1. Region
  2. Wirtschaft

Druckerei Ensch und ensch media feieren Jubiläum

Jubiläum : 75 Jahre und vier Unternehmergenerationen

Die Firmengründung kurz nach dem zweiten Weltkrieg, Jubiläum in der Corona-Krise. Doch bei der Trierer Druckerei Ensch schiebt man auch in diesen Zeiten keinen Frust, sondern ist stolz auf die lange Tradition des Familienunternehmens.

Arnold Ensch stand vor 75 Jahren vor einer schwierigen Entscheidung. Trier war zerbombt, der Zweite Weltkrieg gerade beendet und er sollte sich entscheiden, auf diesen Trümmern ein Unternehmen zu gründen. Er wagte den Schritt und legte damit den Grundstein für das Jubiläum, das die Druckerei Ensch aus Trier in diesem Jahr feiern kann. Das Familienunternehmen ist nach einigen Aufs und Abs heute in Trier-Nord heimisch geworden. Urenkelin Silvia Günther hat vor Jahren zudem die Werbeagentur Ensch-Media gegründet, beide selbstständigen Unternehmen arbeiten eng zusammen und haben in diesem Jahr zwei Gründe zu feiern. 75 Jahre Druckerei Ensch, 20 Jahre ensch-media.

In der Corona-Krise lohnt sich der Blick in die Anfänge der Druckerei. Auch heute stehen viele Unternehmen vor einer herausfordernden Situation. 1945 ging es Arnold Ensch nicht anders. Der gelernte Buchdruckermeister hatte jahrelang in der „Axt & Cie Kartonagenfabrik“ in Trier als Buchdruckmeister gearbeitet. Nach dem Krieg, das Firmengebäude in der Güterstraße war vollkommen zerstört, boten die beiden älteren Besitzerinnen ihm die Möglichkeit, das Geschäft zu übernehmen. Arnold Ensch wagte den Schritt mit Mitte 50, denn er wusste, dass dies eine Aufgabe für die ganze Familie ist. Silvia Günther erinnert sich an die Geschichten, die in der Familie in Erinnerung geblieben sind: „Meine Urgroßmutter und die Tanten haben die Bleibuchstaben aus dem Schutt herausgesucht. Es war ein mühevoller Anfang.“

Doch mit Fleiß und Engagement schaffte die Familie den Aufbau, wie viele in der Generation der frühen Nachkriegszeit. Mit allerlei Druckaufträgen lief der Betrieb, die Familie war eingebunden, half bei der Produktion, dem Drucken, Stanzen, Schneiden, Binden, Verpacken und was sonst nötig war. Die Firma gab zudem zeitweise bis zu acht Beschäftigten Arbeit.

Mitte der 60er Jahre kam es dann aber zu einer weiteren Krise. Das Gebäude in der Güterstraße wurde Arnold Ensch gekündigt. Er musste einen neuen Produktionsstandort suchen. Als endlich der Umzug in die Gartenfeldstraße gelungen war, hatte die Aufregung den Seniorchef gesundheitlich arg mitgenommen und er gab die Firmenleitung an seine Tochter Tilly und seinen Schwiegersohn Franz ab. Franz Günther – ursprünglich gelernter Bäcker – hatte schon in den Jahren 1946 bis 1948 eine Umschulung zum Buchdrucker absolviert und konnte so in den neuen Räumen die Geschäfte fortführen.

Ein Sprung in die (damals) neue Technikwelt kam mit Sohn Franz-Rudolf Anfang der 70er Jahre. 1972 hatte er sein Diplom für Grafikdesign an der Fachhochschule Trier erworben und ist danach ins Geschäft eingestiegen. „Wir waren die erste Druckerei in Trier, die den Computersatz eingeführt hat“, erinnert sich der heutige Geschäftsführende. Mit neuen Druckmaschinen wurden die Geschäfte weiter angekurbelt, die Räume in der Gartenfeldstraße wurden schnell zu klein. Die Druckerei brauchte mehr Platz und fand den 1978 in Trier-Nord in der Paulinstraße. „Dort hatten wir endlich Platz und konnten neue Ideen umsetzen“, erinnert sich Franz-Rudolf Günther.

In den kommenden Jahren entwickelte sich der Betrieb weiter. „Die Drucktechnik in Deutschland hat sich rasant entwickelt und wir wollten dabei immer Schritt halten“, sagt Franz-Rudolf Günther. Zu den Kunden der Druckerei gehören viele mittelständische Unternehmen aus der Region, Ämter und Verwaltungen, das Trierer Theater, aber auch Privatpersonen. Wissenschaftliche Bücher, historische Dokumentationen, Prospekte, Jahrbücher, Imagebroschüren in großer und kleiner Auflage werden aufgelegt.

Mit der vierten Generation machte das Unternehmen einen weiteren Innovationssprung. Silvia Günther ist in der Druckerei groß geworden. Doch beruflich schlug sie zunächst einen anderen Weg ein. In Stuttgart an der Hochschule für Medien (HDM) studierte sie Wirtschaftsingenierurwesen für Medienwirtschaft. „Meine Diplomarbeit war sozusagen der Business-Plan für mein späteres Unternehmen“, erzählt sie. Das Thema: „Die Ausgliederung des strategischen Geschäftsteils Multimedia aus einer mittelständischen Druckerei.“ Doch mit dem  Diplom zog es zunächst Silvia Günther nicht zurück nach Trier. Zunächst startete sie bei den damals renommierten Hamburger Werbeagenturen Springer & Jacoby und Elephant Seven ihre berufliche Karriere. 

Zurück in Trier gründete sie 2000 die Werbeagentur ensch-media neben der Druckerei in der Paulinstraße. „Wir kommen aus dem Printbereich und die Zusammenarbeit hat von Anfang an gut funktioniert“, sagt sie. 2002 gab es bereits die ersten Auszeichnungen für die junge Agentur, die von Anfang an Nachwuchskräfte zu Mediengestaltern ausbildet. Darin sieht die Unternehmerin eine Stärke der Firma: „Wir haben einen tollen Teamspirit, das ist uns sehr wichtig und daran arbeiten wir ständig.“ Die Kunden von Druckerei und Agentur kommen überwiegend aus der Region: Neben öffentlichen Auftraggebern, Organisationen auch mittelständische Familienunternehmen, die die gleiche Unternehmer-DNA haben wie Ensch. „Wir bemühen uns um eine 360-Grad-Sicht auf unsere Kunden und die Menschen, die dahinter stehen und versuchen sie ganzheitlich zu betreuen.“ Eine treue Kundschaft zeige ihr, dass dieses Konzept aufgehe. Seit 2005 ist die Agentur-Chefin als Geschäftsführende Gesellschafterin in die Druckerei eingestiegen und leitet sie gemeinsam mit ihrem Vater.

Im Corona-Jahr bleibt indes wenig Zeit zum Feiern. „Bisher sind wir noch ganz gut durchgekommen, auch dank meines tollen Teams, das gerade unglaublich viel Energie in die Firma steckt“, schätzt Silvia Günther die Lage ein. Kunden, die selbst in die Krise geraten seien, berate und unterstütze man. 

Unternehmensgründer Arnold Ensch. Foto: Ensch Media/Privat

Beim nächsten Jubiläum hofft man bei dem Familienunternehmen, dass die äußeren Umstände einfacher sind, wenn man auch Aufs und Abs gewohnt ist.