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Die 15 Besten und ein Studienabbrecher

Trier. Die Handwerskammer Trier hat die 16 besten Gesellen aus Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Besonders überzeugen konnte Land- und Baumaschinentechniker Daniel Michels. Er belegte den dritten Platz auf Bundesebene. Im Fokus von HWK-Chef Manfred Bitter und Präsident Rudi Müller stand die immer weiter steigende Zahl an Studienabbrechern. Sebastian Klipp

Trier. Studienabbrecher, Akademisierungswahn: Bei der Abschlussfeier zum Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks nutzen sowohl Rudi Müller, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Trier und Manfred Bitter, Hauptgeschäftsführer der HWK, die Bühne, um für die Handwerksberufe zu werben. "Wir fragen uns, ob das mit dem Abitur für alle wirklich sinnvoll ist", gab Rudi Müller zu bedenken. Bitter wurde noch deutlicher: Es sei eine alte Mähr, dass man studiert haben muss, um ein gutes Gehalt und einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. "Das ist evidenter Blödsinn", polterte er. Ein Blick über die rund 50 Gäste, die im Tagungsraum der Handwerkskammer Platz genommen hatten, gab beiden recht. 15 Gesellen aus dem Kammerbezirk Trier haben es in diesem Jahr unter die besten Handwerkergesellen des Landes geschafft. Daniel Michels, Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik, konnte sogar auf Bundesebene überzeugen und belegte dort den dritten Platz. Ein weiterer Beleg dafür, dass man keineswegs studiert haben muss, um Anerkennung zu bekommen. Denn Daniel Michels (24) gehört zu den jährlich 28 Prozent der Studenten, die die Universitäten und Fachhochschulen ohne Abschluss verlassen. Den Grund dafür, sein Forstwissenschaftsstudium nach zwei Semestern abzubrechen liefert Michels auf dem Podium. "Das war mir viel zu theoretisch", sagt er. Bücher über Äste und Tannenzapfen: "Mir wurde schnell klar, dass ich meine Zeit so nicht verbringen möchte." HWK-Chef Manfred Bitter hofft nun darauf, dass möglichst viele Studenten seinem Beispiel folgen werden. Auch heute seien unter 21 Schülern einer Berufsschulklasse schon vier Studienabbrecher. Das möchte Bitter nicht negativ verstanden wissen. "Es ist ja gut, dass die die Kurve noch bekommen haben." Den prämierten Gesellen legt Bitter nun den Meisterbrief nahe. Das sei schließlich nicht das Ende einer Karriere, sagt er. "Der Brief ist erst der Startpunkt."Sebastian Brittner zählte selbst zu den besten Fliesenlegern des Landes. Das ebnete ihm den Weg in das Begabtenförderungsprogramm der Handwerkskammer - die Kosten für den Meisterbrief bekam er dadurch bezahlt. "Ich wollte einfach die maximale Qualifikation erreichen", sagt er rückblickend. Nun ist er seit dreieinhalb Jahren selbstständig und hat selbst einen Auszubildenen - einen ganz besonderen noch dazu: Brittner kümmert sich um den Sohn seines eigenen Ausbilders. Graveurin Sina Wenner plant fest, den Fußstapfen Brittners zu folgen. "Ich habe mich für die Begabtenförderung beworben", sagt sie. Beim Landeswettbewerb hatte sie die Jury mit einem Prägewerkzeug zur Herstellung einer Eulenkette überzeugt. Drei verschiedenfarbige Ketten hat sie davon bereits angefertigt. Ihr Lieblingsstück: die versilberte Messingkette mit einer grün hinterlegten Eulenabbildung. Normalerweise fertigen Graveure Gürtelschnallen für ihre Abschlussarbeiten an, sagt sie. "Ich wollte etwas machen, was vor mir keiner gemacht hat."Extra

Die Liste der Landes- und Bundessieger aus dem Kammerbezirk Trier (in Klammern die Namen der Ausbildungsbetriebe): Dritter Bundessieger: Daniel Michels, Dahlem, Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik (Hoffmann Landtechnik GmbH, Gerolstein-Roth) Erste Landessieger: Kai Kemmerlings, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Bleialf (Klaus Weinand, Bleialf); Danny Loch, Trier, Feinwerkmechaniker (Matthias Herz, Tawern); Jaqueline Lua, Sankt Thomas, Friseurin (Julia Zender, Kyllburg); Alexandra Schweyen, Heckhuscheid, Glaserin FR: Verglasung und Glasbau (Adolf Hansen, Schwirzheim); Sina Wenner, Zemmer, Graveurin SP: Reliefgraviertechnik (Stuco GmbH & Co. KG, Speicher); Martin Ugidos, Körperich, Kraftfahrzeugmechatroniker (Audi Zentrum GmbH, Trier); Florian Mittler, Mehring, Maler und Lackierer (Jürgen Mittler, Mehring); André Heinen, Lieser, Maurer (Bauunternehmung Alwin Poß, Inh. Michael Schimper e.K.), Sebastian Westphal, Spangdahlem, Mechatroniker für Kältetechnik (Lehnerts & Müller GmbH, Wittlich); Zweite Landessieger: Martin Simon, Bengel, Dachdecker (Franz-Josef Oster, Bernkastel-Kues); Nico Müller, Mandern, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger (Michael Moos, Waldweiler); Dritte Landessieger: Maren Oster, Bitburg, Bürokauffrau (Rudolf Lütticken GmbH & Co. KG, Wittlich); Karina Becher, Betteldorf, Fachverkäuferin im LHW SP: Bäckerei (Johann Utters & Sohn e.K., Dockweiler); Denise Tombers, Schutz, Fotografin (Fotostudio Nieder GmbH, Daun); Sven Radermacher, Aachen, Metallbauer FR: Konstruktionstechnik (Dekra Akademie GmbH, Gerolstein). sek