Die Region sucht gesunde Unternehmen

Gesundheitspreis Trier : Die Region sucht gesunde Unternehmen

Die Kreishandwerker­schaft Trier-Saarburg und die IKK Südwest verleihen dieses Jahr den Gesundheitspreis Trier an ein Unternehmen, das sich besonders gut für das Wohlergehen der eigenen Mitarbeiter einsetzt. Welche Firmen da wohl das Rennen machen?

Man muss nicht immer gleich ein eigenes Firmenschwimmbad bauen, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern. Das sagt Peter Klassen, der in Temmels eine Fleischerei betreibt und genau das getan hat – ein Schwimmbad für sein Team gebaut. Aber der Reihe nach: Dieses Jahr wird der Gesundheitspreis Trier verliehen, der an Unternehmen geht, die Gesundheit in ihrem Betrieb großschreiben. Die Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg und die IKK Südwest suchen noch Bewerber aus der Region.


Die Gründe
Axel Clever, Projektleiter der Gesundheitsförderung bei der IKK Südwest, spricht bei der Idee für den Gesundheitspreis vor allem über soziale Verantwortung, aber auch über finanzielle Gründe. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig, als Arbeitgeber attraktiv zu sein und die eigenen Mitarbeiter auch im Betrieb halten zu können.“ Laut Schätzungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft haben Arbeitgeber im Jahr 2017 rund 53,3 Milliarden Euro allein für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gezahlt.

Und selbst wenn Mitarbeiter nicht krank sind, kann es laut Axel Clever trotzdem helfen, wenn die Firma sich für die Gesundheit der Mitarbeiter einsetzt. Der sogenannte Präsentismus beschreibe, dass ein anwesender Mitarbeiter, der nicht voll einsatzfähig ist, ebenfalls einen unterschätzten Kostenfaktor darstelle.

Auch Fleischermeister Peter Klassen berichtet, er habe in seinem Unternehmen bereits gespürt, wie hilfreich es ist, wenn alle Mitarbeiter sich dort gut aufgehoben fühlen und als Team an einem Strang ziehen. „Natürlich kommt so ein Schwimmbad nicht bei allen gut an, aber so etwas braucht es auch gar nicht unbedingt. Einfach mal mit den Mitarbeitern wandern gehen kann jeder Betrieb, das kostet nichts.“


Gesundheitsmanagement Unternehmen haben in der Gesundheitsverbesserung vielfältige Möglichkeiten. Ein Beispiel ist laut Klassen die betriebliche Altersvorsorge. Axel Clever nennt die Prävention als wichtigen Faktor – in Form von Seminaren zu gesunder Ernährung, Stressbewältigung oder Rückencoaching. Laut ihm soll die IKK Südwest die Unternehmen, die sich bewerben, mit persönlicher Betreuung und Beratung, finanziellen Mitteln und dem Bereitstellen von Kontakten entsprechender Ansprechpartner unterstützen.

Auch die Arbeitsplatzanalyse könne für Firmen hilfreich sein, ebenso eine gut betreute Wiedereingliederungshilfe, beispielsweise nach längerer Krankheit. Clever erklärt: „Die Unternehmen müssen das Gesundheitskonzept an ihre Bedürfnisse angepasst entwickeln und in die Firmenstruktur integrieren.“ Denn nicht jeder Betrieb habe die gleichen Bedürfnisse.

Er erzählt außerdem von der sogenannten Gesundheitsmanufaktur der IKK in Koblenz. Dort können kleine und mittelständische Betriebe Angebote rund um das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und Betriebliches Eingliederungsmanagement wahrnehmen. So eine Manufaktur sei auch für Trier denkbar, sagt Jörg Loth, der im Vorstand der IKK Südwest ist.

Wie halte ich mich auf der Arbeit fit? Sportwissenschaftler Dieter Breithecker erklärt, dass auch handwerkliche Arbeit, bei der man nicht den ganzen Tag auf dem Bürostuhl verbringt, nicht unbedingt gesundheitsfördernd sein muss. „Einseitige Bewegungsabläufe stehen im Widerspruch zur biologischen Beschaffenheit des Menschen. Und auch das Modell ‚10 Stunden im Büro sitzen und dann abends eine Stunde Sport machen’ ist nicht optimal – man muss sich immer wieder zwischendurch bewegen.“

Peter Klassen (Fleischermeister), Ulf Wolfs (stellvertretender Regionaldirektor IKK Südwest), Eugenie Müller (Vorsitzende Landesverband RLP der Unternehmerfrauen im Handwerk), Bärbel Schädlich (Geschäftsführung Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg), Jörg Loth (Vorstand IKK Südwest) und Gerd Benzmüller (Kreishandwerksmeister Trier-Saarburg) (von links) bei der Auftaktveranstaltung. Foto: Marlene Bucher

Soziale Kontakte seien ebenfalls sehr wichtig für die Gesundheit – ein gutes Klima zwischen den Kollegen ist also maßgeblich für die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Ebenso wie genügend Schlaf, also im Schnitt zwischen sieben und acht Stunden, und eine an den persönlichen Bedarf angepasste Ernährung. „Jemand, der nur im Büro sitzt, hat natürlich einen anderen Ernährungsbedarf, als jemand, der im Handwerk arbeitet.“

Gesunde Firmen gesucht Bereits vier Betriebe aus der Region haben sich für den Trierer Gesundheitspreis angemeldet, und es werden noch weitere gesucht. Bei Interesse können sich Unternehmen noch bis zum 30. Juni bewerben (siehe Info).

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