Diese Teenager aus Trier machen Business statt Party

Kreatives Start-Up : Diese Teenager aus Trier machen Business statt Party

Während Gleichaltrige in ihrer Freizeit Freunde treffen oder feiern, haben Trierer Jugendliche ein Unternehmen gegründet. Ihre Referenzen sind beeindruckend.

Samstag, 10 Uhr. Viele Teenager dürften sich gerade müde vom Feiern noch einmal im Bett umdrehen, während sich in Olewig ein Unternehmen aus kreativen Köpfen zusammenfindet. Die meisten von ihnen haben bereits eine morgendliche Joggingeinheit hinter sich. Ein Tagesplan mit 90-minütigen Arbeitsphasen ist das Ergebnis effizienten Zeitmanagements. Alles ist bis ins Detail organisiert. Bemerkenswert, aber nicht ungewöhnlich für engagierte Unternehmer. Bis auf die Tatsache, dass die CreativeMindz im Durchschnitt erst 18 Jahre alt sind.

Mit dem Gedanken, das Leben könne nicht nur aus Schule bestehen, suchten Lorenz Becker und Raphael Leukel vor einem Jahr nach einer Tätigkeit zur Selbsterfüllung. Beide interessieren sich für Fotografie und Videoproduktion, beide wollten unabhängiger werden und waren entschlossen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. „Ich war schon immer sehr ehrgeizig“, sagt Lorenz Becker. Bei einer Forschungsreise durch Amerika habe er beeindruckende Persönlichkeiten mit Idolcharakter kennengelernt. Da sei ihm klar geworden, dass niemand ihn daran hindern würde, seine Ziele zu erreichen.

Auf einer Klassenfahrt stellten Leukel und Becker fest, dass sie ähnlich ticken und beschlossen, ihr Medienhobby neben der Schule zum Beruf zu machen. Mit ihrer neu gegründeten GbR spezialisierten sie sich zunächst auf Content-Marketing für Firmen: Sie lieferten Inhalte wie Fotos und Videos für deren Online-Präsenz auf Websites und Social Media.

Richtig ins Rollen kam das Projekt im Sommer 2019, als die Brüder Philipp (16 Jahre) und Henrik (19 Jahre) Ekstrand das Team komplettierten. Auch Henrik betrieb schon ein Unternehmen: Durch den Verkauf von Energieverträgen sammelte er Erfahrungen in der Kundenberatung und im Verkauf.

Später erstellten er und sein Bruder Internetseiten für Unternehmen. Bei einem Treffen erkannten die vier Jugendlichen, dass sie sich prima ergänzen. Aus einer losen Zusammenarbeit entwickelte sich die Idee, alle Leistungen aus einer Hand zu liefern, wie Henrik erzählt: Neben Websiteerstellung und Social Media Content zählen heute auch Social Media Ads und Trailer- beziehungsweise Videoproduktion zum Leistungsspektrum des Start-ups.

Neben der Botschaft, dass hier kreative Köpfe am Werk sind, versteckt sich im Namen ein weiteres durchdachtes Detail: „Das Z steht für Generation Z“, erklärt Raphael Leukel. Das soll ausdrücken, dass die Unternehmen es hier mit Digital Natives zu tun haben, also mit Menschen, die mit den neuen Medien aufgewachsen sind. Und genau da sehen die CreativeMindz ihren Vorteil: Der Umgang mit Medien ist für sie keine mühselige Arbeit, sondern eine alltägliche Beschäftigung, die ihnen leicht fällt. Als Social-Media-Konsumenten leben sie, was sie verkaufen. „Es fühlt sich nicht wie Arbeit an“, sagt Philipp Ekstrand, „es macht unglaublich viel Spaß.“

Das sehen die Kunden offenbar, sie zeigten sich regelmäßig positiv überrascht von der Professionalität der Ergebnisse, erzählen die Jungs. Zu ihrem Kundenstamm zählen beispielsweise die Parfümerie Edith Lücke und die Industrie- und Handelskammer. Seit Juni verzeichnet die Agentur bereits 20 einmalige Websiteprojekte und zehn ständige Kunden.

Sie überträfen die prognostizierten Ergebnisse von Online-Werbeanzeigen für ihre Kunden nicht selten um 3000 Prozent, berichten die Jungunternehmer. Für einen Kunden hätten sie im Monat September auf einer einzigen Social-Media-Plattform hochgerechnet 2,8 Millionen Impressionen erzielt. Diese Zahl misst, wie oft die Online-Beiträge einer Firma zum ersten Mal auf einem Bildschirm angezeigt wurden und trifft damit Aussagen über die erreichte Zielgruppe.

Mit dem Erfolg wachsen auch die Ansprüche an sich selbst. Heute bestehen die CreativeMindz neben dem Kernteam aus mehreren freien Mitarbeitern. In fünf Jahren sehen sie sich ganz weit oben: „Dann werden wir unser Studium abgeschlossen haben und zu viert am Aufbau eines eigenen eCommerce und der Entwicklung innovativer Technologien arbeiten“, ist Lorenz Becker überzeugt. Den Namen CreativeMindz sollte man sich schon einmal merken.

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