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Die Brauerin aus Bitburg

Die Brauerin aus Bitburg

Hopfen, Malz, Hefe und Wasser: Mehr ist nicht nötig, um aus den wenigen Zutaten ein schmackhaftes Bier zu brauen. In dem Traditions-Handwerk arbeiten jedoch nur wenige Frauen. Antonia Schlemmer ist eine von ihnen und freut sich, als Auszubildende bei der Bitburger Brauerei ihre Kreativität ausleben zu können.

Bitburg. Schwül und stickig ist's im Sudhaus der Bitburger Brauerei, den heiligen Hallen des Eifeler Bierbrauunternehmens. Dort wird nach strengem Rezept Hopfen, Wasser und Malz vermischt und gekocht. Es riecht stark süßlich nach Getreide. Antonia Schlemmer steht mit grüner Arbeitshose und Stahlkappenschuhen vor einer großen Schalttafel: Damit kann sie die Prozesse im Azubi-Sudwerk selbst einstellen.

Denn die 23-Jährige ist Brauer-Lehrling bei Bitburger und fasziniert davon, wie allein aus der unterschiedlichen Zusammenstellung weniger Zutaten ein belgisches Witbier, ein Schwarzbier, ein Pils oder ein obergäriges India Pale Ale entsteht. "Ich bin sehr kreativ und probiere gern zum Beispiel Rezepte mit Früchten wie Orangenschalen aus. Hier kann ich mich austoben", sagt Antonia Schlemmer. Ein Mal im Monat setzen die sechs Brauer-azubis und drei Brauerazudenten (dual Studierende) selbst einen Biersud an. Ob beim Rezeptschreiben, Maischen, dem Kochen oder Zufügen von Hefe: Überall können die Azubis verschiedene Stellschrauben beeinflussen, um den ganzen Brauprozess in all seinen Facetten zu erfassen. "Man kann so vielseitig in verschiedenen Kombinationen arbeiten", sagt die junge Frau begeistert.Ideen für ein Weinbier


Dass sie einmal in der Getränkeindustrie arbeiten würde, stand für Antonia Schlemmer schon früh fest. Als Kind aus einem Nebenerwerbsweinbaubetrieb aus Fell (Kreis Trier-Saarburg) ist sie schon früh mit Weinkeller, Weintechnologie und Analysen in Kontakt. Doch der Wunsch, Weinküferin zu werden, scheiterte an fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten. "Es gab keinen Betrieb, der schnell genug reagierte und mich als Frau in dem harten Job ausbilden wollte. Und die Arbeit im Weinberg liegt mir nicht so sehr. So bin ich nach dem Wirtschaftsgymnasium zur Bierbranche gekommen", sagt die angehende Brauerin. Doch auch hier hat sie der Weinbau nicht ganz losgelassen. Schon bei Jugend forscht hat sie damit experimentiert, wie sich die Verwendung von Weinhefe auf den Biercharakter auswirkt. Selbst wenn sie dann ein kühles Bier zum Feierabend verkostet, schwingt auch immer ein wenig Forschung und Analyse mit: "Bei uns zu Hause wird schon vom Weinbau her viel getestet und gekostet. Das ist nun beim Bier nicht anders."

Ob Mälzerei, Sudhaus, Kesselhaus, Filterkeller, Versuchsbrauerei, Betriebskontrolle, Messtechnik oder Abfüllung: Die Arbeit verlangt von Antonia Schlemmer viel Präzision: "Am spannendsten ist die Arbeit im Sudhaus und im Labor, wenn es um die mikrobiologischen Analysen geht", sagt sie. Dafür sieht sie viel beim Entstehungsprozess des Gerstensaftes. "Viele Leute haben Einfluss auf meine Ausbildung, und viele gaben mir ihr Wissen mit auf den Weg", freut sie sich. So sei sie für den Job auch in Zukunft gut gerüstet.

Nach der Abschlussprüfung in wenigen Wochen wird Antonia Schlemmer ihren Weg fortsetzen. Neben einem Studium zur Diplombraumeisterin will sie weiter experimentieren: "Ich werde mit einer Freundin, die Winzerin ist, an einem Weinbier arbeiten", sagt die baldige Brauerin.Extra

An einer Bierprobe aus dem Keller erkennt Antonia Schlemmer, welchen Gärzustand das Bier hat. Dazu wird der Schaum abgelassen. Foto: (g_wirt )

Das Berufsbild des Brauers und Mälzers verbindet Tradition und moderne Technologie. Brauer erlernen, jeden Schritt des Brauens selbst auszuüben - von der Auswahl der Rohstoffe, deren Vorbereitung über Hygiene bis zur Vergärung und Kontrolle. Die Vergütung in der dreijährigen Ausbildung ist je nach Bundesland verschieden. Zurzeit liegt sie laut Brauerbund bei etwa 650 Euro im ersten und bei 880 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Deutschlandweit arbeiten etwa sieben Prozent Frauen in der Branche. sas