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Diese Probleme plagen die Handwerksunternehmen in der Corona-Krise

Handwerk : Das Handwerk und die Krise

Der Verband der Vereine Creditreform e.V. untersucht seit vielen Jahren systematisch die Situation im deutschen Handwerk. In diesem Jahr ist der Blick auf die unterschiedlichen Branchen besonders aufschlussreich.

Die Untersuchung der Experten zeigt, wie sehr die verschiedenen Branchen und Gewerke durch die Pandemie beeinträchtigt werden. Diese Ergebnisse decken sich zu großen Teilen mit den Einschätzungen der regionalen Akteure. Während die Geschäfte im Bauhauptgewerbe und im Ausbaugewerbe oftmals noch gut laufen, leiden KFZ-Gewerbe und Nahrungsmittelhandwerk deutlich unter den Folgen.

62,7 Prozent der Befragten meldeten in diesem Zusammenhang ein „gut“ oder „sehr gut“. Im Vorjahr waren das noch 76,2 Prozent. Aufgrund der Dominanz des Bauhandwerks sind die Einbrüche bei der Geschäftslage insgesamt aber moderat. Untergangsstimmung herrscht im Handwerk nicht.

Doch ganz so ungeschoren kommt das Gesamthandwerk nicht durch die Corona-Krise: Drei von zehn Betrieben (30,2 Prozent) verzeichneten laut Creditreform in den letzten sechs Monaten einen Umsatzrückgang. Nur noch 21,8 Prozent der Befragten berichteten von einem Umsatzplus (Vorjahr: 38,1 Prozent). Erstmals seit der Finanzkrise 2009/2010 gibt es wieder ein Übergewicht negativer Umsatzmeldungen.

Dramatisch verschlechtert hat sich die Umsatzsituation insbesondere im KFZ-Gewerbe und im Nahrungsmittelhandwerk, wo jeweils jeder zweite Betrieb ein Umsatzminus verzeichnete. „Die Corona-Krise hat insbesondere dem KFZ-Gewerbe und dem Nahrungsmittelhandwerk zugesetzt. In diesen Bereichen kam es zu einer regelrechten Erosion der Eigenkapitalquoten“, warnt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Der Anteil der eigenkapitalschwachen Betriebe nahm von 27,7 auf 33,9 Prozent (KFZ-Gewerbe) beziehungsweise von 20,9 auf 33,3 Prozent (Nahrungsmittelhandwerk) zu. Beide zählten in der Vergangenheit zu den eigenkapitalstärksten Wirtschaftsgruppen im Handwerk überhaupt. Das sei nun Geschichte – die Reserven seien vielfach aufgebraucht. Nur noch 22,9 Prozent (KFZ-Gewerbe) und 30,6 Prozent

(Nahrungsmittelhandwerk) der Betriebe verfügen über eine komfortable Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Im Vorjahr waren es im KFZ-Gewerbe noch 25,7 Prozent und im Nahrungsmittelhandwerk 41,9 Prozent.

Hantzsch: „Vor diesem Hintergrund muss die finanzielle Talfahrt bei den Betrieben dringend aufgehalten werden, um Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung und damit die Insolvenz vieler Handwerker abzuwenden.“

In dieser unsicheren Phase halten sich die Betriebe mit Investitionen zurück. Nur 49,5 Prozent der befragten Betriebe wollen in der nächsten Zeit investieren. Das ist der niedrigste Wert seit 2013. Zuletzt lag der Anteil der investitionswilligen Betriebe deutlich über der 50-Prozent-Marke (2020: 53,1 Prozent; 2019: 59,2 Prozent). Das Hauptaugenmerk liegt im Handwerk derzeit auf Ersatzinvestitionen (62,7 Prozent).

Und welche Rollen spielen die Hilfsprogramme des Staates in dieser Lage für das Handwerk? Auch diesen Ansatz haben die Kredit-Experten untersucht. Demnach bilden die sogenannte Soforthilfe sowie das Kurzarbeitergeld die wichtigsten Unterstützungsleistungen im Zuge der Corona-Krise. 25,4 beziehungsweise 22,5 Prozent der Befragten haben diese Hilfen in Anspruch genommen.

Die Überbrückungshilfe des Bundes wurde dagegen kaum beantragt. Gut die Hälfte der Befragten (54,1 Prozent) hat gar keine Corona-Hilfen in Anspruch genommen. Am höchsten war dieser Anteil im Bauhauptgewerbe.