"Die Stadt liefert sich selbst ans Messer"

"Die Stadt liefert sich selbst ans Messer"

Nach zehn Jahren an der Spitze des Einzelhandelsverbandes Region Trier (EHV) tritt Michael Müller zurück. Der scheidende Präsident ist nicht amtsmüde, sondern hat sich schon 2003 auf eine zehnjährige Dienstzeit festgelegt. Bei der Plänen der Stadt Trier mit dem Projektentwickler ECE will sich Müller aber auch weiterhin im Sinne des EHV einbringen.

Die Dekade von Michael Müller als Präsident des Einzelhandelsverbandes endet an diesem Donnerstag. Nach TV-Informationen gilt der Trierer Musikhändler Georg Kern als aussichtsreicher Kandidat auf die Nachfolge. Michael Müller möchte sich dazu nicht äußern. Nach zwei Legislaturperioden zieht sich der Chef des Trierer Herrenausstatters Zur Blauen Hand als EHV-Spitze zurück. "Zehn Jahre sind genug, um dem Verband eine gewisse Kontinuität zu geben. Nun soll ein neuer Kopf neue Ideen einbringen", findet Müller.

Doch angesichts der aktuellen Situation geht der langjährige Präsident auch mit Wehmut. "Es ist schade, dass gerade jetzt zum Schluss meiner Amtszeit die Diskussion um ein ECE-Engagement hochkommt." Die Zukunft der Innenstadt berühre ihn stark: "Ich gehe mit sehr großer Sorge", sagt er.Klare Position des EHV

Müller fordert von der Stadt Trier bei der geplanten Entwicklungsvereinbarung mit dem Hamburger Projektentwickler ECE eine transparente und ergebnisoffene Herangehensweise. "Dafür werde ich auch weiter kämpfen. Entweder für den Einzelhandelsverband oder sogar in einer Bürgerinitiative."Angesichts der Reichweite dieser Entscheidung treten die vielen anderen Themen im EHV etwas in den Hintergrund. "In den zehn Jahren gab es viele wichtige Entwicklungen", sagt Müller. So fusionierten die Landesverbände Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz zum Einzelhandelsverband Mitte. Die Aufhebung des Rabattgesetzes beschäftigte den EHV-Präsidenten zu Beginn seiner Amtszeit. "Eine Renovierung des Rabattgesetzes war sicher dringend notwendig.

Doch die Aufhebung hat nur zu einem ruinösen Wettbewerb und einer Verunsicherung der Verbraucher beigetragen," erklärt Müller. Ein wichtiges Thema war für ihn auch die Trier Galerie. "Dem Projekt hat der Einzelhandelsverband von Anfang an positiv gegenübergestanden, weil die Galerie in die Innenstadt integriert ist." Ganz anders beurteilt Müller indes die Pläne des Hamburger Projektentwicklers ECE, der ein bis zwei Einkaufscenter in Trier bauen möchte. Bis zu 250 Millionen Euro möchte ECE in Trier investieren. Dafür könnte im Bereich der Europahalle ein Shopping-Center entstehen. Als zweiten Standort nennt das Unternehmen die Simeonstraße. Die Entscheidung über einen entsprechenden Entwicklungsvertrag zwischen der Stadt Trier und dem Unternehmen ist in den Juli verschoben worden.

Für Michael Müller hat der ihm vorliegende Vertrag aber mehr als nur einen Pferdefuß. "Ich verstehe überhaupt nicht, warum jetzt eine solche Eile geboten ist", sagt er. Der EHV kritisiere dabei nicht, dass ECE nach Trier möchte, sondern vor allem die "Vorgehensweise" der beiden möglichen Vertragspartner. Die Stadt liefere sich quasi einem Investoren ans Messer.Unabhängige Planung gefordert

"Wenn die Stadt wirkliche Transparenz will, sollte sie die Planung unabhängig von jeglichen Investoren durchführen, und erst im Anschluss einen Bieterwettbewerb ausschreiben", so der 57-Jährige. Müller bezweifelt beispielsweise, dass die Stadt so ohne weiteres wieder vom Vertrag zurücktreten könne. "Die von Oberbürgermeister Jensen angeführte Ausstiegsklausel gibt es so nicht in dem Vertrag."

Auch die Ergebnisoffenheit des gesamten Prozesses werde dadurch ad absurdum geführt, dass der Vertrag eine Kostenerstattungsklausel enthalte, in der die Gutachterkosten von ECE im Falle eines ‚positiven Ergebnisses‘ mittels eines gesonderten Vertrages zurückerstattet würden. "Wir wünschen uns einen unabhängigen Masterplan für die Innenstadt und wir möchten, dass dabei die Stadt das Heft in der Hand hält", fordert er vehement. Michael Müller tritt in dieser Woche als EHV-Präsident zurück. "Den Kampf um eine transparente und ergebnisoffene Stadtentwicklung, führe ich aber bis zum Ende weiter."Extra

Der Einzelhandelsverband in der Region Trier hat rund 450 Mitglieder. Zu den Aufgaben des Verbandes gehört etwa die Beratung in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen, die kostenfreie Vertretung vor Arbeits- und Sozialgerichten oder die Beratung in Fragen des Wettbewerbsrechts und der Gestaltung von Werbeanzeigen bis hin zur Abmahnung unzulässiger Werbeaktionen. Zudem bringt sich der Verband als Stimme des Handels in die politische Diskussion ein. Der EHV in der Region Trier ist zuständig für Einzelhändler in der Stadt Trier, den Landkreisen Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und dem Vulkaneifelkreis. Der Handel hat in der Region Trier eine herausragende Stellung. Rund 2,5 Milliarden Euro setzen die Unternehmen um, im Mittelpunkt steht dabei der Handel in der Stadt Trier, der mit etwa 900 Händlern mehr als eine Milliarde Euro umsetzt. Insgesamt sind 13 000 Menschen im Handel beschäftigt. hw