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Die Arbeitsagentur Trier muss eine Flut von Anträgen aufarbeiten

Kostenpflichtiger Inhalt: Arbeitsmarkt : Wie die Arbeitsagentur Trier die Flut von Kurzarbeiteranzeigen meistert

Der Lockdown hat die regionale Wirtschaft in vielen Bereichen lahmgelegt. Für die Firmen ist die erleichterte Beantragung von Kurzarbeitergeld eine wichtige Hilfe in dieser Krise.

Und die Agentur für Arbeit muss dieser Herausforderung gerecht werden: 5051 regionale Unternehmen haben in der Region Trier für fast 55 000 Mitarbeiter Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit angezeigt. Für den gesamten Aufgabenbereich der Trierer – dazu gehören neben der Region zudem die Agenturen Neuwied, Montabaur und Koblenz-Mayen, sind es sogar 15 847 Anzeigen mit über 180 000 Mitarbeitern. „Diese Kurzarbeiter-Daten sind von Ende April und damit sehr aktuell“, erklärt der Chef der Trierer Arbeitsagentur, Heribert Wilhelmi, dem TV. Fast 16 000 Anzeigen – wie hat sich die Agentur darauf eingestellt? Normalerweise bearbeiten 26 Mitarbeiter den Bereich Kurzarbeitergeld/Insolvenzgeld/Arbeitslosengeld. Für sie alleine gäbe es keine Chance, mit der Antragsflut zurechtzukommen. Inzwischen sind aber weitere 258 Unterstützer zu dem Team hinzugekommen. Wilhelmi: „In einer ersten Phase haben sich 106 Freiwillige gemeldet, die Aufgabe mit zu übernehmen. Sie kommen aus allen Bereichen der Agentur und inzwischen haben wir in diesem Bereich genügend Personal. Nun haben wir fast 260 Unterstützer.“

Patrick Wendt organisiert als einer von ihnen die Aufgaben im Team. „Wir haben die Kollegen auf die Arbeiten vorbereitet, es gab Schulungen und Webinare. Ich selbst habe anfangs keine Erfahrung mit dem Kurzarbeitergeld gehabt und bin nun schon sehr in der Materie drin.“ Dabei hat der Zeitfaktor geholfen. Die Schulungen liefen nach und nach, die Anzeigen der Unternehmen „tröpfelten“ zunächst langsam ein. „So konnten wir die Mitarbeiter gut vorbereiten und sie sind nun fit“, so Arbeitsagenturchef Wilhelmi. Von den rund 16 000 Anzeigen seien derzeit gut 95 Prozent bearbeitet, bei den anderen gebe es Rückfragen wegen noch ungeklärter Angaben.

Videokonferenz zur Kurzarbeiterthematik: Isabell Juchem, Caroline Schaback, Patrick Wendt und Heribert Wilhelmi (von links) geben Auskunft zum Kurzarbeitergeld. Foto: Arbeitagentur/Isabell Juchem

Viel mehr Sorgen als die Umstrukturierung in der Arbeitsagentur machte im ersten Schritt aber die Technik. Caroline Schaback, Mitarbeiterin im Bereich Kurzarbeit: „Die Umstellung der EDV war schwierig.“ Neu ist nämlich, dass die Bundesregierung die Sozialversicherungsbeiträge für die Arbeitnehmer den Arbeitgebern zahlt. „Seit wenigen Tagen haben wir nun ein Computerprogramm, das das ausrechnen kann“, so Schaback. Das hilft enorm bei der Bearbeitung. Rund 30 Prozent der regionalen Unternehmen, die Kurzarbeit angezeigt haben, haben nun auch einen Antrag für März gestellt. „Die Gelder sind größtenteils schon angewiesen“, erklärt Wilhelmi.

Die Gründe, warum bisher nur jedes dritte Unternehmen seine Forderungen eingereicht hat, können vielfältig sein. Es könne sein, dass ein Unternehmen Kurzarbeit angezeigt hat, die Mitarbeiter im März aber zunächst Urlaub oder Überstunden abgebaut haben, es könne sein, dass der März noch nicht so sehr betroffen war und nun März und April gemeinsam beantragt werden. Die Arbeitsagentur sieht sich für eine Antragsflut gerüstet. Dabei hilft auch, dass die Handlungsabläufe im Team nun optimiert sind: Die Erstbearbeitung der Arbeitgeber erfolgt über die Arbeitgeberservice-Hotline, komplexere Fragen bearbeiten die Unterstützer und wird es noch komplizierter, sind die Spezialisten gefragt. Patrick Wendt: „Das läuft hervorragend. Zudem haben wir eine Seite aufgebaut, in der jeder Kollege seine Fragen einstellen kann. Die werden von unseren Experten beantwortet und jeder kann dort nachsehen, ob sein Problem bei einem anderen schon aufgetaucht ist.“ Stellen sich Fragen an die Unternehmer, geht das Team unbürokratisch vor. „Wir versuchen schnell alles telefonisch zu klären“, sagt Caroline Schaback.

Heribert Wilhelmi verspricht, dass das Team alles tut, damit die Unternehmer schnell ihr Geld bekommen. Eine Sorge hat er aber. Kommen die nun geplanten Erweiterungen beim Kurzarbeitergeld (eine Aufstockung ab dem vierten Monat u.w./Anm. der Red.) gebe es dafür kein EDV-Programm. „Es geht mir nicht um eine Wertung der Änderung. Aber die technische Umsetzung in der Lohnbuchhaltung ohne EDV-Unterstützung wird Arbeitgebern, Steuerberatern und der Agentur für Arbeit unnötigen Verwaltungsaufwand abfordern“.