Die besten Gesellen aus der Region überzeugen auf Bundesebene

Ausbildung : Regionale Handwerkselite mit Option auf den Weltmeistertitel

Drei Gesellen sind im Bund auf Rang zwei unter 3000 Mitbewerbern gelangt. Eine Siegerin stellt die Handwerkskammer selbst.

Beim Praktischen Leistungswettbewerb im Handwerk hat die Region Trier so gut abgeschnitten wie lange nicht. Zwei erste, drei zweite und zwei dritte Bundessieger stellt die Region. Auch diese drei mit jeweils zweiten Plätzen im Bund gehören zur Elite ihres Gewerks:

Nach seinem Abitur vor drei Jahren als Jahrgangsdritter hätten ihn seine Lehrer lieber an der Uni beim Studium gesehen. Doch Matthias Kremer wollte ins Handwerk, zumindest mal schauen, was sein Vater fortführt, nämlich eine Familientradition seit 1756: das Dachdeckerhandwerk. Statt im trockenen und warmen Hörsaal beim Informatikstudium zu sitzen, was zunächst seine Vorstellung war, klettert der 22-Jährige nun über die Dächer Triers – und zwar freiwillig und voller Elan. Niemand habe ihn dazu gedrängt, sagt er, doch inzwischen ist er so sehr überzeugt von seiner Berufswahl, dass er auch den Familienbetrieb weiterführen will. Und: „Die ersten Mitschüler haben ihr Studium bereits abgebrochen. Die Ausbildung war für mich also die richtige Entscheidung“, sagt er.

Der junge Mann weiß, was er tut, hat seine Ausbildung wegen des Abis auf zwei Jahre und wegen guter Leistungen nochmals um ein halbes Jahr verkürzen können. „Ich kann immer oben und draußen sein. Und wenn ich durch die Trierer Innenstadt gehe, kann ich mit Stolz auf manche Dächer gucken und sagen: Das habe ich gemacht!“

Inzwischen geht er zur Meisterschule in Mayen und wird wohl bereits im Mai frisch gebackener Meister sein. Mit diesem Rüstzeug im Gepäck hat es Matthias Kremer nicht nur in seinem Job leichter. Auch der Start des zweiten Bundessiegers im Dachdeckerhandwerk im Oktober bei der Dachdecker-WM in Peking wird ihm so wohl leichter fallen. „Es ist schon ein cooles Gefühl, Deutschland bei internationalen Wettkämpfen vertreten zu dürfen“, sagt der junge Mann.

Dabei war schon der Bundeswettbewerb „eine ordentliche Nummer.“ Zeitdruck, nur drei Wochen Vorbereitungszeit und die Mehrfachbelastung durch Arbeit, Meisterschule und Wettkampf. „Ein Schieferdach mit Kehldeckung gehört schon zur Königsdisziplin. Das hat mir jedoch richtig Spaß gemacht!“ Den Druck hat er verkraftet – und auf Peking ist der Messdiener-Jugendleiter und leidenschaftliche Standard-Tänzer gespannt, sagt er doch von sich selbst: „Zu Hause auf der Couch herumsitzen kann ich nicht so gut.“

Wie sehr das Handwerk die Kreativität von Talenten fordert, fördert und dann auch belohnt, das hat Michelle Reitz aus Trier herausgefunden. Gleich zwei herausragende Preise hat die 21-Jährige dank ihrer Leistungen eingeheimst: den zweiten Bundessieg beim praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks im Glaserhandwerk sowie den ersten Platz beim Kreativwettbewerb des Handwerks auf Bundesebene bei „Die Gute Form“.

Dass Michelle Reitz kreativ ist, gern malt und bastelt, aber auch Spaß an Möbeln hat, zeigt sich schon als Kind. Doch als sie nach dem Realschulabschluss ein freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Kindergarten Trier-Heiligkreuz macht, hat das einen Grund: „Dass Handwerk das Richtige für mich ist, wusste ich schon immer. Ich musste aber erst noch herausfinden, welcher Handwerksberuf zu mir passt“, sagt die junge Frau – und landet beim Glaserberuf und im Ausbildungsbetrieb Glas Kunst Kaschenbach in Trier. „Der Glaserberuf ist einfach schön. Ich liebe Glas, es ist unglaublich vielseitig“, sagt die ehemalige Gardetänzerin der KG Trier-Süd (bis 2019).

Und so hat sie mit ihrem Gesellenstück nicht nur ihre Prüfer überzeugt, sondern auch bundesweit die Konkurrenz ausgestochen: mit einer Stehlampe mit dreiseitiger Bleiverglasung, verankert in Holz aus Nussbaumoptik mit einem Traumfänger-Motiv und einem gesandstrahlten Federornament im Glas. „In meinem Gesellenstück steckt so viel Arbeit. Insgesamt habe ich dafür sieben ganze Arbeitstage gebraucht, allein vier davon für die Bleiverglasung. Aber es hat sich gelohnt!“

Nun steht die Lampe im Wohnzimmer ihrer neuen Wohnung, die sie erst vor wenigen Wochen mit ihrem Freund in Freudenburg bezogen hat. „Aus Glas kann man so viel machen“, freut sie sich. Und so hat sie ihrer Mutter ein liebevolles Geschenk kreiert, als Dank und Anerkennung dafür, dass diese sie und ihre drei Schwestern allein groß gezogen hat: einen selbst hergestellten Spiegel mit gesandstrahltem Ausschnitt und Pummel-Einhorn-Motiv. Inzwischen arbeitet Michelle Reitz in einem Luxemburger Betrieb – mit neuen Aufgaben: „Ich möchte mich beruflich weiterentwickeln und auch anderswo die Arbeit kennenlernen.“

Auf all den handwerklichen Nachwuchs ist die Trierer Handwerkskammer stolz, mit Isabel Mayer sticht sogar ein HWK-Eigengewächs auf Bundesebene die Konkurrenz aus: Als Kauffrau für Büromanagement erringt sie den zweiten Bundessieg.

Dabei hatte die 23-Jährige nach dem Abitur noch gar keinen festen Berufswunsch. Nur klar war: „Lieber was Praktisches und eine Ausbildung machen, auf der man aufbauen kann“, formuliert die junge Frau aus Hockweiler das Ziel von damals.

 Nach mehreren Praktika in einem Büro und einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) und einem Weingut an der Saar war klar: Die Büroarbeit ist Isabels Ding. „Das hat mir bei der Berufsentscheidung sehr geholfen.“

Zur HWK kommt sie über eine Stellenausschreibung bei der Agentur für Arbeit. „Ich wusste, dass die Handwerkskammer Lehrlinge im Handwerk ausbildet. Aber dass es mehr als 100 Handwerksberufe gibt, war mir neu“, stellt die Pferdeliebhaberin fest und ist gleich begeistert: „Ein Bürojob ist gar nicht so langweilig wie viele es sich vorstellen, sondern sehr abwechslungsreich.“

Was Isabel Mayer an ihrer Arbeit schätzt sind unter anderem die vielen verschiedenen Tätigkeiten, die Möglichkeit, kreativ und selbstständig zu arbeiten, verwaltende Tätigkeiten, den Umgang mit Zahlen und die Kundenkontakte. So arbeitet sie mit bei der Organisation bei der Öko-Messe, bei Weiterbildungsseminaren oder Social Media-Aktivitäten: „Ich freue mich auf die Aufgabe, die eigene Generation durch Instagram oder Facebook für das Handwerk zu begeistern“, sagt sie.

Isabel Mayer, zweite Bundessiegerin Kauffrau für Büromanagement. Foto: HWK Trier
Matthias Kremer, zweiter Bundessieger im Dachdeckerhandwerk. Foto: Matthias Kremer

Ob Geschäftsbrief, Angebote einholen, Diagramme erstellen oder Beschwerdemanagement: „Die Aufgaben des Praktischen Leistungswettbewerbs sind mir nicht besonders schwer gefallen. Allerdings war ich schon ein bisschen nervös“, gesteht sie: „Je höher es in der Platzierung ging, umso mehr habe ich mich gefreut.“ Die Handwerkskammer hat ihren erfolgreichen Lehrling nach der Ausbildung übernommen. Heute arbeitet Isabel Mayer zur einen Hälfte in der Personalabteilung, zur anderen in der Wirtschaftsförderung.