Bonus zu gewähren. HWK-Geschäftsführer Centner ergänzt: „Von der Politik wünscht sich das Handwerk der Region eher eine nachhaltige Förderung, etwa über höhere Förderquoten von Bund und Land bei der Durchführung der überbetrieblichen Lehrlingsüberweisung. Das würde insgesamt die Ausbildung der jungen Handwerker stärken und Mitnahmeeffekte einer zentral geforderten Ausbildungsprämie verhindern.“