Die Milch-Union macht künftig "Møh"

Die Milch-Union macht künftig "Møh"

Gigantenehe, Megafusion oder Elefantenhochzeit: Die Nachricht von einem möglichen Zusammenschluss der dänisch-schwedischen Molkereigenossenschaft Arla mit der rheinland-pfälzischen Milch-Union Hocheifel hat die Branche überrascht. Die Reaktionen auf eine mögliche Fusion sind geteilt.

Pronsfeld. "Die Muh wird verkauft" - das Gerücht macht am Dienstagmorgen in der Eifel die Runde. Ist da was dran? Wolfgang Rommel, Pressesprecher der Milch-Union Hocheifel in Pronsfeld, hält sich zurück: "Wir werden um 10 Uhr zu einer Pressekonferenz einladen, kommen Sie einfach vorbei." Was es da zu verkünden gebe, verrät er zunächst nicht. Er denke aber, dass es sich um eine gute Nachricht handle.
Kurz darauf geht die offizielle Pressemitteilung ein: "Die Milch-Union Hocheifel und die deutsch-skandinavische Molkereigenossenschaft Arla Foods amba ziehen einen Zusammenschluss in Betracht. Führende Repräsentanten beider Unternehmen haben ihren Eignern einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet.
Über das Zustandekommen der angestrebten Fusion stimmen die Vertreter der Mitglieder in den Vertreterversammlungen beider Genossenschaften jeweils am 26. Juni 2012 ab. Aus der geplanten Fusion würde ein starkes nordeuropäisches und das drittgrößte Molkereiunternehmen in Deutschland hervorgehen."
Arla wäre nach der Fusion zugleich der viertgrößte Molkereikonzern in Europa. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 17 000 Mitarbeiter, setzt 7,4 Milliarden Euro um und verarbeitet mehr als neun Milliarden Kilo Milch. Die Muh, eines der größten Unternehmen in der Eifel, ist im Vergleich zum deutsch-schwedischen Partner ein kleiner Happen: rund 850 Mitarbeiter, im Vorjahr verarbeitete man mehr als eine Milliarde Kilo Milch und setzte etwa 700 Millionen Euro um. Gleichzeitig wird am Dienstag in London bekanntgegeben, dass die dort ansässige Molkerei Milk Link ebenfalls der Arla beitreten soll.
Unbegrenzte Abnahme



Die führenden Repräsentanten sitzen dann nachmittags um 13 Uhr in Pronsfeld beisammen und legen ihren beabsichtigten Zusammenschluss dar: "Für unsere Mitglieder und die Region haben wir heute gute Nachrichten", sagt Muh-Geschäftsführer Rainer Sievers.
Man sei trotz aller bisherigen Kooperationen (mit Ammerland und Schwälbchen, der TV berichtete) und weiterer Maßnahmen zur Stabilisierung des Unternehmens nicht gewiss, ob dies alles ausreiche, um den Genossenschaftlern "langfristig einen guten Milchpreis auszuzahlen". Durch den Zusammenschluss mit Arla erhalte man nun einen starken Partner, der die Milch-Union "signifikant" stärke - und Zugriff auf den Weltmarkt.
Noch wichtiger für die rund 2600 Muh-Lieferanten: eine unbegrenzte Milchabnahme-Garantie. Sievers: "Wir erfassen die Milch uneingeschränkt auch nach 2015" - das Jahr, in dem die Quote fällt. Außerdem könne man durch die Fusion einen besseren Kilopreis zahlen, der laut Schätzungen der Verantwortlichen einen bis zwei Cent höher liegen soll als bisher.
Eine weitere gute Nachricht hält Tim Ørting Jørgensen, der Arla-Chef für Deutschland und die Niederlande, für die Muh-Bauern bereit: Man wolle in Pronsfeld "noch ein bisschen mehr investieren", in Trockenturm und Butteranlage. Neben den bereits von der Milch-Union vorgesehenen 60 Millionen Euro, sekundiert Sievers, soll eine weitere achtstellige Summe in den Eifeler Standort fließen, die Rede ist von gut 20 Millionen.
Die Milch-Union wäre, sofern die Vertreter zustimmen und das europäische Kartellamt keine Bedenken hat, einer von 60 Standorten, die zu Arla gehören.
Einer von 60? Die ersten Reaktionen in der Muh-Bauernschaft sind entsprechend gespalten.
Michael Horper, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Bitburg-Prüm, kann einem Zusammenschluss viel abgewinnen. "Für die Bauern ist der Milchpreis das A und O, und mit einem so starken Partner an der Seite sind die Zukunftsaussichten viel besser."
Zudem sieht Horper auch den Standort im Mittelpunkt. "Die Muh ist Arbeitgeber für fast 1000 Menschen. Pronsfeld, das ist unser Allerheil\'gstes." Dabei müsse man auch verschmerzen, dass man an Einfluss auf die Unternehmenspolitik verliere. Beifall gibt es von Landwirt und MdL, Michael Billen: "Das ist eine sehr gute und zukunftsweisende Entscheidung."
Kurt Kootz, Landesvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), hörte die Nachricht bei der Muh-Vertreterversammlung am Montag in Prüm: "Die Informationen sind noch so neu, dass das erstmal sacken muss." Die erste Reaktion der Bauern (von 145 nahmen 137 teil) sei "verhalten und nachdenklich" gewesen. Zu einer genauen Beurteilung der angestrebten Fusion fehle es noch an Details, sagt Kootz. "Da müssen wir in den nächsten Tagen noch Informationen kriegen". Die Muh bleibe zwar als eigenständige Genossenschaft erhalten, "aber da ist bei mir schon die Befürchtung, dass wir in einem großen Unternehmen untergehen".
Wird die Muh nun also verkauft? "Wir geben unser operatives Geschäft ab", sagt Sievers. "Insofern können Sie es Übernahme nennen. Aber Fusion ist der richtige Ausdruck."

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