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Deutsch zum Runterladen

Deutsch zum Runterladen

Dass Anglizismen und schlechtes Deutsch ein Merkmal der "Generation Computer" sind, gilt als ausgemacht. Doch ein Trierer Software-Unternehmen tritt an, um zu beweisen, dass man moderne Rechner-Technologie optimal auch zur "Deutsch-Verbesserung" einsetzen kann.

Trier. Gunnar Bartels sieht nicht so aus, wie man sich gemeinhin einen Gralshüter der deutschen Sprache vorstellt. Im Gegenteil: Der 37-Jährige ist als Inhaber seiner eigenen Software-Firma im Digital-Denglish der Computer-Szene uneingeschränkt zuhause. Und doch nervt ihn, "dass die deutsche Sprache in der allgemeinen Verlotterung vor die Hunde geht". Sein Ansatz für ein besseres Deutsch unterscheidet sich freilich gravierend von dem des klassischen Germanisten. Er will dafür die von seinem Unternehmen entwickelte Software "PhraseExpress" nutzen, die ursprünglich entstanden ist, um das Verfassen von Schreiben aller Art zu vereinfachen. Bartels' einfache, aber bestechende Idee: Womit man gewünschte Formulierungen in Schreiben hineinbringen kann, damit kann man auch unerwünschte Formulierungen eliminieren. Seit zehn Jahren sitzt der Firmen-Inhaber mit seinem "virtuellen Unternehmen" im Stadtteil "Im Treff" an der Uni in Trier. 1994 hatte es den gebürtigen Hildesheimer zum Elektrotechnik-Studium nach Trier verschlagen, der Liebe halber blieb er da. Seine Mitarbeiter sitzen in den USA, Indien, Belgien oder der Ukraine - wo immer er hochqualifizierte Programmierer findet. "Virtual CD" bereits eine Million Mal verkauft

Er selbst entwickelt praxisbezogene Ideen, empfindet sich als Mittler zwischen Anwendern und Programmierern. Sein Programm "Virtual CD" habe sich weltweit eine Million Mal verkauft, erzählt er stolz. Auch der PhraseExpress läuft gut, aber Bartels will mit der neuen Auflage v5 neue Märkte erobern. "Sprach-Verbesserung" ist angesagt. Das Programm soll schlechtes Deutsch, schlampige Formulierungen oder unnötige Anglizismen von selbst erkennen und sofort eliminieren - oder zumindest einen automatischen Verbesserungsvorschlag unterbreiten. Theoretisch klingt das gut, aber praktisch? Wir machen die Probe aufs Exempel. Gunnar Bartels gibt den Begriff "uploaden" ein. Prompt schlägt das Programm "hochladen" vor. Und auch den Konjugations-Härtetest mit "Wenn du einen file uploadest" besteht der PhraseExpress mit "hochlädst" locker. "File" wird durch "Datei" ersetzt.In letzter Konsequenz, räumt Gunnar Bartels ein, entscheide sich die Nützlichkeit der Software allerdings "über die Qualität der Wortlisten". Deshalb verhandelt er zurzeit mit der Gesellschaft für deutsche Sprache über deren Anglizismen-Datei. Würde man diese umfangreiche Datensammlung in den PhraseExpress integrieren, ließen sich überflüssige Englisch-Lehnwörter so ziemlich komplett vermeiden. Was aber, wenn man bestimmte Fach-Begriffe in der "denglishen" Version nutzen will, andere aber nicht? Das lasse sich "individuell festlegen", versichert der Software-Erfinder, der sein Programm bis zum Jahresende gratis zum Runterladen unter www.phraseexpress.de anbietet. Für die private Nutzung ist es ohnehin kostenlos, kommerzielle Anwender zahlen 20 Euro für das Programm. So richtig lohnenswert wird es für Bartels und sein Unternehmen erst, wenn größere Unternehmen netzwerkfähige Versionen kaufen wollen. "Damit machen wir unser Geschäft", sagt der Jung-Unternehmer. Wie man das ankurbelt, hat er über die Jahre gelernt: Zur Markt-Einführung bis zum Jahresende hat er sein Marketing-Budget in zehn Kilo Gold-Barren investiert, die als Gewinn für praktische Anwender-Tipps auf der Homepage ausgelobt sind.