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Ausbildung
Die Lage spitzt sich zu

Stellen die Ausbildungsmarktbilanz vor (von links): Carl-Ludwig Centner, Axel Bettendorf (beide HWK), Ulrich Schneider (IHK), Heribert Wilhelmi und Stefanie Adam (beide Arbeitsagentur Trier).
Stellen die Ausbildungsmarktbilanz vor (von links): Carl-Ludwig Centner, Axel Bettendorf (beide HWK), Ulrich Schneider (IHK), Heribert Wilhelmi und Stefanie Adam (beide Arbeitsagentur Trier).
Trier. Am regionalen Ausbildungsmarkt kämpfen Tausende Unternehmen um guten Nachwuchs. Doch längst nicht alle Lehrstellen können besetzt werden. Genau 664 Ausbildungsstellen sind frei, fast 100 mehr als im Jahr zuvor. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

In Sachen Ausbildung sitzen in der Region Trier alle Verantwortlichen in einem Boot. Das zeigte sich ein Mal mehr bei der Vorstellung der Ausbildungsbilanz durch die Arbeitsagentur Trier. Flankiert wurden Amtschef Heribert Wilhelmi und seine Kollegin Stefanie Adam vom Hautgeschäftsführer der Handwerkskammer Axel Bettendorf und HWK-Geschäftsführer Carl-Ludwig Centner sowie von IHK-Geschäftsführer Ulrich Schneider. Die Botschaft der Runde ist klar: „Die regionale Wirtschaft sucht händeringend nach geeignetem Nachwuchs, denn junge Menschen im eigenen Unternehmen auszubilden, ist einer der wichtigsten Bausteine zur Sicherung des wachsenden Fachkräftebedarfs,“ erklärt der Chef der Arbeitsagentur Heribert Wilhelmi. Dass sich die Unternehmen schwer damit tun, zeigen die vorgelegten Zahlen. Knapp 4200 Stellen waren im Ausbildungsjahr (Oktober 2017 bis September 2018) der Agentur gemeldet, dem standen 3140 Bewerber gegenüber. Im Vorjahr war das Verhältnis 4066 zu 3335. Dennoch können knapp 700 Lehrstellen nicht besetzt werden. Warum? Laut Wilhelmi kann in dem nach der Fläche größten Arbeitsamtsbereich in Westdeutschland nicht jede Lehrstelle besetzt werden, weil mögliche Azubis nicht zum Arbeitsplatz kommen. „Die Verkehrsanbindung ist zu schlecht.“ Zudem erfüllen manche Bewerber auch nicht die Vorstellungen und Ansprüche der Betriebe. Und genau hier setzen Arbeitsagentur und die beiden Wirtschaftskammern mit ihren Maßnahmen an. 137 junge Menschen werden mit einer betrieblichen Einstiegsqualifikation gefördert, 58 davon sind Flüchtlinge. 72 Bewerber nehmen an der assistierten Ausbildung teil, bei der Kleinstbetriebe unterstützt werden, und 756 – 100 mehr als im Vorjahr –  bekommen ausbildungsbegleitende Hilfen.

Gerade geflüchtete junge Menschen helfen, den Ausbildungsmarkt zu entspannen, sagt Wilhelmi: „Die Vermittlung ist für uns inzwischen Standard. Die Menschen, die 2015 zu uns gekommen sind und hier in der Schule waren, brauchen hier und da ganz normale Hilfe.“

Vor allem sind sie in der regionalen Wirtschaft angekommen. „Im Handwerk zählt nicht wo du herkommst, sondern, wo du hinwillst“, erklärt HWK-Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf. Im zweiten Jahr infolge steigt im Handwerk die Zahl der Azubis (1253, plus 1,3 Prozent, sieben Prozent Flüchtlinge) und dennoch wäre viel mehr möglich. „410 Lehrstellen können wir nicht besetzen“, so der HWK-Chef. Dennoch glaubt man im Handwerk an die Trendwende. Carl-Ludwig Centner: „Die Duale Ausbildung ist sehr attraktiv.“ Leider seien die steigenden Zahlen ungleich verteilt, bei den Tischlern, Zimmerern und Fliesen- und Plattenlegern laufe es gut, bei den Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandel (Fleischerei, minus 35 Prozent) und den KFZ-Mechatronikern (-12 Prozent) klemmt es.

Weiter stabil sind die Ausbildungszahlen im Bereich der Industrie- und Handelskammer (1889). „Dennoch konnten 39 Prozent der Betriebe nicht alle ihre Ausbildungsplätze besetzen. Daher ist unser Engagement im Bereich der Berufsorientierung für eine Trendumkehr so wichtig,“ betont Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung bei der IHK Trier.

Für ihn ist deshalb besonders wichtig, Eltern und Schülern die Gleichwertigkeit von akademischer Ausbildung und Dualem System klarzumachen.