Die Sektmacherin

Wein statt Geldscheine: Ramona Neisius ist gelernte Bankkauffrau und hat sich vor zwei Jahren entschieden, Weinküferin zu werden. Vor kurzem ist sie als Ausbildungsbeste ihres Jahrgangs in Deutschland ausgezeichnet worden.

2008 war für Ramona Neisius aus Palzem-Wehr (Kreis Trier-Saarburg) ein Schlüsseljahr. Es war das Jahr, in dem sich ihr Leben änderte. Statt jeden Tag zur Sparkasse zu fahren, wie sie es zu dem Zeitpunkt seit sieben Jahren machte, tauschte sie Bluse gegen Arbeitshemd und ging noch einmal in die Lehre. Statt Geld von anderen Menschen zu verwalten, veredelt sie nun Traubensaft zu Wein und Sekt. Sie ist Weinküferin, und eine gute noch dazu: Im Dezember wurde sie in Berlin als Beste ihres Jahrgangs ausgezeichnet - in ganz Deutschland.

"Irgendwann habe ich gedacht, das ist nicht das, was ich mein Leben lang machen möchte", sagt die 28-Jährige über ihre Zeit als Bankkauffrau. 2001 hatte sie nach dem Abitur die Ausbildung angefangen, arbeitete die meiste Zeit in der Filiale in Wincheringen. "Es war nicht alles schlecht, aber mir hat gefehlt, dass ich am Abend sehe, was ich tagsüber gemacht habe", erklärt sie.

Den Wein von der Traube bis zur Flasche begleiten



Nun betreut sie die angelieferten Trauben in der Außenstelle der Moselland eG in Wiltingen, arbeitet mit daran, dass aus ihnen Wein und Sekt entstehen. "Weinküfer war schon immer irgendwie in meinem Kopf", sagt Neisius.

Zwar kommt sie selbst nicht von einem Weingut, aber Verwandte und Freunde machen Wein: "Ich bin also schon mein ganzes Leben lang damit in Berührung."

Daher wusste sie auch, was ein Weinküfer macht - und was nicht. "Manche Leute fragen mich: Machst du Fässer?", sagt sie und lacht. Weinküfer - früher hießen sie auch Weinhandelsküfer - sind keine Küfer im alten Sinne, also Fassmacher. Sie nehmen die Trauben entgegen, verarbeiten sie und überwachen und steuern den Gärvorgang, machen Laborversuche. Sie begleiten Wein und Sekt also von der Traube bis zur Flasche.

Den Ausbildungsplatz zu bekommen war gar nicht so einfach, sagt Neisius. "Ich habe mich an vielen Stellen beworben, aber ich glaube, manche haben ein Problem darin gesehen, dass ich eine Frau bin." In der Tat ist laut Industrie- und Handelskammer (IHK) die Frauenquote bei den Weinküfern mit deutlich unter zehn Prozent gering. "Aber ich habe körperlich keine Nachteile", sagt sie. "Klar, ich muss auch mal schwer heben, aber zur Not habe ich nette Kollegen."

Im Juli 2010 hatte sie ihre Prüfung mit sehr gut abgeschlossen. "Ich konnte die Ausbildungszeit verkürzen, weil ich ja schon eine abgeschlossene Ausbildung habe", sagt sie. Bei der Ehrung in Berlin war sie eine von 213 Prüfungsabsolventen der Industrie- und Handelskammer, die in ihre Ausbildung mit sehr gut und als Beste des Jahrgangs abgeschlossen haben - immerhin von rund 300 000 Absolventen insgesamt. "Das war schon ein schönes Erlebnis", sagt Neisius.

Die Entscheidung gegen die Bank und für den Wein war richtig, da ist sich die junge Frau sicher. "Es ist eben nicht mehr so abstrakt, sondern am Ende hat man ein Produkt in der Hand, an dem man von Anfang bis Ende mitgearbeitet hat." Dieses Produkt lässt sie auch im Privatleben nicht los: "Ich habe einen kleinen Weinberg. Hobbymäßig, für den Eigengebrauch", sagt sie.

Wie die Zukunft konkret aussehen soll, weiß Ramona Neisius noch nicht genau. "Ich fühle mich wohl hier und lasse es auf mich zukommen." Den Meisterlehrgang hat sie im Blick - dann wäre sie irgendwann Kellermeisterin.

Prinzipiell könnte sie in ihrem Beruf die Welt erobern, aber das ist gar nicht ihr Ziel. "Ich bleibe lieber hier. Ins Ausland zu gehen, daran habe ich kein Interesse."ExtraAusbildungsberuf Weinküfer: Weinküfer stellen aus Trauben, Äpfeln und anderem Obst Wein, Most und Fruchtsaftgetränke her. Dazu müssen sie beispielsweise die einzelnen Schritte von der Traube bis zum erlesenen Wein kennen. Sie wissen, wann der beste Zeitpunkt für die Lese ist und welche Traube sich für welches Produkt am besten eignet. Sie überprüfen die Qualität des Obstes, verarbeiten es, überwachen sowie steuern den Gärvorgang und sind für Laboruntersuchungen zuständig. Die Ausbildung erfolgt in der Regel in Wein-, Sekt-, oder Apfelsaftkellereien. Bewerber sollten sich für biologische und chemische Vorgänge interessieren, Verständnis für technische Zusammenhänge besitzen sowie einen guten Geruchs- und Geschmackssinn haben.