Die Kasse stimmt, die Laune nicht

Angesichts steigender Milchpreise herrscht Optimismus bei den Mitgliedern der Milchwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft. Gleichwohl machten die Verbands- und Genossenschaftsvertreter in Trier ihrem Unmut über eine ihrer Ansicht nach fortschreitende Bürokratisierung Luft.

 Optimismus hier, Enttäuschung da: Landwirtschaftsminister Hendrik Hering (links) und sein Kontrahent, Bauernverbandsvize Norbert Schindler (Zweiter von rechts). TV-Foto: Kim-Björn Becker

Optimismus hier, Enttäuschung da: Landwirtschaftsminister Hendrik Hering (links) und sein Kontrahent, Bauernverbandsvize Norbert Schindler (Zweiter von rechts). TV-Foto: Kim-Björn Becker

Trier. Die deutsche Milchwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Zwar verschaffte der durch weltweite Nachfrage steigende Milchpreis so manchem Landwirt eine willkommene Erleichterung seiner Wirtschafts-Bedingungen.Doch die Sorge um fehlenden Nachwuchs und das neue Regelwerk der EU Agrarreform setzen die Milchbauern unter Druck. Deutlich wurde dies bei der Jahrestagung der Milchwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz (Milag) im Ramada-Hotel Trier, der neun Verbände und Genossenschaften als Mitglieder angehören. Wenngleich Milag-Vorsitzender Karl-Otto Engel in seiner Begrüßungsrede recht milde Worte fand und eine "sich verändernde Situation der Milchwirtschaft" konstatierte, zeigten sich andere Redner durchaus angriffslustiger und nicht selten hemdsärmelig: Klaus Fontaine, Präsident des Bauernverbands Saar, forderte von den politischen Vertretern - freilich auch adressiert an den anwesenden rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) - ein "verantwortungsvolles Handeln, ohne Vorschriften zu machen". Diese Vorschriften haben ihren Ursprung auch in Brüssel: Die 2003 beschlossene Agrarreform sorgt in so manchem Detail für Verärgerung - für Fontaine "der Gipfel, was man Landwirten zumuten kann". In diese Kerbe schlägt auch Norbert Schindler (CDU), Vizepräsident des deutschen Bauernverbands. Das Bundestagsmitglied äußerte Enttäuschung gegenüber den politisch Verantwortlichen: "Ich persönlich habe die Schnauze gestrichten voll von bürokratischen Lasten, die wir von den Gutmenschen der Republik aufgebürdet bekommen", schimpfte er wenig diplomatisch. Wirtschaftsminister Hering analysierte die Situation der Milchwirtschaft ungleich leidenschaftsloser und lobte den gestiegenen Milchpreis als "gute und richtige Tendenz". Die Aufgabe der Landespolitik bestehe darin, die Betriebe zu begleiten und zu unterstützen, erklärte Hering und sagte der Branche unter großem Beifall der rund 250 Verbandsvertreter zusätzliche staatliche Finanzmittel in Höhe von 150 000 Euro zu.Gleichzeitig äußerte er Verständnis für die teils angespannte Situation der Bauern, die durch die Agrarreform ab diesem Jahr mit rund 14 Millionen Euro weniger Fördermitteln auskommen müssen. "Die EU verfolgt konsequent den Ausstieg aus Markt-, Preis- und Mengenregulierungen", sagte Hering im Hinblick auf die aktuelle Reformperiode, die in sieben Jahren endet. "Bis dahin müssen wir gute Voraussetzungen geschaffen haben, um auch nach 2013 am Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein", betonte der Minister.In einem fachlichen Teil stellte Helmut Stuck vom Landesverband westdeutscher Molkereifachleute die schwierige Situation auf dem Ausbildungsmarkt dar und erläuterte die Umgestaltung der Berufsausbildung vom "Molkereifachmann" zum "Milchtechnologen". Werner Dahmen vom rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerium stellte die wirtschaftliche Lage der Branche in Zahlen dar, Kollege Johannes Noll referierte über Verbesserungspotenziale in der Milchviehhaltung.

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