"Die Chemie stimmt"

TRIER/BITBURG. Von der Nummer drei und der Nummer 23 zur Nummer eins: Wird die von den Landräten der Kreise Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm sowie dem Trierer Oberbürgermeister angestrebte Fusion ihrer Sparkassen in Trier und Bitburg-Prüm Realität, dann entsteht in der Region das größte öffentlich-rechtliche Finanzinstitut des Landes.

"Na endlich!" Remigius Kühnen hat wie seine beiden Vorstandskollegen der Sparkasse Trier schon lange auf ein Signal zur Fusion in der regionalen Sparkassenwelt gewartet. So schwärmt etwa Triers Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Dieter Mühlenhoff seit Jahren für eine "Sparkasse der Region". Nun könnte es in wenigen Monaten so weit sein - zumindest in der abgespeckten Variante. Denn dann könnten die Kreistage von Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg sowie der Trierer Stadtrat der Banken-Fusion von Sparkasse Trier und Kreissparkasse Bitburg-Prüm zustimmen. Damit entstünde die größte Sparkasse in Rheinland-Pfalz mit einer Bilanzsumme von 4,5 Milliarden und 1350 Mitarbeitern. "Es kommt ja nicht allein auf die Größe an", sagte Triers Oberbürgermeister Helmut Schröer am Montag, es komme darauf an, dass das Institut für den Mittelstand und als Bank der Bürger funktioniere. "Wir haben gemeinsame Bedürfnisse", sagte er. Die beschreibt Trier-Saarburgs Landrat Günther Schartz damit, ein Wachstumsmotor für die gesamte Region sein zu wollen. "Wir passen gut zusammen, unsere Klientel und der Markt sind ähnlich", sagte er. "Die Chemie stimmt." Und für Bitburg-Prüms Landrat Roder Graef ist wichtig, aus "einer Position der Stärke heraus zu verhandeln". Das schlägt sich nicht zuletzt in den Zahlen der Häuser nieder, die zu den ertragreichsten der 26 öffentlich-rechtlichen Banken im Land gehören. So schrieb die Sparkasse Trier - 1995 aus der Fusion der Sparkasse des Kreises Trier-Saarburg und der der Stadt Trier hervorgegangen - 2005 ihr bestes Ergebnis seit dem Zusammengehen. Die Bilanzsumme der Nummer drei im Land stieg gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Auch die Kreissparkasse Bitburg-Prüm hat sich 2005 herausgeputzt: Die Bilanzsumme der Nummer 23 stieg um 2,1 Prozent gegenüber 2004 auf 1,14 Milliarden Euro. Relativ zur Größe erwirtschaftete sie jedoch den vierthöchsten Ertrag. Zum Vergleich: Die Sparkasse Mittelmosel-Eifel-Mosel-Hunsrück weist eine Bilanzsumme von 2,15 Milliarden Euro auf, die Sparkasse Daun, landesweit die kleinste Sparkasse, rund 760 Millionen. Nun geht es darum, Einzelheiten für eine Fusion zu klären: Neben der Beauftragung eines Gutachtens beim Sparkassen- und Giroverband Rheinland-Pfalz soll eine Verhandlungskommission gebildet werden. Die Fraktionen der Kreistage und des Stadtrates Trier wurden bereits informiert, nun geht es an die Ausgestaltung. Man wolle "partnerschaftlich" eine "konkrete Struktur" schaffen, sagte Triers OB. Und die Landräte Graef und Schartz sind optimistisch, in einem halben Jahr "die Grundzüge" festgezurrt zu haben. Laut Schartz ist an einen neuen Zweckverband gedacht, in dem der bisherige Verband von Stadt Trier und Kreis Trier-Saarburg aufgehe und der um den Kreis Bitburg-Prüm erweitert werde. Und auch bei Namen und Vorstand des künftigen Sparkassen-Riesen gibt es erste Spekulationen. Denkbar ist ein Dachmarken-Konzept, in dem beide Institute ihren Namen unter dem Zusatz "Unternehmen der Regionalsparkasse Trier" behalten. Das neue Institut könnte fünf Vorstände - zwei aus Bitburg-Prüm, drei aus Trier - haben. "Organisatorisch würden beide Banken eine Fusion gut verkraften", sagt Vorstand Remigius Kühnen aus Trier. Man sei keine Konkurrenz, sondern ergänze sich. Nur sollten die politischen Gremien bald ihre Entscheidung fällen: "Es sollte keine Unruhe entstehen." Denkbar, dass die Fusion nur ein erster Schritt zu einem noch größeren Institut ist. Laut Schartz und Graef jedenfalls sind "die Türen weiter offen für Kontakte".