Deutschland einig Urlaubsland?

Deutschland einig Urlaubsland?

Wie viel Urlaub steht Ihnen eigentlich zu? Einer Studie zufolge wissen viele Deutsche das nicht. Dabei gibt es große Unterschiede: Frauen und Ostdeutsche haben durchschnittlich weniger Urlaubstage im Jahr.

Berlin. Auch wenn sich durch das miese Wetter vielerorts noch keine rechte Urlaubsstimmung einstellen mag - die schönsten Tage im Jahr kommen ganz bestimmt. Und wer einem Tarifvertrag unterliegt, kann sich dabei oft länger vom Arbeitsalltag erholen als Beschäftigte ohne Tarifbindung. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die gestern in Berlin veröffentlicht wurde. Allerdings kennt nur die Hälfte der Arbeitnehmer die aktuelle gesetzliche Regelung.
Wie ist der Urlaubsanspruch geregelt?

Nach dem Bundesurlaubsgesetz muss ein Betrieb seinen Mitarbeitern mindestens vier Wochen Urlaub gewähren. Bezogen auf eine Sechs-Tage-Woche - der Samstag zählt als Werktag - sind es 24 Werktage im Jahr. In der Praxis legen die Tarifverträge aber oft deutlich mehr Urlaubstage fest.

Wer hat wie viel Urlaub in Deutschland?

Immerhin 72 Prozent der Bundesbürger haben Anspruch auf 25 bis 30 Tage Urlaub im Jahr. Zehn Prozent kommen sogar auf 31 Tage und mehr. Für durchschnittlich jeden achten Beschäftigten (13 Prozent) gilt dagegen nur der gesetzliche Anspruch von vier Wochen. In Ostdeutschland ist es sogar jeder fünfte. Ursache ist die unterschiedlich stark ausgeprägte Tarifbindung in Ost und West.
Zudem sind Frauen beim Urlaubsanspruch schlechter gestellt: 19 Prozent verfügen nur über den maximalen gesetzlichen Anspruch. Das liegt vor allem daran, dass in klassischen Frauenberufen selten Tarifverträge gelten.

Wie steht es um die Tarifbindung?

Nach einer aktuellen Erhebung des wissenschaftlichen Instituts IAB der Bundesagentur für Arbeit galt 2012 nur noch für die Hälfte aller bundesweit Beschäftigten ein Branchentarifvertrag. Im Westen waren es 53 Prozent und im Osten lediglich 36 Prozent. Im Vergleich zu den 1990er Jahren hat die allgemeine Tarifbindung deutlich abgenommen. 1996 arbeiteten noch 70 Prozent der Westdeutschen und 56 Prozent der Ostdeutschen zu entsprechenden Bedingungen.

Spielt die Tarifbindung auch beim Urlaubsgeld eine Rolle?

Auch für das Urlaubsgeld hat die Tarifbindung eine große Bedeutung. Derzeit bekommen 47 Prozent aller Beschäftigten eine entsprechende Zusatz-Zahlung von ihrem Arbeitgeber. Bei den Tarif-Beschäftigten sind es nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung 59 Prozent, bei den Arbeitnehmern ohne Tarifbindung dagegen nur 35 Prozent.

Sind die Deutschen tatsächlich "Urlaubsweltmeister"?

Im internationalen Vergleich liegen die Bundesbürger beim Urlaubsanspruch zweifellos an der Spitze. Die US-Amerikaner zum Beispiel haben mit 12 Tagen nur halb so viel Urlaub im Jahr. Die Iren müssen sich mit 20 Tagen begnügen. "Urlaubsweltmeister" sind allerdings die Schweden mit durchschnittlich 33 Tagen. Und auch die Niederländer liegen mit 31 Tagen im Jahr noch vor Deutschland.

Seit wann gibt es eigentlich ein Recht auf Urlaub?

Die erste tarifvertragliche Urlaubsreglung in Deutschland datiert aus dem Jahr 1903: Damals hatte der Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter drei (!) freie Tage erstritten. In der Weimarer Republik gab es bereits 8000 Tarifverträge, in denen auch ein bezahlter Urlaub geregelt wurde. 1995 stieg schließlich der Mindest-Urlaubsanspruch bundeseinheitlich auf 24 Werktage.

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