Drei Stunden ohne Bewegung

Drei Stunden ohne Bewegung

Die Lokführer machen Ernst. Am Freitag fiel dem dreistündigen Streik bundesweit ein Viertel aller Fernverbindungen zum Opfer. Auch die S-Bahn- und Regionalverbindungen waren stark betroffen.

(slg/dpa) Der Blick der meisten Reisenden am Trierer Hauptbahnhof fällt am Morgen auf die Anzeigentafel. "Zug fällt aus" steht da in gelben Lettern - sowohl bei der Verbindung nach Wittlich als auch bei den Regionalzügen nach Koblenz oder nach Saarbrücken.

Stefani Leopold, eine 20-jährige Studentin, ist auf dem Weg in ihre Heimat Bremen. Etwa einmal pro Monat besucht sie dort ihre Eltern. "Ich wollte nach Koblenz und von dort den Zug nach Bremen nehmen. Aber diesen Anschluss habe ich jetzt verpasst." Sie habe zwar Verständnis für die Lokführer, die mehr Geld haben wollen. "Aber ein bisschen genervt bin ich schon."

Eine andere Frau sitzt in der Eingangshalle des Bahnhofs und blickt abwechselnd auf die Anzeigentafel und auf ihre Armbanduhr. "Ich wollte nach Saarbrücken. Mal gucken, wann ich hinkomme." Verärgert sei sie jedoch nicht. "Für den Streik gibt es ja einen guten Grund."

Rund 70 Prozent aller Regionalzüge haben sich gestern Vormittag nach Angaben der Gewerkschaft GDL verspätet oder sind komplett ausgefallen. Die Deutsche Bahn kann die Zahl von 70 Prozent Ausfällen oder Verspätungen in der Region nicht bestätigen. Stattdessen ist von "einzelnen Betroffenheiten" die Rede. "Es ist zwar der eine oder andere Zug ausgefallen", sagt eine Sprecherin des Konzerns. Doch es gab auf keiner Strecke in der Region einen kompletten Stillstand. "Wir haben niemanden zurückgelassen."

100 Lokführer in Rheinland-Pfalz beteiligt



Von den Warnstreiks der Lokführer ist am Freitagvormittag nach Gewerkschaftsangaben mindestens jede zweite Zugverbindung in Rheinland-Pfalz und im Saarland beeinträchtigt worden. Neben dem Rhein-Main-Gebiet seien besonders die Moselstrecke und der Rhein-Neckar-Raum betroffen gewesen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) für den Bezirk Südwest, Kurt Wenker, in Mannheim.

Die Lokführer waren am Freitagmorgen bundesweit in einen dreistündigen Warnstreik getreten - bereits der zweite diese Woche. Die GDL will mit den Aktionen ein besseres Angebot der Arbeitgeber erzwingen und einen flächendeckenden Tarifvertrag durchsetzen. Es seien deutschlandweit mehr als ein Viertel aller Fernzüge betroffen gewesen, sagte Deutsche-Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg nach dem Ende des Ausstands. Bei den S- und Regionalbahnen sei es zu massiven Einschränkungen gekommen, die sich aber nicht beziffern ließen. Die Zugausfälle vom Morgen hätten Folgen bis in den Abend: "Die Wochenendpendler haben erheblich unter der Situation zu leiden", sagte Homburg in Frankfurt. Der Bahnmanager kritisierte die GDL für ihre Streiktaktik. Die Bahn sei das falsche Ziel, weil sie nahezu alle Tarifforderungen der Gewerkschaft erfüllt habe. Bereits vor dem Warnstreik hatte die Deutsche Bahn den Arbeitskampf überzogen genannt und kritisiert, dass die GDL ein Spiel auf dem Rücken der Kunden treibe. Nach Angaben der GDL haben sich im Bezirk Südwest rund 360 bis 400 Lokführer an dem Warnstreik beteiligt, darunter gut 100 aus Rheinland-Pfalz. Regional- und Fernverkehr seien im Land ähnlich stark betroffen gewesen, sagte Wenker. Der GDL-Bezirk Südwest ist für Rheinland-Pfalz, das Saarland und Baden-Württemberg zuständig. hintergrund Ein Lokführer bei der Deutschen Bahn verdient pro Monat im Schnitt rund 2700 Euro brutto. Diese Summe liegt unter dem Durchschnittsverdienst aller deutschen Arbeitnehmer - der beträgt 3237 Euro. Für die Ausbildung zum Lokführer reicht nach Angaben der Deutschen Bahn ein guter Hauptschulabschluss. Nach Darstellung der Gewerkschaft GDL bekommen die Lokführer bei den Konkurrenten der DB teilweise 30 Prozent weniger Geld. Bei 2700 Euro brutto wären das nur noch knapp 1900 Euro. (dpa)

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