Die Armut wächst

Über die Ausdünnung der Mittelschicht und das wachsende Heer armer Kinder ist schon heftig debattiert worden. Kaum Beachtung fand dabei der demografische Aspekt. Eine Studie belegt nun: Einwandererfamilien mit Kindern sowie Alleinerziehende sind die Verlierer bei der immer ungleicheren Einkommensverteilung. Deutsche Paare mit Kindern und Rentner zählten dagegen zu den Gewinnern.

Berlin. "Die ansässige Bevölkerung in Deutschland schrumpft und die Zahl der Migranten steigt", erläutert der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel. Dies sei "überhaupt nicht im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert".Unter Miegels Leitung hat das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft Bonn (IWG) eine Studie erstellt. Nach den Daten, die auch für den jüngsten Armutsbericht der Bundesregierung maßgebend waren, nahm die Zahl der mittleren Einkommensbezieher seit 1996 um 5,5 Millionen ab. Davon seien rund zwei Millionen gestorben und weitere zwei Millionen in höhere Einkommensschichten aufgestiegen. Eine Million Menschen rutschten in ärmere Verhältnisse ab. Insgesamt stieg die Zahl der Bürger mit geringem Einkommen im selben Zeitraum jedoch um 4,1 Millionen. Hintergrund: Seit 1996 kamen rund 3,5 Millionen Einwanderer hinzu, von denen etwa drei Millionen als einkommensschwach gelten. Ähnlich dramatisch ist die Armutsentwicklung bei den Alleinerziehenden. Ihre Zahl stieg seit 1996 um etwa 900 000. Nur 100 000 von ihnen zählen zur Mittel- beziehungsweise Oberschicht. Unter dem Strich wurde die Zunahme Einkommensschwacher seit 1996 zu knapp drei Vierteln durch Migranten und zu reichlich einem Viertel durch ansässige Deutsche bewirkt. Von Letzteren sind 73 Prozent Alleinerziehende. Obwohl sie nur einen Bruchteil der Bevölkerung ausmachen, stellen sie ein Fünftel aller Einkommensschwachen. Auf der anderen Seite erklärt sich die Zunahme der Einkommensstarken weitestgehend durch zwei Bevölkerungsgruppen: Von den rund zwei Millionen, die hier seit 1996 hinzukamen, waren 52 Prozent ansässige Paare mit Kindern.Die allgemeine Annahme, dass Kinder automatisch arm machen, ist demnach falsch.

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