Konjunkturumfrage in der Region: Die Luft wird dünner

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Seit fast zehn Jahren boomt die Wirtschaft in der Region Trier. Doch nun wachsen die Unsicherheiten und Risiken.

Die Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn steckt traditionell bundesweit für die Unternehmen und ihre Verbände den Rahmen ab, in welchem Fahrwasser sich die Betriebe aktuell und in den kommenden Monaten bewegen (siehe Info).

In der Region Trier haben sich bei der jüngsten Abfrage durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier 173 Betriebe mit mehr als 20 000 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistung beteiligt (insgesamt knapp 100 000 Beschäftigte) und damit einen guten Überblick über die aktuelle Lage und die künftigen Erwartungen abgegeben.

„Die Konjunktur läuft weiter auf hohen Touren. Aber es gibt erste Eintrübungen, die Luft wird – gerade im internationalen Feld – dünner“, bilanziert Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der IHK Trier. Aber die Wirtschaft in der Region Trier bleibe weiterhin auf hohem Niveau. So sackte zwar der Konjunkturklimaindikator zu Jahresbeginn von 138 Punkten im Frühjahr 2018 auf nun 125 zu Jahresbeginn: „Das ist aber immer noch ein toller Wert, zumal er weit über dem neutralen Wert von 100 liegt“, sagt Glockauer. Im Vergleich der einzelnen IHK-Branchen Industrie, Dienstleistung und Handel sieht die Lage dagegen unterschiedlich aus. „Während der Handel durch die gute Nachfrage im Inland weiter getrieben ist und auch die Dienstleistungen auf hohem Niveau geblieben sind, ist die Industrie abgesackt“, sagt Matthias Schmitt, Chefvolkswirt der Trierer Kammer. Dies deute darauf hin, das das weltwirtschaftliche Fahrwasser rauer wird und vor allem das verarbeitende Gewerbe in der Region treffe. „Denn hier liegt der Exportanteil am höchsten“, erklärt der Experte. Insgesamt liegt der Exportanteil in der Region Trier bei 28,9 Prozent, während der Anteil landesweit bei 53,3 Prozent liegt.

 „Folglich sind Brexit und Handelskonflikte mit Russland, China oder den USA zwar Themen, und einige Unternehmen sind auch davon betroffen, aber diese Risiken werden nicht auf breiter Front von der Mehrheit der Betriebe diskutiert“, sagt Geschäftsführer Jan Glockauer.

Wichtig sei jedoch, dass der Funke der Unsicherheit nicht zu einem „psychischen Moment für alle“ werde und damit die gesamte Wirtschaft mitziehe.

Auch bei der aktuellen Geschäftslage in der Region Trier „ist alles im grünen Bereich“, beruhigt Chefvolkswirt Schmitt. Meist sehe die aktuelle Geschäftslage auch weitaus besser aus als die Einschätzung der Betriebe für die kommenden zwölf Monate. Mehr als 90 Prozent der Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung bezeichneten diese als gut und befriedigend, nur acht Prozent als schlecht. Und bei den Geschäftserwartungen sieht es gerade bei Handel und Dienstleistungen weiter gut aus. „Lediglich die Industrie erwartet für 2019 keine großen Sprünge mehr“, sagt der Konjunktur-Experte.

Allerdings sei dies kein Grund zur Sorge: „Insgesamt ist die Kapazitätsauslastung in der Industrie groß. Das Geschäft läuft aktuell auf Hochtouren“, sagt Matthias Schmitt. So sei „das Auftragspolster dick. Die Betriebe haben ausreichend zu tun.“

So bestehe in der Investitionsgüterindustrie ein Vorlauf von bis zu fünf Monaten, in der Konsum- und Lebensmittelindustrie von zwei Monaten. Während die Aufträge aus dem Ausland zuletzt zurückgegangen seien, hätten diejenigen aus dem Inland sogar noch zugelegt.

Für das Jahr 2019 geht die Industrie- und Handelskammer Trier von einer Fortsetzung des Aufschwungs aus, allerdings mit vermindertem Wachstumstempo. „Denn einerseits lässt der Dampf aufgrund verminderter Exporte nach, andererseits ist der Arbeitsmarkt leergefegt, was Wachstum ebenfalls hemmt“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

Kein Wunder, sehen doch zwei von drei Betrieben den Fachkräftemangel als ihr Konjunkturrisiko Nummer eins, danach folgen Arbeitskosten und steuerliche Belastungen sowie Bürokratie. „Zwar wollen immer noch mehr Betriebe neue Mitarbeiter einstellen als Mitarbeiter abbauen, allerdings ist letzteres dadurch bedingt, dass auch weniger Arbeitskräfte verfügbar sind“, sagt Matthias Schmitt. „Gesucht wird in allen Branchen“, sagt IHK-Chef Glockauer.

Angesichts von 5500 fehlenden Fachkräften werde es umso wichtiger, die duale Ausbildung zu fördern. Denn während zehn Prozent der Betriebe nach Fachkräften wie etwa Ingenieuren suchen, benötigen mehr als 60 der Unternehmen Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

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