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Die Grundidee ist der Gläubigerschutz

Die Grundidee ist der Gläubigerschutz

Zweimal im Jahr wird es in der Region ganz spannend. Dann stellt die Trierer Wirtschaftsauskunftei Creditreform ihre Insolvenzuntersuchung vor. Wie viele Firmen mussten Pleite anmelden, wie viele private Personen haben sich überschuldet? Die Idee geht auf das Jahr 1879 zurück.

Mainz/Trier. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform feiert in diesem Jahr ihren 135. Geburtstag und hat anlässlich dieses Ereignisses auch kräftig in den Archiven gestöbert, um herauszufinden, wie viele Unternehmen denn ähnlich alt oder jünger sind.
In der Region Trier gibt es immerhin 147 Firmen, die eine noch längere Tradition aufweisen können (siehe Grafik), doch das sind gerade einmal 0,55 Prozent der etwa 26 000 Unternehmen in der Region.
Die Idee, die vor 135 Jahren für die Gründung Pate stand, ist auch noch heute aktuell: Mit Informationen will man Gläubiger davor schützen, dass ihre Forderungen ausfallen, weil ein Geschäftspartner pleitegeht. Im Jahre 1879 entstand in Mainz als Vereinigung von Kaufleuten die erste Auskunftei auf deutschem Boden.
Rasches Wachstum


In der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts weitete sich die Organisation "zum Schutze gegen schädliches Kreditgeben" rasch in Deutschland sowie weltweit aus.
Der Schutz des Gläubigers durch die Erteilung von Wirtschaftsauskünften und den Forderungseinzug (Inkasso) ist bis heute die wichtigste Aufgabe von Creditreform geblieben.
1883, also vor 131 Jahren, nahm Creditreform in Trier seine Arbeit auf. Mit dabei waren damals unter anderem Mitglieder wie Rautenstrauch, Rendenbach, v. Hövel, Lortz, Milz oder Haack - alles bis heute bekannte Namen.
Grundgedanke ist der Gläubigerschutz. Offene Forderungen und eine Zahlungsmoral, die zu wünschen übrig lässt - hier setzt Creditreform mit Hilfe von Wirtschaftsauskünften und Inkasso-Verfahren an.
Auskunfteien recherchieren in der Regel für ihr Datenmaterial etwa in Veröffentlichungen im Bundesanzeiger und anderen Publikationen über Insolvenzen, Vergleiche, Betriebsgründungen sowie öffentlichen Registern wie Handels- oder Vereinsregister.
Wichtige Informationen sind aber vor allem auch die Informationen und Gespräche mit den Mitgliedern. Zusätzlich erfolgt mitunter eine Befragung von Betroffenen und Geschäftspartnern.
Zahlreiche Angebote


Seit 1993 ist Rechtsanwalt Herbert Eberhard Geschäftsführer von Creditreform Trier. Er und sein Team beraten viele regionale Unternehmen. Der Trierer Creditreform-Chef: "Wenn die Rechnungseingänge ausbleiben, geraten Firmen in finanzielle Schieflage bis hin zur Insolvenz. Also muss Hilfe für die mittelständischen Unternehmen her, lange bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist."
Die Bandbreite der Dienstleistungen ist groß: Zielgruppenanalyse, bonitätsgeprüfte Mailingaktionen, Ratingprodukte für den Mittelstand und Optimierung von Prozessen des Risikomanagements.
Zu ihren Aufgaben zählt Creditreform aber auch die Insolvenzauswertungen für Deutschland im Allgemeinen und im Speziellen für die Region. In Trier beschäftigt Creditreform rund 20 Mitarbeiter.Extra

Wirtschaftsauskunfteien wie die Creditreform sind Unternehmen, die für ihre Partner wirtschaftlich relevante Daten über Unternehmen und Privatpersonen sammeln und zur Bonitätsprüfung weitergeben. Der Gedanke, der dahintersteht, ist der Gläubigerschutz. Ein Unternehmen ist Mitglied eines regionalen, lokalen Vereins Creditreform. Die Aufgaben und Geschäfte dieses Vereins werden dann auf eine Kommanditgesellschaft übertragen, im Prinzip hat sich daran fast seit 135 Jahren nichts, geändert. Die 130 regionalen Vereine Creditreform haben über 120 000 Mitglieder (Unternehmen) und sind unter dem Dach des "Verbandes der Vereine Creditreform e. V." mit Sitz in Neuss zusammengeschlossen. Außerdem hat Creditreform europaweit fast 180 Geschäftsstellen. Landesgesellschaften bestehen in 21 Ländern, viele in Osteuropa aber auch in Italien und Großbritannien und unter anderem auch in Luxemburg. Andere bekannte Wirtschaftsauskunfteien sind etwa die Schufa Holding AG oder Bürgel Wirtschaftsinformationen. hwExtra

Die ältesten Unternehmen in der Region bieten eine imposante Liste mit bekannten Firmen: 1241: Löwenapotheke (Trier); 1530: Kelterhaus Brösch (Osann-Monzel); 1620: Eifeler Glockengießerei (Brockscheid); 1663: Hirschapotheke (Traben-Trarbach); 1764: Konrad Kremer Bedachungen (Trier); 1797: Zur Blauen Hand (Trier); 1804: Fleischerei Adams (Trier); 1811: Weingut Karthäuserhof (Trier); 1817: Bitburger Brauerei; 1830: Lambert & Söhne (Trier); 1843: Ökumenisches Verbundkrankenhaus (Trier); 1850: Simon Fleisch GmbH (Wittlich); 1855: Heinrich Lütticken GmbH (Wittlich); 1860: Leyendecker Holzland (Trier); 1864: Dr. Niko Mohr Buchbinderei (Trier); 1871: Mallmann Internationale Möbeltransporte (Trier); 1871: Johann Rendenbach Jr. (Trier); 1875: Trierischer Volksfreund; 1875: Weisgerber Heizung-Sanitär (Trier); 1883: Creditreform Trier Eberhard KG (Trier); 1883: Binsfeld Werkstätten für Glasgestaltung (Trier); 1894: Hochstetter & Lange GmbH & Co. KG (Trier); 1900: Trierer Walzwerk. hw