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Die Firma Natus setzt weltweit ihre Schaltanlangen ab

Macher, Menschen, Märkte : Schaltschränke für die Wirtschaft in aller Welt

Vor wenigen Wochen der Preis zum „Attraktiven Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz“, in einigen Tagen das Jubiläum „Jugend forscht“. Der Firma Natus ist der Start ins neue Jahrzehnt gelungen. Und auch wirtschaftlich läuft es, trotz der schwierigen weltwirtschaftlichen Lage.

 Frank Natus, Geschäftsführender Gesellschafter der Natus GmbH & Co. KG, führt seine Gäste aus aller Welt gerne in den Showroom des Trierer Unternehmens: Dort stehen sie alle – die Mittel- und Niederspannungs-­Schaltanlagen, die ­Schwerpunktstationen oder Automatisierungsschränke. In den roten, blauen oder chromfarbenen Schränken versteckt sich die Technik, die Natus-Anlagen für viele Kunden so interessant macht. Was in einem normalen Haushalt der Sicherungskasten ist, sind für Industrieanlagen die Schaltanlagen der Trierer Natus Industrial Solution Systems.

Und dennoch ist der Unterschied gigantisch. Eine gewöhnliche Natus-Schaltanlage misst etwa einen Meter in der Breite und je zwei Meter in Höhe und Tiefe. Schon das übertrifft einen haushaltsüblichen Schaltkasten ums Vielfache. Auch die Technik zur Steuerung solcher Schaltanlagen ist weitaus komplizierter. Doch damit nicht genug: Um beispielsweise ein Kraftwerk zu steuern, braucht ein Energieversorger bis zu 2000 solcher Schaltschränke, die zusammengeschaltet werden.

Dahinter steckt die Erfahrung aus über 60 Jahren. Der Großvater von Frank Natus gründete 1956 in Pallien ein Ingenieurbüro und legte damit die Wurzeln für das heutige Unternehmen. In den folgenden Jahrzehnten wächst das Unternehmen unter Führung von dessen Sohn Wolfgang Natus kontinuierlich weiter. In den Siebzigerjahren entwickelt Natus erstmals eigene Nieder- und Mittelspannungs-­Schaltanlagen in Einschubtechnologie, ein technologischer Meilenstein, der die Grundlage für die erfolgreiche Entwicklung der Firma in den folgenden Jahrzehnten legt. Die Automatisierung schreitet auch weiter voran, und 1993 kauft die Firma das Werk in der Loebstraße/Auer-von-Welsbach-Straße in Trier-Nord. An diesem Standort entwickelt sich der Schaltanlagenbauer zur jetzigen Größe, der letzte Ausbau erfolgte 2019 mit dem Neubau einer 3000 Quadratmeter großen Fertigungshalle. Die räumliche Expansion folgt dem wirtschaftlichen Erfolg. Die Technik aus Trier ist in aller Welt gefragt.

540 Mitarbeiter, plus 60 Leiharbeiter, beschäftigt das Familienunternehmen heute in Trier. International sind dabei nicht nur die Kunden des Trierer Unternehmens. Auf seine „hochqualifizierten Beschäftigten“ ist Firmenchef Natus stolz: „Bei Natus wird Internationalität und Globalität gelebt. Wir sind sehr stolz darauf, dass bei uns Kolleginnen und Kollegen aus 29 Nationen beschäftigt sind, eine bunte Vielfalt. Denn das heißt nämlich: 29 Sprachen, 29 Kulturen, gemeinsam in einem Unternehmen, Menschen, die miteinander den Arbeitsalltag leben, sich austauschen, Feste miteinander feiern und durch diesen gelebten Alltag immer mehr zusammenwachsen, sich kennenlernen und Verständnis füreinander bekommen.“ Großen Wert legt Frank Natus dabei auf die Ausbildung der Fachkräfte. In acht Ausbildungszweigen werden derzeit rund 50 Lehrlinge ausgebildet. In Zeiten, in denen viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu finden, zahlt sich das langjährige Engagement aus. „Junge Menschen, die bei uns eine ordentliche Ausbildung ablegen, haben sichere Übernahmechancen“, sagt Natus. Vor wenigen Wochen erst ist die Firma auch deshalb mit dem rheinland-pfälzischen Preis „Attraktiver Arbeitgeber 2019“ ausgezeichnet worden.

Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt lobte: „Die Trierer Natus GmbH & Co. KG schreibt soziale Verantwortung groß: In Kooperation mit der Lebenshilfe-Werke Trier  ist in der Fertigungshalle eine Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen integriert. Darüber hinaus ist Natus Patenunternehmen von Jugend forscht, Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb.“ Treue wird bei Natus übrigens, in guter alter Tradition, belohnt. Für 10 Jahre Firmenzugehörigkeit gibt es die Natus-Uhr in Stahl, für 25 die Natus-Uhr in Gold und bei 40 einen Sonderpreis. Natus: „Die Verbundenheit ist groß. Wir haben kaum Fluktuation.“ Dazu tragen sicher auch Aktionen wie der Firmenlauf bei, das Drachenbootrennen auf der Mosel oder Betriebs- und Sommerfeste.

Frank Natus freut sich über die Auszeichnung. Das Unternehmen hat starke soziale und wirtschaftliche Wurzeln, wie die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe, die Unterstützung für Eintracht Trier, der Caritas oder auch das Engagement beim Moselmusikfestival zeigen. Das führt dann auch schon dazu, dass sich die Kultur in die Werkhallen begibt, wie 2018 mit dem Konzert „Jenny und Karl – eine musikalische Liebesgeschichte“.

In der Vereinigung Trierer Unternehmer ist Frank Natus seit 2011 Vorsitzender und setzt sich vehement für die Belange der regionalen Wirtschaft ein. Überbordende Bürokratie, der langsame Fortschritt der Digitalisierung, der schleppende Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sind Mängel, die den wirtschaftlichen Erfolg der regionalen Firmen und des Schaltanlagenbauers erschweren, findet der Firmenchef.

Die Schaltanlagen von Natus gehen in die ganze Welt. Wichtigster Absatzmarkt sind die Länder in der EU. „Rund die Hälfte unserer Produkte gehen aber auch in den Export“, erklärt der Unternehmer. Lediglich in den USA und Kanada ist das Unternehmen nicht aktiv. „Das hat ausschließlich technische Gründe, denn dort gelten andere Standards.“ Mit großem Interesse verfolgt das Unternehmen nun die Entwicklung im Mittleren Osten. „In Dubai findet in diesem Jahr die Expo 2020 statt. Das ist für uns ein sehr interessanter Markt“, erklärt er.

In unmittelbarer Nähe findet dort 2022 ein weiteres Großereignis statt – die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. „Momentan ist es auf Grund der politischen Situation sehr schwer, dort Geschäfte zu machen“, erklärt Natus. Katar ist seit 2017 von vielen seiner Nachbarn isoliert. Für den Firmenchef stehen dabei wieder sicher viele Reisen in die Region an. „Um in Dubai den richtigen Geschäftspartner zu finden, bin ich anfangs sicher zehn Mal im Jahr dorthin geflogen. Jetzt läuft es sehr gut.“ Natus ist in Sachen Schaltanlagen ein Weltreisender: Mexiko, Chile, Algerien, Ägypten gehören zu den Märkten. In China, in Changzhou, in der Provinz Jiangsu, bauen rund 250 Mitarbeiter Natus-Anlagen. Die Trierer Firma ist seit 2003, ein Jahr nachdem Frank Natus die Firmenleitung übernommen hat, in China aktiv.

Mit etwas Sorge blickt der Unternehmer deshalb auch auf die weltweite Wirtschaftslage. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, der Brexit oder auch der jüngste Ausbruch des Coronavirus – alles Entwicklungen, die der Weltwirtschaft die Luft nehmen können. Machen sich diese Krisen auch beim Trierer Unternehmen bemerkbar? „Ein Handelsstreit ist immer schlecht für die Wirtschaft. Und was schlecht für die Wirtschaft ist, ist auch schlecht für die Menschen. Zum Beispiel: Ein Auftrag benötigt manchmal zwei bis drei Jahre bis zur Abwicklung. Durch den Brexit und die lange Unsicherheit im Vorfeld haben wir, wie viele andere Unternehmen, derzeit keine Aufträge aus Großbritannien angenommen.“

Doch das wirft den Schaltanlagenbauer nicht aus der Bahn. „Wir sind in vielen Ländern und in vielen Branchen unterwegs“, erklärt Natus. Rund 20 Industriezweige beliefert Natus mit seinen Schaltanlagen. Diese werden etwa in Kraftwerken, bei Stadtwerken, in der Automobilindustrie, in der Chemie- und Petrochemie, in der Öl- und Gasindustrie, in der Papierindustrie, in der ­Abfallentsorgung, der Stahl- und Metallindustrie, im Bergbau, der Wasserwirtschaft oder in der Zementindustrie benötigt.

Diversifikation als Absicherung vor Krisen gilt bei Natus aber auch bei den Absatzmärkten. „Wir wollen uns in den kommenden Jahren speziell um die Schweiz und Skandinavien bemühen, um uns dort weiter im Markt zu festigen“, verrät Frank Natus. Die Konkurrenz hat durchaus etablierte Namen.

Natus steht mit Siemens und ABB im Wettbewerb. „Als mittelständisches Familienunternehmen sind wir schnell, innovativ und betreuen unsere Kunden sehr flexibel auch über die Lieferung und Installation hinaus.“ Vorteile eines Mittelständlers, wie der Trierer Unternehmer findet.

 Macher Menschen Märkte
Macher Menschen Märkte Foto: TV/Schramm, Johannes

Forschergeist und Innovationsfreude sind Frank Natus auf allen Gebieten wichtig: „Seit 2010 richten wir den Regionalwettbewerb ,Jugend forscht’ aus. Das ist mit großem zeitlichen und organisatorischen Aufwand verbunden, macht uns aber viel Spaß. Seit der Übernahme der Patenschaft im Jahre 2010 haben wir mehr als 1.000 Nachwuchswissenschaftler, mit fast 500 Projekten, an unserem Wettbewerb begrüßen können.“ Die diesjährige Auflage ist am Freitag, 14. Februar, an der Hochschule in Trier.