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Die Korken knallen

Spürbare Belebung: Der Sekthersteller Schloss Wachenheim, zu dem auch die Marke Faber gehört, hat ein erfolgreiches Jahr abgeschlossen. Auch für den Stanort Trier gibt es positive Aussichten.Foto: dpa
Spürbare Belebung: Der Sekthersteller Schloss Wachenheim, zu dem auch die Marke Faber gehört, hat ein erfolgreiches Jahr abgeschlossen. Auch für den Stanort Trier gibt es positive Aussichten.Foto: dpa FOTO: Werner Baum (dpa)
TRIER. Auch der weltgrößte Sekt- und Schaumweinproduzent Schloss Wachenheim mit Standort in Trier wird zum Jahresende die Korken knallen lassen. Denn das Sekthaus hat nicht nur das erfolgreichste Geschäftsjahr seiner 118-jährigen Geschichte abgeschlossen. Nach Jahren der Krise ist auch in Deutschland wieder eine Belebung spürbar. ARRAY(0xce27b48)

Wenn zu Silvester die Menschen aufs neue Jahr anstoßen, ist in den meisten Fällen auch ein Glas Sekt mit dabei. Und dies kommt immer häufiger aus deutschen Kellereien. Nicht nur, dass der deutsche Sektmarkt der größte nationale Markt für Schaumwein der Welt, deutsche Sekte konnten ihren Anteil um fünf auf nunmehr 80 Prozent steigern. Davon profitiert auch der weltgrößte Sekt- und Schaumweinhersteller und Deutschlands Nummer drei Schloss Wachenheim mit der Konzernzentrale in Trier. Nach langen Jahren der Krise sieht der Vorstandsvorsitzende Nick Reh trotz eines immer noch leichten Absatzminus im Inland von drei Prozent "eine gewisse Belebung. Obwohl es teilweise Preiserhöhungen gab, ist der Konjunkturaufschwung spürbar", sagt er. Eine Wende für deutsche Sekte also in allen Preissegmenten. "Das ist zwar noch kein Trend, aber die Perspektive hat sich deutlich verbessert." Gerade am Ende eines Jahres, im Dezember, werden rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Bei den deutschen Produktionsstätten von Schloss Wachenheim macht das in diesem Monat etwa eine Million Flaschen pro Tag aus. "Es sieht derzeit gut aus. Wir werden mindestens das Vorjahresniveau erreichen, vielleicht auch eine Million Flaschen mehr verkaufen können", sagt Nick Reh. Diese Entwicklung schließt sich dem Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres 2005/2006 an, in dem Schloss Wachenheim die besten Zahlen in der 118-jährigen Geschichte der Aktiengesellschaft erzielt hat. Nachdem der Konzern die Kosten gesenkt und das Sortiment bereinigt sowie die mittelosteuropäische Tochter Ambra an die Börse in Polen gebracht hat, wurde der Absatz um über sieben Prozent auf fast 250 Millionen Flaschen gesteigert. Der Konzernjahresüberschuss konnte um 84 Prozent auf 13,8 (Vorjahr 7,5) Millionen Euro gesteigert werden und weist damit einen neuen Rekordwert auf. Insgesamt stiegen die Netto-Umsatzerlöse um 2,3 Prozent von rund 254 auf 259,7 Millionen Euro. "Das Umsatzwachstum kommt ausschließlich aus Mittel- und Osteuropa", sagt Reh. Der Sekt-Konzern setzt deshalb weiter auf Wachstum im Osten und den Export außerhalb seiner Produktionsstätten in Deutschland, Frankreich und Polen. Immerhin beliefert Schloss Wachenheim darüberhinaus etwa 20 Länder mit mehr als 100 000 Flaschen Schaumwein. "Der entscheidende Punkt für uns ist die konsequente Internationalisierung. Da gibt es Chancen, auch wenn wir die zunächst nur mit Fremdkapital umsetzen konnten", sagt Nick Reh. In diesem Jahr fahre man daher die Ernte der Bemühungen ein. Durch Wechselkurseffekte in Polen, Tschechien und Rumänien und durch Aktien-Verkäufe an der Warschauer Börse habe man mehr Eigenkapital beschaffen und die Fremdfinanzierung reduzieren können. So ist Schloss Wachenheim in Frankreich die größte Kellereigruppe, in Polen hält der Konzern einen Marktanteil von über 50 Prozent. Weitere Zukäufe in Mittel- und Osteuropa

Reh, der mit seiner Familie zu 70,2 Prozent Hauptaktionär von Schloss Wachenheim ist, rechnet auch weiterhin mit steigenden Gewinnen und einer Umsatzrendite von fünf Prozent und damit einer robusten Marktstellung. Im kommenden Jahr setzt Schloss Wachenheim, trotz einer prognostizierten Kostensteigerung für Flaschen, Kartonagen und Kork im zweistelligen Prozentbereich sowie höheren Weinpreisen angesichts der kleinen Traubenernte in diesem Jahr, auf weitere Zukäufe in Mittel- und Osteuropa, Investitionen im Inland und den Ausbau alkoholfreier Sekte und Weine vor allem für den deutschen Markt. Denn letztere haben Wachstumsraten teilweise von Monat zu Monat um 30 Prozent. Hier will Nick Reh die Produktion ausbauen und den Standort Trier ausweiten. Das könnte Investitionen und neue Lagerhallen im Wert von rund fünf Millionen Euro bedeuten, sagt er: "Wir sind hier sehr zufrieden. Für den Standort gibt es nur positive Aussichten." Und wenn das Unternehmen nachhaltig investiere, "dann vorzugsweise in Trier".